Frankreich führt das Denunzianten-Prinzip ein

Um den Online-Dienst „Airbnb“ zu stoppen, lanciert das Rathaus Paris eine Internet-Site, auf der man seinen Nachbarn denunzieren kann, wenn man das Gefühl hat, dass dieser ein Zimmer über „AirBnB“ vermietet.

Paris lädt seine Bürgerinnen und Bürger ein, sich gegenseitig zu denunzieren - um das Phänomen "AirBnB" in den Griff zu bekommen. Foto: Valeriesophie / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(WB) – Irgendwie haben die Verwaltungen noch nicht so richtig verstanden, dass wir mitten in der Technologischen Revolution leben. Und dass diese Technologische Revolution nicht nur bedeutet, dass heute jeder mit Smartphone und Tablet durchs Leben geht, sondern dass sich auch grundlegende Dinge in der Wirtschaft ändern. Zu diesen Änderungen gehören Online-Dienste wie „Uber“ oder eben auch „AirBnB“, die als „liquid economy“ zahlreiche Dinge verändern und dabei auch in bislang berufsständisch geschützte Bereiche einbrechen. Ob man dieses Phänomen durch die Einführung des institutionalisierten Denunziantentums managen kann, ist mehr als fraglich.

Dass Dienste wie „AirBnB“ eine ernsthafte Konkurrenz für das Hotelgewerbe darstellen, ist klar. Geschätzte 40.000 Angebote, die preislich oft deutlich unter vergleichbaren Hotelzimmern liegen, sind für Reisende ein verlockendes Angebot. Warum das Doppelte und Dreifache zahlen, wenn man auch über „AirBnB“ buchen kann? Doch dieses Angebot ist ein Dorn im Auge der Hoteliers, die nicht nur ihr Geschäft schwinden sehen, sondern auch beklagen, dass die „AirBnB“-Vermieter im Gegensatz zu ihnen meistens keine Steuern auf die Übernachtungen zahlen. Doch diesen Interessenskonflikt sollte man anders lösen als durch die Einführung einer Denunzianten-Site, auf der jeder seinen Nachbarn denunzieren kann, wenn man das Gefühl hat, dass dieser „AirBnB“-Gäste hat.

Die Aufforderung zur Denunziation ist ungefähr das Mieseste, was man einer Gesellschaft antun kann. Während alle Welt von „Zusammenleben“ und „gemeinsamer Gestaltung der Gesellschaft“ reden, ist die Aufforderung, seinen Nachbarn anzuschwärzen geradezu kontraproduktiv. Abgesehen davon, dass diese Aufforderung nur der Ausdruck der Ideenlosigkeit ist, wie man die berechtigten Interessen sowohl der Hoteliers, aber auch der Menschen, die sich ein kleines Zubrot dazu verdienen wollen und zumeist müssen, unter einen Hut bringen kann, öffnet diese Aufforderung zum Denunzieren Tür und Tor für jede Art von Anschwärzen aller, mit denen man Stress hat.

Der Nachbar kommt oft abends spät nach Hause und ist dabei nicht immer leise? Hopp, eine kleine anonyme Anzeige und schon muss er sich rechtfertigen, ob er „illegal“ ein Zimmer vermietet oder nicht. Und er steht auch gleich in den richtigen Dateien, die diejenigen Namen beinhalten, die verdächtig sind. Es kann nicht Aufgabe der Gesellschaft sein, die Unfähigkeit von Politik und Verwaltung, phantasievoll mit Änderungen wie dieser „liquid economy“ umzugehen, durch gegenseitige Bespitzelung zu lösen.

Der nächste Schritt wäre dann wohl, dass man „überführten“ Vermietern einen gelben Stern an die Tür klebt…

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