Daimler: Menschenrechte oder Dividende?

Der Freiburger Jürgen Grässlin und Daimler-Chef Zetsche sind "gute Bekannte", wobei der "Gute-Stern-Mann" den Friedensaktivisten meistens in unguter Erinnerung behält.

Kritischer Daimler-Aktionär: Der Freiburger Jürgen Grässlin. Foto: Privat

(Martin Kissel) – Heute kommt es für den Mann mit dem Seehundschnauzer, den Daimler Vorstandsvorsitzenden und Leiter von Mercedes-Benz Cars, Dieter Zetsche, auf der Hauptversammlung wohl knüppeldick. Nicht nur die Investoren wollen auf der Aktionärsversammlung – wegen der Machtfülle des Daimler-CEO – Zetsche unangenehme Fragen stellen, der Verband der Kritischen Daimler AktionärInnen (KAD) wird ihm die Entlastung verweigern. Der Grund: Verbrauchertäuschung bei S-Klasse-Werbung,  Billiglöhne bei Werkverträgen und ungebremster Export von Mercedes-Militärfahrzeugen.

„Trotz guter Auftragslage und einer hohen Dividende“ wolle man den „Vorstand und Aufsichtsrat nicht entlasten“, sagt KAD-Sprecher Paul Russmann: „Wer, wie Daimler-Chef Zetsche, ethisches Handeln zum Maßstab erklärt, darf weder die Verbraucher bei der Werbung für die S-Klasse täuschen noch mit Leiharbeit und Werksverträge die Zweiklassengesellschaft zementieren oder gar weiterhin Mercedes-Militärfahrzeuge in Krisen- und Kriegsgebiete liefern”, heißt es beim KAD. Zudem habe die Daimler AG habe in zahlreichen bundesweit und regional vertriebenen Zeitungen und Zeitschriften das Premiumprodukt S-Klasse mit fehlerhaften Angaben zu Kraftstoffverbrauch, Energieeffizienz und CO2-Emissionen beworben. Der kritische Verband hat sieben Gegenanträge gestellt.

Der Freiburger Jürgen Grässlin, ebenfalls Sprecher beim KAD und bei der “Kampagne Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!” fordert den Daimler-Vorstand auf: „Bleiben Sie nicht auf halbem Weg stehen. Nach dem von uns geforderten und jetzt vollzogenen Ausstieg aus den Daimler-Rüstungsschmieden EADS und Tognum/Rolls-Royce-Power-Systems muss jetzt bei Mercedes Military vollständig auf zivile Fahrzeugproduktion umgestellt werden.“ Mercedes exportiert weiterhin Militärfahrzeugen wie etwa Actros-Panzertransporter in Kriegsgebiete. „Solange Menschen vor Panzern fliehen müssen, die – wie im Libyen-Krieg – auf Daimler-Transportern ins Kriegsgebiet transportiert werden, geraten die Menschenrechte in der arabischen Welt unter die Räder der Mercedes-Militärfahrzeuge”, führt Grässlin weiter aus und ergänzt: “In diesem Sinne haben die im Grunde lobenswerten Benefizkonzerte der Daimler-Big-Band und des Daimler-Symphonieorchesters zugunsten von Kriegsflüchtlingen einen bitteren Beigeschmack.“

Die Geigen bei der Hauptversammlung in Berlin werden heute wohl eher in moll getaucht sein. Wobei: die Dividende stimmt. Da hört bei vielen Aktionären die Moral auf.

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1 Kommentar zu Daimler: Menschenrechte oder Dividende?

  1. “Mit Frieden kann man kein Geld verdienen Tödliche Deals Doku ZDFinfo”

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