Der Grüne Lichtstrahl von Straßburg

Zweimal im Jahr zur Sonnenwende taucht die Sonne die Jesus-Figur am Hochaltar des Straßburger Münsters in ein grünes, fast unwirkliches Licht. Ein Wunder? Magie? Weder-noch, aber ein wunderbarer Anblick.

Ein beeindruckendes Spektakel - der "Grüne Lichtstrahl" im Straßburger Münster. Foto: Eurojournalist(e) / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Gestern um 11h38 war es so weit. Am Tag der Sommerwende traf, wie zweimal im Jahr jeweils zur Sommer- und Wintersonnenwende, ein grünes Licht punktgenau die Jesus-Figur am Hochaltar des Straßburger Münsters. Nun sind die Sonnenwenden allerdings weniger ein Höhepunkt im kirchlichen Jahreskalender, weswegen sich seit Jahren wilde Theorien um dieses Phänomen ranken. Dabei ist die Erklärung gar nicht so kompliziert.

Beeindruckend, wie der neongrüne Lichtfleck an dem Pfeiler entlang kriecht, an dem der Hochaltar angebracht ist. Langsam bewegt er sich in Richtung des Reliefs, das Jesus mit den Aposteln zeigt. Und wirklich, einen langen Moment lang steht dieser Lichtfleck genau über dem Haupt von Jesus, wie ein Heiligenschein, Version neongrün. Die zahlreichen Zuschauer, die sich zu dem Ereignis eingefunden haben, raunen und halten den Moment auf dem Smartphone fest.

Man könnte heidnische Ursprünge für dieses Phänomen vermuten, passiert es doch genau zweimal im Jahr zur Sonnenwende. Haben die alten Baumeister wie Geiler von Kaysersbergs, der ja auch am Bau des Freiburger Münsters mitgewirkt hat, ein kleines Augenzwinkern zurückgelassen? Das würde ja durchaus passen, denn der Baumeister war ein Spaßvogel, der am Hochaltar im Straßburger Münster sogar seinen Hund verewigt hat, klein, nur 5 cm, aber auch dort streicht nun dieser neongrüne Lichtkegel entlang.

Aber nein. Das Phänomen geht nicht auf das Mittelalter zurück, sondern auf die 70er Jahre, als die wundervollen Kirchenfenster des Münsters renoviert, gereinigt und überarbeitet wurden. Seitdem passiert es tatsächlich zweimal am Jahr, dass die Sonne so steht, dass ihr Strahl genau durch den grünen Schuh des Juda geht, eines Vorfahren von Jesus. Und von dort bündelt sich das Licht, bricht sich und wirft nur das grüne Licht weiter. Deswegen funktioniert der „Grüne Lichtstrahl“ auch wirklich nur bei Sonnenschein. Dass der Tag, an dem diese Konstellation eintritt, ausgerechnet die Sonnenwende ist, erinnert zwar ein wenig an Stonehenge, dürfte aber tatsächlich Zufall sein.

Doch egal, was es ist, dieses Phänomen zieht Menschen aus der ganzen Welt an und die Atmosphäre während der Viertelstunde, die das Ganze dauert, ist ein schöner, interkonfessioneller Moment. Ein Moment, der auch für diejenigen eindrucksvoll ist, die keiner Religion angehören.

In den nächsten Tagen kann man den „Grünen Lichtstrahl“ immer noch bewundern, allerdings ändert sich täglich der Sonnenverlauf und der Winkel, in dem der Lichtfleck durch das Münster wandert, wird immer flacher, bis er in drei, vier Tagen verschwunden ist. Aber keine Sorgen, wenn die Sonne scheint, kommt er im September wieder…

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