Gut und Gerne – Lebenslust

Mats Meeussen zeigt heute, dass in Zeichen des "Confinement" viele Restaurants auch To-Go-Menüs anbieten. Lecker und rettet vielleicht diese Restaurants.

Hedonismus in seiner schönsten Form - wer hier ein To-Go-Menü bestellt, der isst hervorragend und hilft dem Restaurant durch die Krise! Foto: Mats Meeussen / CC-BY-SA 4.0int

(Mats Meeussen) – Eigentlich wollte ich Sie heute mit dem Gut-und-Gerne-Express in die Bretagne verfrachten. Auf Expedition, um Ihnen weiterhin schmackhafte, aber gut bezahlbare Rezeptideen aufzutischen. Doch auf meiner gestrigen Joggingrunde kam mir zu meiner Freude ein Hedonist dazwischen.

Im alltäglichen Sprachgebrauch ruft Hedonismus eher schlechte Assoziationen hervor. Nur an Genüssen orientiert ist der freundliche Teil, blanker Egoismus und Dekadenz der unschönere. Warum machte mir die Begegnung mit einem Hedonisten heute also Freude?

Zum einen:

Im alten Griechenland war der Begriff alles andere als negativ besetzt, so dass ich mich auf diesen beziehe. Mit Hedonismus war Lebenslust im weitesten Sinne gemeint. Als Grundlage eines gelingenden Lebens. Der Philosoph Epikur schließt darin die Ataraxie ein. Letztere beinhaltet als elementaren Baustein jene Gelassenheit, die einen überkommt, wenn man mit wichtigen Lebensfragen und mit sich selbst im Reinen ist. Wir leben also in Zeiten, in denen etwas Hedonismus so verkehrt nicht sein kann.

Zum anderen:

Der Hedonist, der heute meinen Weg an der Ecke Rue Wimpheling/Rue Schimper kreuzte, ist ein Restaurant. L’Hédoniste.

Als ich mit dieser Kolumne startete, war dies als coronafreie Gastronomiereihe geplant, denn Corona schien noch weit weg. Über „L’Hédoniste“ wollte ich schon zu jenem Zeitpunkt schreiben, denn ich mag dieses „resto bistronomique“ (also ein gastronomisch ambitioniertes Bistrot). Vor allem mittags, wo in dem eher stillen Wohnviertel aus allen Ecken unerwartet Geschäftsleute kriechen und der Laden brummt. Eine Gute-Laune-Pause im Alltag. Ein schönes Porträt eines guten Teils der französischen Gesellschaft, für die ein gepflegtes Miteinander beim Mittagessen ein fester Anker im Arbeitstag ist.

Mit letzterem wird es wohl erst mal – zumindest in dieser Form – nichts. Dennoch habe ich mich gefreut zu sehen, dass man dort seit Dienstag ganze Mittagsmenüs zum Mitnehmen ordern kann. Zum Start gab es dienstags Rilettes de Poissons aux Herbes et Citronelle (Fischaufstrich mit Kräutern und Zitronengras) für 4 Euro, Boeuf Bourguignon samt Beilagen für 11 Euro und zum Nachtisch Pain Perdu (armer Ritter) mit karamellisiertem Apfel und Zimt für 3 Euro. Wenn man sich alles gönnt, macht das zusammen 18 Euro.

Klar, das kann je nach Portemonnaie schon zu viel sein, gerade jetzt. Aber das Restaurant gut kennend und es heute im To-Go-Sonderbetrieb testend, kann ich versichern, dass Sie etwas Originell-Feines für Ihr Geld bekommen und zudem ein junges, hochmotiviertes Team unterstützen, das Ihre Euro gut gebrauchen kann – und das viel zurück gibt: klassische Gerichte neu interpretiert, mit tagesfrischen und erstklassigen Ausgangsprodukten (auch zu normalen Zeiten, daher nur eine vertrauenseinflößende kleine Auswahl), die Portionsgröße schien mir sogar üppiger als im Normalbetrieb.

Kleines Problem: Sie, meine lieben Leserinnen und Leser, leben nicht unbedingt in Straßburg und noch weniger im Umkreis dieses Restaurants. Kommen Sie in diesem Fall später, zur Mittagszeit, wie ursprünglich geplant. Und schauen Sie mal bei sich im Viertel was geht. Oder unter J’aime mon bistrot.

Für die, die im Radius wohnen und es sich leisten können und wollen: Hingehen!

Guten Appetit – und versprochen, nächstes Mal gibt es in dieser Kolumne wieder Schmackhaftes in einem Preiskorridor von 2 bis 5 Euro, dazu etwas Geschichte, ein wenig Wirtschaftskunde sowie eine Prise Tourismus und Meer.

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