Ein brutaler Anschlag auf Frankreich, die Pressefreiheit und ganz Europa

Gestern Vormittag überfielen mehrere Täter die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ in Paris und töteten zwölf Menschen. Ganz Europa ist geschockt.

Wie hier in Straßburg demonstrierten gestern Abend die Franzosen ihren Schmerz und ihr Mitgefühl mit den Opfern von "Charlie Hebdo". Foto: Claude Truong-Ngoc / Eurojournalist(e)

(KL) – Der Vorwand für den Anschlag von Paris, dem tödlichsten Attentat in Frankreich seit dem Algerienkrieg, sind die berühmten Mohammed-Karikaturen, die „Charlie Hebdo“ im September 2012 aus Solidarität mit der dänischen Zeitung „Jütland Posten“ veröffentlichte, deren Zeichner mit dem Tode bedroht wurde. Damals reagierten verschiedene radikal-islamistische Gruppen sehr aggressiv auf diese Karikaturen, weltweit kam es zu Demonstrationen mit zahlreichen Toten und der gestern in Paris ermordete Herausgeber von „Charlie Hebdo“, Stéphane Charbonnier (Charb), erhielt bereits damals Morddrohungen.

Zwei maskierte Täter, die nach Zeugenaussagen „perfekt französisch“ sprachen, liefen mit Maschinenpistolen in die Redaktionsräume der satirischen Wochenzeitung und erschossen nach einer Liste gezielt verschiedene Redakteure, Zeichner, Gäste, dann wahllos auf der Flucht Polizisten und Passanten.

Unerträglich ist der Gedanke, dass Journalisten und Illustratoren kaltblütig ermordet werden, weil sie ihrer Arbeit, ihrem Auftrag nachgehen. „Charlie Hebdo“ hat einige der größten Talente ihres jeweiligen Genres verloren – unter den Getöteten befinden sich auch die selbst in Deutschland bekannten Zeichner Cabu und Wolinski. Ebenso unerträglich ist, dass sich der Satz bewahrheitet hat, den Herausgeber Charbonnier nach den Morddrohungen 2012 sagte: „Ich sterbe lieber im Stehen, als auf den Knien zu leben“.

Die sofort eingeleiteten Massnahmen der Behörden nach dem Attentat hatten, wie sollte es anders sein, etwas Hilfloses. Geschockt organisierten die Franzosen gestern Abend in zahlreichen Städten große Solidaritäts-Kundgbungen, auch in Straßburg, hielten Schilder, auf denen „Je suis Charlie“ stand und versuchten zu begreifen, was man nicht begreifen kann.

Das Attentat von Paris ist gleichzeitig auch ein Anschlag auf Grundwerte wie die Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit. Auf ganz Europa. Denn das Interesse der fanatischen Terroristen ist es, die Keile, die schon in unseren Gesellschaften stecken, weiter hinein zu treiben, die Positionen zu verhärten und somit dafür zu sorgen, dass sie leichter verwirrte Jugendliche für ihren mörderischen Kampf rekrutieren können.

Die Reaktionen der muslimischen Verbände in Deutschland war eindeutig: „Diese Terroristen haben nicht etwa den Propheten gerächt [wie sie nach dem Blutbad nach Polizeiauskünften gerufen haben sollen], sondern die Werte des Islam in den Dreck gezogen.“ Weswegen man nun darauf achten muss, nicht in einen neuen abendländischen und fremdenfeindlichen Wahn zu verfallen – die Pegida hat sich schon entsprechend geäußert. Der größte Respekt, den wir den Opfern des Anschlags in Paris bei „Charlie Hebdo“ erweisen können, ist es, nicht in die neonazistische Falle zu stolpern, die sich nun auftut.

Präsident Hollande hat für heute, Donnerstag, um 12 Uhr zu einer Schweigeminute für die Opfer dieses feigen Attentats aufgerufen. Daran dürfen und sollen sich alle Europäer beteiligen.

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