Gebietsreform: Jetzt werden die Lothringer sauer…

Nach der fast einstimmigen Forderung der elsässischen Parlamente nach einem „Conseil Unique d’Alsace“ melden sich jetzt die Lothringer zu Wort.

Als Antwort auf die Abstimmungen im Elsass wollte der Präsident der Region Lothringen witzig sein. Hat nicht ganz geklappt. Foto: Pascal Himmelsbach / Wikimedia Commons / GNU 2.1

(KL) – Jean-Pierre Masseret ist sauer. Der Präsident der Region Lothringen, der als Mitglied der Regierungspartei PS auch nicht richtig offen gegen die geplante Gebietsreform Stellung beziehen kann, versteht die Weigerung des Elsass nicht, sich mit dem Gedanken an eine neue ostfranzösische Großregion Elsass-Lothringen-Champagne-Ardennes anzufreunden. Dabei hat Masseret gut reden – seine Region läge in dieser neuen Großregion mitten im Zentrum und könnte damit auch den Sitz der Verwaltungseinheiten beanspruchen. Während das Elsass in der Bedeutungslosigkeit versinkt.

Seinen Humor hätte sich Masseret allerdings schenken können. „Durch die Abstimmung, mit der das Elsass mit dem Elsass fusionieren möchte, hat das Elsass mit ‘Ja’ zum inneren Rückzug gestimmt“, erklärte er nach der parallelen Abstimmung in den drei elsässischen Parlamenten diese Woche. Sehr witzig. Wobei Masseret vermutlich nicht mehr ganz so witzig daher kommt, wenn seine Region nicht, wie von ihm gewünscht, zu „Elsass-Lothringen“ fusioniert, sondern die ungeliebte Champagne-Ardennes auch noch mit ins Paket gedrückt bekommt.

Masserets Vorgehen ist dabei nicht weniger „witzig“ als das von Premierminister Manuel Valls, der dem Elsass ebenfalls vorgeworfen hatte, „sich zusammenzurollen“. Auch, wenn Masseret und der Präsident der Region Elsass Philippe Richert im Prinzip einig sind, dass man als das geringste Übel Elsass-Lothringen will. Doch deren Einigkeit hat in Paris ungefähr so viel Gewicht wie die Abstimmung in den elsässischen Parlamenten – nämlich keins.

Und noch einen setzte Masseret oben drauf: „Die meisten Elsässer sperren sich gegen jede Änderung der aktuellen Grenzen“, beschwerte er sich, „und haben aber kein Problem damit, wenn sich die Grenzen anderer Regionen öffnen und sich andere Departements ihm anschließen wollen. Anders gesagt – was mir gehört, gehört mir und was euch gehört, das nehme ich mir.“ Na ja. Etwas holprig und auch nicht richtig witzig.

Verständlicher wird diese Haltung dadurch, dass es die Lothringer zu nerven scheint, dass die Elsässer so wenig Lust auf eine gemeinsame Zukunft haben. Sie fühlen sich wohl persönlich angegriffen, was aber natürlich keineswegs der Fall ist. Das Elsass fürchtet jedoch zu Recht, in dieser Gebietsreform unterzugehen und vieles davon zu verlieren, was die Kraft und Unverwechselbarkeit dieser Region ausmacht.

So müsste man sich auf Situationen einstellen, in denen deutsch-französische Projekte im Elsass zulasten von französisch-belgischen oder französisch-luxemburgischen Projekten zurückgesetzt werden – und da nützt auch der zugesagte Status einer „Eurometropole“ dem Elsass nicht viel – denn bisher hat noch niemand definiert, was eine „Eurometropole“ überhaupt sein soll, über welche Kompetenzen (if any…) sie verfügen soll und wie umfangreich ihr Handlungsspielraum sein kann.

Bemerkenswert ist aber, dass der Ton der Auseinandersetzung um diese Gebietsreform bereits vor der zweiten Lesung in der Nationalversammlung deutlich schärfer wird und gleichzeitig das Niveau nachlässt. Das sollte man vielleicht nicht noch weiter befeuern.

2 Kommentare zu Gebietsreform: Jetzt werden die Lothringer sauer…

  1. Man weiss nicht mehr wohin, aber wir fahren weiter, zurück.
    “De Hans im Schnokeloch”. Chantez la chanson, alsaciens purs et durs, si vous la connaissez, en alsacien bien sûr. Cette merveilleuse dérision là, vient aussi de quelque part ….Cà c’est l’Alsace, modeste et joyeuse, ce qui n’est pas incompatible

  2. wieso kann man den Sitz der zentralen Verwaltungseinheit beanspruchen wenn man in der Mitte liegt? Liegt Paris in der Mitte? Oder Berlin? London? Washinton? Moskau? Kiew? usw?

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