100 Jahre Insulin

Vor 100 Jahren, am 11. Januar 1922, wurde erstmals ein zuckerkranker Patient mit Insulin behandelt.

In der Tat - der kanadische Forscher Frederick Grant Banting hat der Welt ein riesiges Geschenk gemacht... Foto: Raysonho @ Open Grid Scheduler / Grid Engine / Wikimedia Commons / CC0 1.0

(Karl-Friedrich Bopp) – Ein Meilenstein in der modernen Medizin. Am 11. Januar 1922 wurde an der Universität Toronto, Kanada, der zuckerkranke 14jährige Leonard Thompson erstmals mit Insulin behandelt. Den Mut zu diesem folgenreichen Versuch hatten der Mediziner Dr. Frederik Banting und sein Student Charles Best. Hier die Geschichte.

Die Krankheit Diabetes mellitus, im Volksjargon Zuckerkrankheit genannt, wurde bereits im 2. Jahrhundert nach Christus vom griechischen Arzt Aretaios von Kappadokien wie folgt beschrieben: “Fleisch und Blut schmilzt in Urin zusammen. Nie hören die Kranken auf, Harn zu lassen, sondern wie aus geöffneten Schleusen rinnt er unaufhörlich. Das Leben ist kurz, unangenehm und schmerzvoll, der Durst unstillbar und der Tod unausweichlich.

Was Diabetiker vor 1922 leiden mussten, entgeht unserer heutigen Vorstellungswelt. Es gab keine Therapie außer der Reduzierung der Einnahme von Kohlenhydraten, also hungern. Trotzdem stieg der Zuckergehalt im Blut weiter und irgendwann fielen die Erkrankten ins Koma.

Die Hoffnung auf Therapie begann 1921 mit der Isolierung des Hormons Insulin aus der Bauspeicheldrüse von Hunden. Gleichzeitig konnte man nachweisen, dass mit der Insulininjektion bei diabetes-kranken Hunden der Blutzuckerspiegel tatsächlich zurückging.

Am 11. Januar 1922 war es soweit. Frederik Banting und Charles Best wagten den Versuch am Menschen. Sie injizierten dem bereits auf 30kg abgemagerten 14jährigen Leonard Thompson erstmals Insulin. Dem todgeweihten Jungen ging es daraufhin schnell besser. Er lebte noch weitere 14 Jahre bevor er an einer – mit der Zuckerkrankheit nicht im Zusammenhang stehenden – Lungenentzündung verstarb.

An diesem Tag begann der Siegeszug des Insulins zur Therapie der Zuckerkrankheit. Als Anerkennung wurde 1923 Frederick Grant Banting der Medizin-Nobelpreis verliehen, zusammen mit dem Leiter des Labors John James Rickard MacLeod. Aufgrund der geleisteten Verdienste teilte Banting das Preisgeld großzügig mit seinem Studenten Charles Best.

Seither wurde stetig an der Verbesserung der Insulinqualität gearbeitet. Zunächst wurde Insulin aus den Bauchspeicheldrüsen von Rindern und Schweinen gewonnen. Da nicht modifiziertes tierisches Insulin jedoch häufig zu immunologischen Nebenwirkungen führte, wurde der Weg weiterverfolgt, um menschliches Insulin zu produzieren. 1982 wurde schließlich das gentechnisch hergestellte Humaninsulin eingeführt.

Heute leben allein in Deutschland ungefähr 8,5 Millionen Diabetes-Patienten, davon rund 370 000 sogenannte Typ-1-Diabetespatienten. Alle werden mit Insulin behandelt. Dank der Pionierarbeit der beiden kanadischen Forscher Banting und Best hat Diabetes mellitus seinen Schrecken als tödliche Krankheit verloren.

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