Eine großartige Initiative – Kulturwunsch Freiburg

Ein Verein eröffnet einkommensschwachen Menschen den kostenlosen Zugang zu Kulturveranstaltungen in Freiburg. Mit einem einfachen und genialen Konzept.

Auch das Stadttheater Freiburg ist Partner des großartigen Projekts "KulturWunsch Freiburg". Foto: user: Joergens.mi / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

(KL) – Wie schön, das Wochenende mit einem so tollen Thema angehen zu können! Eine private, von drei Frauen gegründete Initiative vermittelt in Freiburg kostenlos Restkarten für kulturelle Veranstaltungen an einkommensschwache Familien und Einzelpersonen, um diesen die gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe zu ermöglichen. Ein Projekt, das mehr für die soziale Integration bewegt als viele andere, teure Projekte, die oft wirkungslos verpuffen.

Der Verein „Kulturwunsch Freiburg“, gegründet von der Kulturmanagerin Karola Mohr, der Medienwissenschaftlerin Carola Ziemke und der Regisseurin Steffi Bürger, hat ein Konzept entwickelt, das ebenso einfach wie genial ist. Sie nahmen sich den Satz von Giuseppe Verdi „Die Plätze sind da, um besetzt zu werden, nicht um leer zu bleiben. Daran sollten Sie stets denken!“ als Leitmotiv und schafften ein System, bei dem zahlreiche Kulturpartner und Veranstalter ihnen nicht verkaufte Restkarten zur Verfügung stellen, die dann kostenlos an Menschen mit geringem Einkommen weitergegeben werden, die sich ansonsten den Besuch solcher Veranstaltungen nicht leisten könnten. Großartig.

Alles an diesem Konzept ist einfach und pragmatisch gehalten – so ist beispielsweise die Einkommensgrenze eindeutig definiert, ab der Menschen in den Genuss solcher Tickets kommen können. Für einen Einpersonenhaushalt liegt die Grenze bei 900 € im Monat, für einen Zwei-Personen-Halt bei 1.200 € und für Haushalte mit drei und mehr Personen bei 1.500 € plus 150 € für jedes weitere Kind. Damit ist beispielsweise sicher gestellt, dass Hartz IV-Empfänger zu der Gruppe gehören, die sich auf der Site des Vereins eintragen können und dann kostenfrei die angebotenen Kulturveranstaltungen besuchen können.

Inzwischen haben sich zahlreiche Freiburger Kulturorganisationen dem System angeschlossen, das so überzeugend ist, dass der Freiburger OB Dieter Salomon die Schirmherrschaft übernahm – typisch Freiburg eben. Auf der Site des Vereins werden die Veranstaltungen aufgeführt, für die es solche Restkarten gibt und wer sich eingetragen hat und das Einkommenskriterium erfüllt, kann dann entsprechende Karten anfragen.

Worum es geht, sagen die Macherinnen klar auf der Site des Vereins: „KulturWunsch Freiburg ist ein gemeinnütziger Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, an Kultur interessierte Menschen, die aufgrund ihrer finanziellen Situation gar nicht oder nur extrem eingeschränkt am kulturellen Leben in ihrer Stadt aktiv teilnehmen können, die kulturelle Teilhabe zu ermöglichen. KulturWunsch Freiburg ist in der Schnittmenge von Sozialem, Kultur und Bildung ein Projekt der Inklusion“. Wow.

Und wieder einmal zeigt sich, was man mit bürgerschaftlichem und pragmatischem Engagement erreichen kann. Für ein solches Projekt braucht man keine seitenlangen „Interreg-Anträge“ und keine „Businesspläne“, sondern den Willen, etwas Sinnvolles, Soziales und Gutes zu tun. Dem großen Europäer Robert Schuman wird der Satz zugeschrieben: „Müsste ich Europa neu erfinden, würde ich mit der Kultur beginnen.“ Die Macherinnen von „Kulturwunsch Freiburg“ sind gerade dabei, ein Stückchen einer neuen, menschlicheren Gesellschaft zu erfinden. Ähnliche Projekte gibt es bereits in mehreren deutschen Städten, die in der Arbeitsgemeinschaft Kulturteilhabe organisiert sind und sich austauschen. Das ist eine großartige Entwicklung, die hoffentlich überall in Europa immer mehr Nachahmer finden wird. Denn mit solchen Initiativen kann die Gesellschaft, die dazu neigt, sozial immer kälter zu werden, einen neuen Zusammenhalt rund um das Thema zu finden, das den Menschen zum Menschen macht – die Kultur.

Und selten haben wir mit größerer Freude einen Link auf eine externe Website gelegt als heute – klicken Sie auf www.kulturwunsch-freiburg.de und überlegen Sie mal, ob und in welcher Form Sie dieses beispielhafte Projekt unterstützen können. Hut ab vor so viel positivem Engagement!

1 Kommentar zu Eine großartige Initiative – Kulturwunsch Freiburg

  1. Umbedingt müssen die Straßburger diesen Artikel lesen.

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