Französisch lernen? Nö, braucht kein Mensch…

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann scheint an galoppierender Altersdemenz zu leiden. In Ludwigsburg erklärte er, dass niemand mehr Französisch lernen sollte.

"Niemand muss Französisch lernen. Ich hab's ja auch nicht geschafft" - Winfried Kretschmann Foto: GRÜNE Baden-Württemberg / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 2.0

(KL) – Seit Jahrzehnten versuchen die Menschen am Oberrhein, die Brücken zwischen Frankreich und Deutschland enger zu schlagen, am gegenseitigen Verständnis zu arbeiten und sich für deutsch-französische Realitäten zu engagieren, damit eines Tages am Oberrhein eine wirklich integrierte, europäische Region entsteht. Das alles ist dem Ministerpräsidenten des Bundeslandes, das die längste Grenze zwischen Deutschland und Frankreich aufweist, egal. Er vertritt die Ansicht, dass niemand mehr Französisch lernen muss, weil die Übersetzung ja ohnehin aus dem Smartphone geblubbert kommt. Offenbar hört für Winfried Kretschmann die Welt an der Schwäbischen Alb auf und die deutsch-französische Grenzregion ist ihm völlig fremd.

Hat der Mann denn keine Berater, die ihn davon abhalten, so einen gequirlten Quatsch zum Besten zu geben? Langsam versteht man, warum Stuttgart und die Landesregierung in den deutsch-französischen Beziehungen überhaupt nicht mehr vorkommen, denn wenn der oberste Boss von Baden-Württemberg die Ansicht vertritt, dass es keinen Sinn macht, die Sprache des Nachbarn zu lernen, dann zeigt das nur, dass dem Mann die Hälfte „seines“ Bundeslandes völlig unbekannt ist.

Winfried Kretschmann sollte sich ein Beispiel an der früheren Ministerpräsidentin des Saarlandes nehmen. Annegret Kramp-Karrenbauer hatte dort die „Frankreich-Strategie“ lanciert, die seitdem sehr erfolgreich läuft und die unter anderem vorsieht, dass bis 2043 Französisch im Saarland als zweite Amtssprache eingeführt wird. Inzwischen sind die Hälfte der Kindergärten des Saarlandes zweisprachig und ausgerechnet in Baden-Württemberg muss der Ministerpräsident auf allen herumtrampeln, die seit so langen Jahren für Zweisprachigkeit und europäische Integration kämpfen.

Vermutlich ist es ein Generationsproblem und da es der greise Kretschmann leider nie geschafft hat, Französisch oder Hochdeutsch zu lernen, glaubt er eben, dass das auch kein anderer lernen muss. Kein Wunder, dass der Mann keine Ahnung von der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit hat, dass er sich nie für die Grenzregion engagiert hat, sondern dass er schwäbelnd alles vermeidet, was mit Frankreich zu tun hat.

Winfried Kretschmanns Beitrag zur allgemeinen Volksverdummung ist bedenklich. Das Erlernen von Fremdsprachen, bei uns in der Region speziell des Französischen, öffnet den Geist für ein echtes gegenseitiges Verständnis, für den Respekt zwischen den Völkern, für eine Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen. Bis auf Kretschmann hat das in Baden-Württemberg wohl jeder verstanden und deshalb gibt es am Oberrhein auch viele erfolgreiche Projekte der deutsch-französischen Integration, ob es sich nun um den Arbeitsmarkt, die wirtschaftliche Zusammenarbeit oder den schulischen Bereich mit dem DFG oder den ABCM-Schulen geht.

Doch wenn Winfried Kretschmann inzwischen so weit von den Realitäten abgehängt ist, dass er denkt, dass Künstliche Intelligenz den Menschen ersetzen kann, dann wäre wohl der Zeitpunkt gekommen, an Rücktritt zu denken. Soll er in Zukunft mit seinem Smartphone kommunizieren und bitteschön aufhören, die zahllosen Akteure der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit derart haarsträubendem Quatsch zu behelligen und deren Arbeit in den Dreck zu ziehen.

Immerhin, jetzt wissen wenigstens alle, warum es in der deutsch-französischen Zusammenarbeit am Oberrhein nicht schneller vorangeht. Und einmal mehr erkennt man, dass Kompetenz für die Besetzung hoher Posten wohl nur eine untergeordnete Rolle spielt. Wäre es nicht so traurig, könnte man herzhaft über die Aussetzer des Winfried Kretschmann lachen…

5 Kommentare zu Französisch lernen? Nö, braucht kein Mensch…

  1. Der frühere Präsident der ehem. Region Elsass Marcel Rudloff hat einmal die folgende Ansicht vertreten: Beim Lernen der Sprache des Nachbarn am Oberrhein ist es nicht unbedingt notwendig auf Gegenseitigkeit zu bestehen. Es reicht, wenn im Elsass alles unternommen wird die deutsch-französische sprachliche Kompetenz weiter zu pflegen. Die Kommunikations-und Kooperationsmöglichkeiten würden somit über die Grenzen hinweg intakt bleiben und bestätigt wäre auch die Rolle des Elsass als Brücke zwischen Deutschland und Frankreich.

    • Und was soll genau der Grund sein, dass das, was Sie schreiben, in Baden-Württemberg nicht gelten soll? Der Aussetzer von Kretschmann ist ein Schlag ins Gesicht aller, die seit langen Jahren an der deutsch-französischen Integration am Oberrhein arbeiten.

  2. Peter Cleiß // 10. Juli 2023 um 8:47 // Antworten

    Kretschmanns Position als MP gibt es allein deshalb, weil unsere Verfassung das Subsidiaritätsprinzip zum Staatsaufbauprinzip gemacht hat. Wir haben einen MP in Stuttgart, weil viele politische Projekte und Gesetze mehr regionale Nähe brauchen und Berlin zu weit weg ist.
    Genau dieses Prinzip spricht dafür, dass Stuttgart bei den Deutsch-französischen Projekten aussen vor bleiben sollte. Diese Dinge gehören in die Hand der Menschen, die entlang des Rheins leben – das gilt auf beiden Rheinseiten. Stuttgart ist zu weit weg. Wer außer Schwäbisch nur noch Hochdeutsch lesen (nicht: sprechen) kann, sollte uns nicht sagen was für uns entlang des Rheins gut und wichtig ist – er versteht es nicht. Und er versteht noch nicht einmal, dass er es nicht versteht.

  3. Ich verstehe den Hass hier jetzt nicht Angesichts des sehr dürftigen Interesses an der Deutschen Sprache in Frankreich sehe ich keinen Grund die Grenzregion künstlich zu frankophonisieren Englisch ist völlig ausreichend und in der Realität bereits auf dem Vormarsch

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