Gehen in Frankreich die Lichter aus?

In dieser Woche soll es wieder richtig kalt werden. Und in Frankreich drohen Stromausfälle großen Ausmaßes. So ziemlich zum schlechtesten Moment…

Falls in Frankreich der Strom abgeschaltet werden muss, gibt es noch DIESE Alternative... Foto: Posilix / Wikimedia Commons / PD

(KL) – Ah, die zuverlässige und kostengünstige Atomkraft… so zuverlässig und kostengünstig, dass in dieser Woche eventuell in mehreren Regionen für mehrere Stunden das Licht ausgeht. Und die Heizung gleich mit dazu. Grund für die Stromknappheit ist, dass zuletzt 10 der 57 französischen Atomkraftwerke vom Netz genommen werden mussten, da Sicherheitsprobleme aufgrund fehlerhaften Stahls drohten. Und wir dachten, dass es in der Atomlandschaft Frankreichs nur perfekt gebaute und perfekt funktionierende Atomkraftwerke gäbe…

Wenn nun die Temperaturen wieder sinken, könnte es knapp werden. Verschiedene energiefressende Industrien müssen dann ihre Produktion drosseln, Privathaushalte werden dann gebeten, Waschmaschinen oder Spülmaschinen zu bestimmten Zeiten nicht mehr laufen zu lassen. Der französische Energiemix, der aus Atomenergie, Atomenergie und Atomenergie besteht, scheint dann doch nicht so das ganz große Erfolgsmodell zu sein.

Und dunkel erinnert man sich, dass 2012 ein gewisser François Hollande unter anderem auch deshalb gewählt wurde, weil er eine Energiewende versprochen hatte. Ein Versprechen, das er nur wenige Wochen später bei einer Rede in Ludwigsburg erneuerte, als er vollmundig ankündigte, dass Frankreich eng mit Deutschland mit der Perspektive eines Atomausstiegs arbeiten wolle. Das war dann wohl eher so etwas wie ein Versehen, denn in den fünf Jahren seiner Amtszeit ist zum Thema Energiewende nicht viel passiert. Um ehrlich zu sein, gar nichts.

Und jetzt wird es blöd, denn erstaunlicherweise wurde in vielen französischen AKWs nicht so ganz einwandfreier Stahl verbaut, der nun überprüft werden muss. Fehler beim AKW-Bau? Hieß es nicht immer, der französische Atompark sei zu 100 % sicher und dass in den französischen Atomanlagen Unfälle wie in Tchernobyl, Fukushima oder sonst wo ausgeschlossen wären? Wie immer in solchen Fällen ist die Information dürftig, allerdings kann man davon ausgehen, dass wenn fast ein Fünftel der französischen Atomanlagen mitten in einer Kältewelle heruntergefahren werden, dass dann auch ein echtes Problem vorliegt.

In der Zwischenzeit wird Frankreich weiter Strom importieren, insbesondere aus Deutschland, wo man sich schon auf den erhöhten Bedarf in dieser Woche einstellt und beispielsweise Wartungsarbeiten an Transferleitungen erst einmal verschoben hat.

Doch auch diese angespannte Lage wird in Frankreich niemanden dazu veranlassen, das Staatscredo der Atomkraft in Frage zu stellen. Da die französische Umweltministerin Ségolène Royal die Frage der Energiewende faktisch dem Betreiber der Anlagen EdF überlassen hat, wird sich an der französischen Haltung zur Atomenergie vermutlich erst dann etwas ändern, wenn das erste veraltete AKW in Frankreich hochgegangen ist. Und am Oberrhein würde man dann doch vorziehen, wenn dies in einem AKW in der Landesmitte und nicht unbedingt in Fessenheim passieren würde…

1 Kommentar zu Gehen in Frankreich die Lichter aus?

  1. Jürgen Himbert // 22. April 2017 um 10:53 // Antworten

    Youtube:
    Atommüll. Das Endlager.

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