Achtung beim Parken im Elsass…

Seit dem 1. Januar ist das Falschparken im Elsass anders geregelt als bisher. Ab sofort muss man mit mehr Strafzetteln rechnen und sollte sich mit dem Bezahlen der Strafen am besten beeilen. Sonst wird’s immer teurer.

Den Stress sollte man sich lieber ersparen - und auf der deutschen Seite parken und mit der Tram ins Elsass fahren... Foto: Aisano / Wikimedia Commons / CC0 1.0

(KL) – Aus irgendeinem unerfindlichen Grund hält sich in Deutschland hartnäckig das Gerücht, dass man es in Frankreich mit den Verkehrsregeln nicht so genau nähme. Doch dieser Eindruck trügt – es gibt kaum ein anderes Land in Europa, indem bereits geringste Verstöße schneller und kompromissloser geahndet werden. Und seit dem 1. Januar wird das sogar noch unangenehmer – das Verteilen von Strafzetteln wird nämlich jetzt privaten Firmen übertragen, die noch wesentlich intensiver und flächendeckender kontrollieren werden. Und wer nicht innerhalb von 3 Tagen seinen Strafzettel bezahlt, für den wird es immer teurer. Ein Überblick über die neuen Regelungen in den elsässischen Städten.

Bislang galt in Frankreich eine Art Einheitstarif für Falschparker, der entweder 17 oder 33 Euro betrug, je nach Fall (und in besonders heftigen Fällen ist sofort der Abschleppwagen da und das ist dann richtig teuer…). Doch ab dem 1. Januar bestimmen die Städte und Gemeinden selbst die Höhe der Strafgelder und haben die Möglichkeit, den Parkdienst mit privaten Dienstleistern zu organisieren, die natürlich deutlich motivierter zur Sache gehen werden, da ihr Umsatz und Gewinn davon abhängt, möglichst viele Strafzettel zu verteilen.

Im Elsass wird es nun uneinheitlich und unübersichtlich und ganz offenbar geht es dem französischen Gesetzgeber auch darum, die Moral beim Bezahlen von Strafzetteln zu erhöhen. Denn die Höhe der tatsächlich zu entrichtenden Strafe hängt stark von der Geschwindigkeit ab, mit der Sie Ihren Strafzettel bezahlen.

Straßburg. Seit dem 1. Januar kostet Falschparken in der Europahauptstadt 35 Euro, doch wenn Sie den Strafzettel innerhalb von 72 Stunden bezahlen, müssen Sie nur 17 Euro überweisen. Allerdings wird der Parkdienst auch in Straßburg an einen privaten Anbieter übertragen, die Firma Indigo, und die hat bereits begonnen, die Preise drastisch anzuziehen. Zwar bleibt der Tarif für die ersten beiden Stunden Parkzeit unverändert, aber dann kommt es dicke – so müssen Sie ab sofort im Innenstadtbereich (Rote Zone) für 2:45 Stunden Parkzeit 16,50 € bezahlen und wenn sie noch ein Viertelstündchen dranhängen, kosten Sie die drei Stunden Parkzeit sage und schreibe 35 Euro! Da macht es Sinn, das Auto in Kehl zu parken und mit der Tram in die Straßburger Innenstadt zu fahren, denn diese erhöhten Parkgebühren haben etwas von Beutelschneiderei.

Mulhouse. Auch in Mulhouse möchte man, dass Strafzettel schnell bezahlt werden. Hier ist der Tarif auf 40 Euro angehoben worden, bei Zahlung innerhalb von 72 Stunden reduziert sich die Strafe auf 20 Euro. In Colmar hat man sich für eine Pauschale von 25 Euro entschieden.

Dass der Staat seine Kassen füllen will, ist eine Sache. Das kann man sogar verstehen. Doch ohne ein entsprechendes Verkehrskonzept für die Innenstädte nützt das alles wenig. Solange der öffentliche Nahverkehr permanent teurer wird und speziell für sozial Schwache kaum zu stemmen, so lange besteht der Bedarf, mit dem PKW in die Innenstadt zu kommen. Verschiedene französische Städte experimentieren aktuell mit extrem günstigen Fahrpreisen für den öffentlichen Nahverkehr (Biarritz: 1 € oder 2 € für ein 24-Stunden-Ticket; kostenlos in verschiedenen anderen Städten).

Also, Tipp unter Freunden: In Kehl können Sie kostenfrei hinter dem Bahnhof oder für kleines Geld vor dem Bahnhof parken. Von dort bringt Sie die Tramlinie D ins Herz der Innenstadt. Ohne Stress, ohne Parkabzocke und ohne abgeschleppt zu werden. Denn Parken im Elsass wird immer mehr zum Albtraum…

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*



Copyright © Eurojournaliste