Ein 4th of July, bei dem niemand mitfeiern möchte

Der amerikanische Nationalfeiertag hat dieses Jahr einen bitteren Beigeschmack für uns Europäer. Die Zeiten, in denen die USA der „groβe Bruder“ waren, sind vorbei.

Feiert schön, ihr Amerikaner, aber wir müssen trotzdem unser Verhältnis überdenken . Foto: JJxFile / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Der „4th of July“ ist eigentlich immer ein schönes Fest in den USA. Man trifft sich in der Nachbarschaft, es werden Hamburger gegrillt und Hot Dogs zubereitet, man zischt ein paar Bier, es gibt Rock ‚n‘ Roll und die Stimmung ist freundlich und ausgelassen. Doch fällt es im 2. Kriegsjahr in der Ukraine schwer, diesen Tag fröhlich zu feiern. Denn wir Europäer müssen unser Bild der USA und die Beziehungen zu Washington grundlegend überdenken.

Die USA kämpfen gerade um ihren Status als „Supermacht“ und Europa ist bei diesem Kampf, den die USA gegen China und die BRICS-Staaten führen, nicht viel mehr als ein Erfüllungsgehilfe, der nicht viel zu sagen hat. Erstaunlich, denn eigentlich könnte es auch umgekehrt laufen. Doch Europa mit seinen rund 500 Millionen Einwohnern unterwirft sich systematisch den USA, die mit rund 330 Millionen Einwohnern dem Rest der westlichen Welt ihr Handeln aufzwingen.

Dabei haben die USA den Wirtschaftskrieg gegen China schon längst verloren. Ungefähr ein Drittel der amerikanischen Wirtschaft befindet sich heute bereits in chinesischen Händen, eine mit Europa vergleichbare Situation, und der einzig sinnvolle Weg wäre es, eine Partnerschaft auf Augenhöhe anzustreben, sowohl zwischen den USA und Europa, als auch mit China.

Auch das europäische Engagement im Ukraine-Krieg basiert auf amerikanischen Interessen, denn es handelt sich um einen Stellvertreterkrieg der USA gegen Russland. Auch hier ist erstaunlich, dass sich Europa auf die Position des Geldgebers und Waffenlieferanten beschränkt, anstatt mit am Tisch zu sitzen, wenn es um Strategien geht. Oder beispielsweise um Wege zu Friedensverhandlungen.

Was man in Europa noch nicht verstanden hat, ist dass die USA nicht etwa im Interesse der ganzen westlichen Welt handeln, sondern im Interesse der USA. Solange diese Interessen deckungsgleich sind, ist alles in Ordnung. Doch das ist nicht immer der Fall. So haben die USA durchaus ein Interesse daran, den Ukraine-Krieg so lange wie möglich dauern zu lassen, denn das pusht die amerikanische Waffenindustrie (Nummer 1 weltweit) und dank des Kriegs sind die USA auch zum weltweit gröβten Gasexporteur geworden. Dazu findet der Krieg, wie immer, so weit vom amerikanischen Kontinent entfernt statt, dass kaum ein Risiko besteht, dass die USA direkt betroffen sein werden.

Am 4th of July kann man sich nicht genug wundern, warum man einer politischen Auseinandersetzungen zwischen einem nationalistischen Greis Donald Trump und einem etwas freundlicheren Greis Joe Biden zuschauen muss. Trump rennt von Gerichtstermin zu Gerichtstermin, Biden zittert sich in den nächsten Wahlkampf hinein und in Europa fragt man sich immer noch, was die Söhne der beiden jahrelang in der Ukraine getrieben haben. Hierauf werden wir keine Antworten bekommen, denn die Aktivitäten von Trump jr. und Biden jr. sind Staatsgeheimnis. Was dann wiederum zu Theorien aller Art führt.

Wünschen wir den Amerikanern heute einen netten Barbecue-Tag, Musik und Bier und in Europa, Hand aufs Herz, haben wir keinerlei Grund, diesen Tag ebenso zu feiern. Den russischen Nationalfeiertag begehen wir ja auch nicht.

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