Es gipfelt sehr…

Ein Gipfel jagt den anderen und alle diese Gipfel haben eines gemeinsam – es geht nicht etwa um so altbackene Konzepte wie „Frieden“, sondern um Rüstung und Krieg.

Wir wissen, was Krieg ist. Wer ihn trotzdem will, verdient auch nichts anderes. Foto: Hans Baluschek, Richard Graf Du Moulin Eckart / Wikimedia Commons / PD

(KL) – Gipfel über Gipfel. Noch vor dem BRICS-Gipfel nächste Woche in Johannesburg, organisierte Joe Biden gestern einen kurzfristig anberaumten Gipfel in Camp David, wo er Japan und Südkorea an einen Tisch brachte. Die beiden Länder halten zwar nicht viel voneinander, doch im Pazifikraum wollen die Amerikaner ihren Einfluss gegen China und Nordkorea und in Hinsicht auf Taiwan behalten. Und im Oktober organisiert Wolodomyr Selenskjy einen „Rüstungsgipfel“ in der Ukraine. Dass all dies nicht im Interesse der Weltbevölkerung organisiert wird, dürfte langsam auch denjenigen dämmern, die sich von der Propaganda aller Seiten einlullen lassen, die behauptet, dass in den weltweiten Konflikten so etwas wie „Werte“ verteidigt würden. Einmal mehr schaut die Welt tatenlos zu, wie eine Handvoll Wahnsinniger die Welt in den nächsten globalen Konflikt stürzt, der wie alle globalen Konflikte in der Geschichte irgendwann in seiner Eskalation unkontrollierbar werden wird.

Was werden wir uns nach dem III. Weltkrieg gegenseitig erzählen? Wieder solche Satzhülsen wie „Nie wieder Krieg“? Oder „Frieden durch Kooperation“? Wird man nach dem III. Weltkrieg überhaupt das Wort „Frieden“ noch benutzen können oder ist dieses Konzept inzwischen definitiv zum Schimpfwort geworden?

Wer von diesen Kriegen profitiert, das kann man nachschauen. Zum Beispiel im Wirtschaftsteil der Tageszeitung, wo man inzwischen täglich lesen kann, welche Rüstungsunternehmen welche Millionen- und Milliardenaufträge an Land gezogen haben. Auch die Kursentwicklung der Aktien der Rüstungsunternehmen sind ein guter Indikator dafür, wer von den Kriegen profitiert.

Krieg ist inzwischen für alle Kriegsparteien ein Geschäftsmodell geworden. Dass niemand in der Ukraine einen militärischen Sieg erringen wird, ist fast allen Beobachtern klar, doch ist die Konsequenz nicht etwa, dass man alles daran setzt, diesen Krieg zu beenden, sondern es wird alles dafür getan, dass dieser Krieg noch möglichst lange dauert und sich möglichst zum Flächenbrand entwickelt. Denn das bringt Umsätze.

Die Argumente, die viele Sofa-Strategen für diesen Krieg anführen, in dem sie am liebsten die gesamte Jugend Zentraleuropas für „die Werte des Westens“ umbringen lassen würden, sind die gleichen wie in jedem Weltkrieg. „Man darf keine Schwäche zeigen“, „wenn man jetzt nicht alles für den Endsieg investiert, sind morgen wir dran“ und so weiter und so fort. Dass diese Sofa-Strategen, die in der angenehmen Lage sind, selbst aufgrund ihres Alters nicht mehr an eine Front geschickt zu werden, dabei wieder Begriffe wie „Endsieg“ in den Mund nehmen, fällt auch schon kaum noch jemandem auf…

Doch werfen diese sich jagenden Gipfel viele Fragen auf. Zum Beispiel diejenige, ob das alles in unserem Namen passiert und wie demokratisch es eigentlich ist, im Interesse der Rüstungslobbys soziale Krisen, einstürzende Gleichgewichte und ein weltumspannende Kriegs-Szenerie zu organisieren. Müsste in Demokratien, in denen ja prinzipiell das Volk der oberste Souverän sein sollte, nicht eben dieses Volk entscheiden, ob wir wirklich einen III. Weltkrieg wollen? Ist es bei einer Frage einer solchen Tragweite demokratisch, solche Entscheidungen politischen Amateuren wie Annalena Baerbock oder dem Militärhippie Toni Hofreiter zu überlassen?

