Der Ball muss rollen… wirklich?

Am Wochenende startet, man glaubt es kaum, die Fortsetzung der Saison 2019/20 in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga. Eine Farce, die sich als Bumerang herausstellen könnte.

Am Wochende geht die Saison 2019/20 auch für Johnny Schmid weiter. Muss das sein? Foto: Archiv Eurojournalist(e) / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Nun gehen sie also los, die Geisterspiele der 1. und 2. Bundesliga. Während einzelne Verbände wie in Frankreich oder den Niederlanden die Saison bereits für beendet erklärt haben und in anderen Ländern immer noch gerätselt wird, ob und wie die aktuelle Spielzeit zu einem sportlichen Abschluss gebracht werden kann, prescht der deutsche Fußball vor. Am Wochenende ist es soweit – 1. und 2. Liga nehmen den Betrieb wieder auf. Die erste corona-bedingte Absage gibt es bereits: Dynamo Dresden kann nicht antreten, da sich die ganze Mannschaft in 14tägiger Quarantäne befindet.

Sportlich gesehen ist die Beendigung der Saison ein Witz. Geisterspiele, also Begegnungen ohne Zuschauer, verlaufen in der Regel ganz anders als Spiele mit Zuschauern, bei denen der oftmals angeführte „12. Mann“, also das Publikum, eine besondere Rolle spielt. Insofern wäre die sportliche Aussagekraft eines solchen Saisonfinales nicht besonders stark.

Viel bedenklicher als der sportliche Aspekt sind die medizinischen Probleme, die entstehen werden, sowie das gesellschaftliche Statement hinter dieser Fortführung der Saison. Der Fußball-Zirkus der 1. und 2. Liga, das sind Tausende Menschen. Zu den mehrere Hundert Spieler umfassenden Kadern der Vereine kommt noch ein großer Tross an Betreuern, Trainern, medizinischer Abteilung, Funktionären. Es ist illusorisch zu glauben, dass sich in den kommenden Wochen niemand von diesen mit dem SARS-CoV-2 infizieren wird und im Falle von Infektionen, müssten sofort sämtlich Beteiligten in die Quarantäne, im Zweifelsfall auch die letzten Gegner samt deren Offiziellen und logischerweise würden dann auch die nächsten Spiele der betroffenen Teams erneut ausfallen müssen. Dass in dem zu erwartenden Chaos eine Saison zu Ende gespielt werden kann, erscheint mehr als zweifelhaft.

Spieler, die Unverständnis für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs zeigten, wurden von ihren Vereinen schnell gemaßregelt. Denkende und kritische Sportler passen nicht ins Konzept. Dabei gab es ja bereits während der Wiederaufnahme des Trainings erste Fälle, nicht nur bei Dynamo Dresden, sondern beispielsweise auch beim 1. FC Köln. Doch es geht nicht um die Gesundheit der Spieler und Mitarbeiter der Vereine, sondern darum, dass die Rechtsinhaber an den TV-Bildern ihre Ware erhalten wollen. König Mammon grüßt von leeren Zuschauertribünen…

Das gesellschaftliche Statement dieser Wiederaufnahme der Saison 2019/20 ist verheerend. Geld und Umsätze werden über die Gesundheit der Spieler und Mitarbeiter der Vereine gestellt. Für alle Ligen in anderen Sportarten, die längst ihre Saison beenden mussten, ist dieses Vorgehen ein Schlag ins Gesicht. Selbst der Amateur-Fußball hat die Segel für diese Saison gestrichen. Nur der vom Geld getrieben Profi-Fußball zieht sein Ding durch, koste es, was es wolle. Und wenn der Preis die Gesundheit der Spieler ist.

Für die Fans ist die Situation ebenfalls nicht nachvollziehbar. Viele Fangruppen würden eher auf das sportliche Ende der Saison verzichten, um in der nächsten Saison wieder ihre Teams von der Tribüne aus anfeuern zu können, als Geisterspiele am Fernseher zu verfolgen. Zumal die Übertragung auf dem relativ teuren Privatsender kaum von daheim verfolgt wird – seit Jahren treffen sich die Fans am Spieltag in Sportkneipen und verfolgen die Spiele dort. Nur, die Sportkneipen sind geschlossen.

Die einfachste Art, sich mit dem Vorgehen der DFL (Deutsche Fußball-Liga) nicht einverstanden zu zeigen, ist es, diese abstrusen Geisterspiele nicht zu verfolgen. Vieles wird in dieser Coronakrise beschädigt, und vieles davon ist deutlich schlimmer als Fußball. Die Chancen, dass das Saisonfinale 2019/20 im Chaos weiterer Infektionen scheitert, stehen hoch. Dass dennoch nun den Interessen der TV-Rechteinhaber alles untergeordnet wird, was eigentlich den Bundesliga-Fußball ausmacht, wird dieser Liga keine neuen Freunde bringen. Im Gegenteil.

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