Die AfD fliegt aus der EU-Fraktion „Identität und Demokratie“ (ID)

Die täglichen AfD-Schlagzeilen haben es in sich. Nicht nur, dass die übrigen Rechtsextremen Europas Abstand von der AfD nehmen – sie haben die AfD-Europaabgeordneten aus ihrer Fraktion gefeuert.

Alice Weidel und Tino Chrupalla haben das denkbar schlechteste Team in den Europa-Wahlkampf geschickt... Foto: CeltBrowne / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Die AfD-Spitzen Alice Weidel und Tino Chrupalla sehen ihre Felle davonschwimmen und haben als neue Taktik das „Pfeifen im Keller“ für sich entdeckt – ein Zeichen, dass sie sich berechtigterweise große Sorgen um die Europawahl am 9. Juni machen. In einer gemeinsamen Stellungnahme erklärten sie trotzig, dass sie trotz der unglaublichen Skandale um ihre Spitzenkandidaten für die Europawahl Maximilian Krah und Petr Bystron „optimistisch auf den Wahlabend und die darauffolgenden Tage blicken“, denn sie wollen „mit einer verstärkten Delegation für eine schlagkräftige Fraktion im Europäischen Parlament sorgen“. Einziges Problem – keine Fraktion im Europäischen Parlament will mit „neofaschistischen Schmuddelkindern“ in einer Fraktion sitzen. Was man bereits daran festmachen kann, dass ihre bisherige Fraktion, die rechtsextreme „Identität und Demokratie“ (ID) alle neun AfD-Abgeordneten aus der Fraktion ausgeschlossen hat.

Da nützte es auch nichts, dass die Chefin der deutschen AfD-Gruppe in der Fraktion Christine Anderson angeregt hatte, man möge doch nur den unsäglichen und von gleich mehreren Skandalen betroffenen Maximilian Krah hinauswerfen – den übrigen Mitgliedern der ID war es inzwischen mit der AfD als Ganzes zu bunt. Korruption, Spionage, SS-Apologie, da sind, wie der französische Rechtsextreme Jordan Bardella sagte, „rote Linien“ überschritten und politisch kann es sich keine rechtsextreme Partei in Europa mehr leisten, mit der AfD in einen Topf geworfen zu werden. Dabei sind die übrigen ID-Parteien auch keine Kinder von Traurigkeit. Doch weder die postfaschistische „Fratelli d’Italia“, noch die polnische „PiS“ oder der belgische „Vlaamse Belang“, um nur diese zu nennen, wollen noch mit der AfD gemeinsame Sache machen.

Dabei waren die Aussagen von Maximilian Krah in einem Interview mit der italienischen „La Repubblica“ der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Mit Aussagen wie „nicht alle SS-Leute waren Verbrecher“ kann man eben nicht auf der internationalen Bühne punkten, vor allem dann nicht, wenn man selbst in Korruptions- und Spionage-Skandale für Russland und China verstrickt ist. Und so werden sich die künftigen AfD-Abgeordneten im Straßburger Parlament eine neue Fraktion suchen müssen, wobei zu hoffen steht, dass die AfD am 9. Juni ein Desaster erlebt, denn es werden wohl nur eingefleischte Anhänger der AfD-Theorien diese rechtsextreme Partei am 9. Juni wählen. Als „Protestpartei“ eignet sich die AfD nun wirklich nicht mehr, und da nützt auch der „Maulkorb“ für das unsägliche Duo Krah / Bystron für den Rest der Wahlkampagne nichts mehr. Denn eine Partei, die solche Zeitgenossen tatsächlich ins Europäische Parlament schickt, ist eine Gefahr für Deutschland und für Europa. Wer dennoch am 9. Juni für die AfD stimmt, gehört zu den Anhängern der Krah-Bystron-Höcke und damit in den braunen Sumpf, den außer einem Bodensatz von Wirrköpfen niemand mehr in Deutschland und Europa sehen will.

Auch das Gejammer, mit dem Alice Weidel die Ermittlungen gegen die beiden anfangs als „Hetzkampagne gegen ihre Partei“ zu diffamieren versuchte, ist verstummt, zu erdrückend sind bereits die Zwischenergebnisse der Ermittlungen, die wohl noch weitere „Überraschungen“ ans Tageslicht bringen werden. Die Versuche von Krah und Bystron, die Vorwürfe zu entkräften, bewegen sich am Rande zum hilflos Lächerlichen, was aber eben nichts daran ändert, dass die beiden weiterhin die ersten beiden Plätze der AfD-Liste für die Europawahl innehaben und damit höchstwahrscheinlich gewählt werden.

Was für eine Schande für Deutschland, wenn solche Personen das Land auf europäischer Ebene vertreten! Mit den beiden zerfällt auch der bislang oft gehörte Satz „schlechter als die anderen kann es die AfD auch nicht machen“ zu Staub – die AfD kann es sogar deutlich schlechter machen als die anderen. Diese Europawahl könnte zum Wendepunkt für die AfD werden, die seit geraumer Zeit von Umfragehoch zu Umfragehoch segelt. Momentan liegt die AfD in den Umfragen noch bei 15 % (im Januar waren es noch 23 %) und man darf damit rechnen, dass dieser Wert bis zum 9. Juni noch weiter sinkt. Das wäre wünschenswert, denn jeder Abgeordnete, den die AfD nach Straßburg entsendet, ist ein Schlag ins Gesicht der Demokratie. Und den Namen „AfD – Alternative für Deutschland“ darf man getrost in „SfD – Schande für Deutschland“ abwandeln. Ins gleiche Register fällt übrigens auch die die österreichische FPÖ – die votierte nämlich gegen den Rauswurf der AfD-Kollegen aus der Fraktion.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*



Copyright © Eurojournaliste