Über 80 Jahre lang haben Wissenschaftler und Soziologen die Mechanismen studiert und analysiert, die zu den beiden Weltkriegen im letzten Jahrhundert geführt haben. Und über 80 Jahre lang herrschte so etwas wie Konsens, dass Krieg unter keinen Umständen eine Lösung sein kann. In anderthalb Jahren haben wir alle diese Erkenntnisse über Bord geworfen und wir erleben heute die gleiche Kriegsgeilheit wie im letzten Jahrhundert.

Die gerade stattfindenden und kommenden Kriegsgipfel finden nicht im Interesse der Weltbevölkerung statt, denn die hat von diesen Kriegen nichts. Doch solange sich diejenigen, die aus Kriegen persönliche Vorteile ziehen, auch noch als „Heilsbringer“ aufführen können, wird die Eskalation so weitergehen wie bereits zweimal im letzten Jahrhundert. Doch wenn man den gleichen Fehler dreimal hintereinander begeht, wenn die gleichen plumpen Propagandalügen erneut ausreichen, bei so vielen Menschen diese Kriegsgeilheit auszulösen, dann hat es die Menschheit auch nicht anders verdient. Wenn es auch bei der Entstehung des III. Weltkriegs niemand für nötig hält, den Verbrechern in Anzug und Krawatte (oder Uniform) in den Arm zu fallen, dann bekommt die Menschheit eben nichts anderes als den nun beginnenden Vernichtungskrieg.

2 Kommentare zu Es gipfelt sehr…

  1. Ein Gipfel an dem sich die USA, Südkorea und Japan ist noch immer nicht gleichbedeutend mit Krieg. Emotionsgeladene Stellungnahmen bringen uns in der jetzigen komplizierten Weltlage nicht viel weiter und ich erlaube mir die Frage, ob Sie im Jahre 1938 einen ähnlichen Artikel geschrieben hätten…
    Man muss einfach zur Kenntnis nehmen, dass die Ära der vergangenen 30 Jahren in denen die europäischen Länder, und nur die, massiv abgerüstet haben zu Ende geht. Das ist noch keine Katastrophe an sich: Während des Kalten Kriegs hatten Länder wie Deutschland und Frankreich, gemessen an ihrem BIP mehr als doppelt soviel für militärische Zwecke ausgegeben als heute. Es war eben der Preis den man zahlen musste um in Frieden weiterleben zu können. Pazifisten aller Couleur muss eines klar sein: Frieden um jeden Preis führt zu Krieg für die Ewigkeit, und Gerechtigkeit ohne Macht bedeutet Ohnmacht während Macht ohne Gerechtigkeit gleichbedeutend ist mit Tyrannei.

    • Das ist Ihre Meinung, die ich natürlich respektiere. Man kann ja auch problemlos weiter die eigene Propaganda wiederkäuen und die Augen davor verschliessen, dass gerade beide Blöcke alles daran setzen, die Eskalation weiter zu betreiben. Der “Gipfel” von Camp David ging um militärische Kooperation, und wenn Sie die aktuell laufenden Vorbereitungen für eine weitere Ausdehnung dieses Krieges als “emotionsgeladene Stellungnahmen” bezeichnen, dann ist das Ihr gutes Recht, zeigt aber auch, dass Sie das, was Sie nicht wahrhaben wollen, auch nicht wahrnehmen. Die Frage, ob ich diesen Artikel auch 1938 geschrieben hätte, ist ziemlich am Thema vorbei gestellt. Meiner Ansicht nach sollten alle daran arbeiten, 1938 zu verhindern, aber angesichts der allgemeinen Kriegsgeilheit für ewigen Frieden und gegen Tyrannei ist das wohl ein unrealistischer Wunsch. Wenn Frieden und Pazifismus inzwischen als Schimpfwörter missbraucht werden, dann ist es wohl tatsächlich zu spät, diese Katastrophe noch aufhalten zu wollen. Ob Sie wohl genauso kriegsbegeistert wären, wenn Ihr Sohn an die Front geschickt würde?

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*



Copyright © Eurojournaliste