Der Stress in der neuen ostfranzösischen Großregion geht los

Nachdem die elsässischen Konservativen den neuen Partnerregionen Lothringen und Champagne-Ardenne wiederholt ihre Ablehnung gezeigt haben, treffen diese sich halt ohne die Elsässer.

Diese Haltung zird sich das Elsass nicht mehr lange leisten können, will es bei der Neuordnung der Regionen nicht einfach abgehängt werden. Foto: Paralacre / Wikimedia Commons / CC0

(KL) – Ja, was haben die Autonomisten im Elsass denn gedacht? Dass sie monatelang auf ihre Nachbarregionen Lothringen und Champagne-Ardenne spucken können und am Ende trotzdem von allen lieb gehabt werden? In Paris fand nun ein Treffen der Bürgermeister aus Lothringen und der Champagne-Ardenne statt, bei dem man nun anfing, das Leben in der neuen ostfranzösischen Großregion vorzubereiten. Die Bürgermeister aus dem Elsass waren nicht dabei. Und das Elsass muss vor lauter “Rot un Wiss”-Geschrei aufpassen, in dieser Entwicklung nicht einfach abgehängt zu werden. Eine Situation zu schaffen, in der sich Lothringen und die Champagne-Ardenne lieber ohne die Elsässer mit der Arbeit loslegen, während man im Elsass immer noch überlegt, ob man nicht eine Mauer über die Vogesen bauen sollte, ist nicht gerade schlau. Und könnte das Elsass noch sehr teuer zu stehen kommen.

Die Kollegen der Tageszeitung “Républicain Lorrain” berichteten von diesem Bürgermeistertreffen in der französischen Nationalversammlung – zu dem das Elsass explizit nicht eingeladen war. Hier muss man jetzt aufpassen, dass nicht gleich zum Start dieser neuen Großregion eine Art “Grüppchenbildung” einsetzt, zwischen Lothringen und der Champagne-Ardenne, ohne das Elsass.

Die Monate, in denen man im Elsass hörte, dass man keine Lust habe, für die “armen” Nachbarn aufzukommen, sind bei diesen nicht spurlos vorüber gegangen. Genauso falsch war es, nicht sachlich für eine Region Elsass zu argumentieren, sondern die Frage der Verwaltungs- und Gebietsreform zum Kampf um die “regionale Identität” hochzujazzen, die allerdings zu keinem Zeitpunkt in Gefahr war.

Natürlich sollte man jetzt aus einer Mücke noch keinen Elefanten machen. Doch sind nun die Politiker im Elsass gefordert, schnell den Ausgleich mit den anderen Partnerregionen zu suchen und die Wogen zu glätten, bevor sich ein Tsunami für das Elsass entwickelt. Gute Ansätze hierzu gibt es ja. So orientiert sich der Präsident der neuen “Eurometropole” Robert Herrmann bereits an den Stärken der gesamten Region, wobei interessant ist, dass in seinen Zukunftsvisionen keine Grenzen mehr existieren. Die wirtschaftliche und politische Stärke dieser neuen Region setzt ganz natürlich auch auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und das ist richtig so. Was das Elsass aber auch dazu zwingt, im Rahmen der neuen ostfranzösischen Großregion zu erkennen, dass in dieser Struktur der Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Belgien / Luxemburg eine ebenso große Bedeutung zukommen wird wie der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Es ist also an der Zeit, sich zu öffnen und den “Kulturkampf” um das Elsass endlich zu den Akten zu legen. Denn dieser steht überhaupt nicht auf der Tagesordnung. Lediglich die Autonomisten haben versucht, ihn dort einzutragen.

Das Elsass sollte nun den Weg aus der Schmollecke heraus finden und selbst aktiv werden. Zum Beispiel durch das Einberufen einer großen ostfranzösischen Versammlung, an der ALLE Unterregionen der neuen Großregion teilnehmen sollten. Denn, auch wenn man das im Elsass noch nicht erkennt, diese neue Konfiguration birgt nicht nur Gefahren, sondern bietet auch Möglichkeiten. So ist durchaus denkbar, dass die europäische Zusammenarbeit im deutsch-französischen Bereich neue Impulse durch eine Anbindung an alte, eingespielte Strukturen wie “SaarLorLux” und andere erhält – denn man kann auch von den Nachbarregionen lernen. Und gemeinsam Fortschritte machen. Vieles, wenn nicht alles hängt für das Elsass von der Haltung und der Arbeit der elsässischen Volksvertreter ab. Die sich entweder für die Zukunft des Elsass als Hypothek oder aber als Lokomotive erweisen werden. Was wiederum die Wählerinnen und Wähler im Elsass veranlassen sollte, sehr gut nachzudenken, wenn sie 2015 zweimal an die Wahlurnen gerufen werden.

1 Kommentar zu Der Stress in der neuen ostfranzösischen Großregion geht los

  1. On peut y voire aussi la concrétisation des craintes exprimées par certains des opposants à cette fusion : les deux régions les plus faibles font alliance contre la région la plus forte (c’était tout l’intérêt d’ajouter Champagne-Ardenne).

    D’ailleurs, le maire PS de Strasbourg a gentillement été écarté des dscussions par le maire PS de Metz, qui va récupérer le conseil régional.

    Bilan (provisoire) de la réforme et de la façon dont elle a été menée : un immense territoire déchiré par les rivalités et le ressentiment. Et ce n’est que le début.

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