Heute ist der „Welttag der Pressefreiheit“

Pressefreiheit ist etwas, das auch bei uns verteidigt werden muss. Foto: Sebaso / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Seit 1993 gibt es am 3. Mai den „Welttag der Pressefreiheit“. Das ist gut so. Heute gedenkt man all der Journalisten, die ermordet, drangsaliert, angegriffen und bedroht werden, was auch wichtig ist. Doch worüber auch am heutigen „Welttag der Pressefreiheit“ kaum gesprochen wird, ist die Tatsache, dass überall auf der Welt, auch bei uns, die Pressefreiheit eingeschränkt wird, die Arbeit für Journalisten immer schwieriger wird und dass diejenigen, die heute diesen Tag mit Veranstaltungen und Konferenzen begehen, schweigend zusehen, wie der Publizist Julian Assange in einem Londoner Hochsicherheitsgefängnis langsam zu Tode gefoltert wird und immer noch Gefahr läuft, an die USA ausgeliefert zu werden, wo ihn 175 Jahre Gefängnis dafür erwarten, dass er die Welt über amerikanische Kriegsverbrechen informiert hat.

Die Angriffe, Anschläge und Drohungen gegen Journalisten sind allesamt Anschläge auf die Pressefreiheit und damit auf die Demokratie. Selbst wir bei Eurojournalist(e), einem kleinen Medium, haben so etwas bereits erlebt, beispielsweise bei unserer langen Serie letztes Jahr, als wir nach sechs Ermittlungsfahrten nach Italien berichteten, wie europäische Gelder in den Taschen der Mafia verschwinden oder auch bei den Berichten von den „Akten“ der Gelbwesten in Paris, wo die Übergriffe sowohl seitens der Demonstranten, als auch seitens der Ordnungskräfte erfolgten. All das ist unerfreulich und muss aufhören, doch an diesem „Welttag der Pressefreiheit“ sollte man auch darüber sprechen, wie die Pressefreiheit heute in der aktuellen Medienlandschaft unterdrückt wird.

Die 40 größten Printmedien in Frankreich (in anderen Ländern ist es nicht viel anders) gehören allesamt Milliardären, Banken, Industriellen und Finanzgruppen. Diese nehmen auch finanzielle Verluste hin, denn hier geht es mehr um Meinungsmache als um journalistische Information. Journalisten, die nicht genau das schreiben, was die Besitzer dieser Medien wünschen, verschwinden schnell aus ihren Jobs und in den Redaktionen herrscht die „Schere im Kopf“, eine antizipierende Selbstzensur, bei der viele Journalisten vor vornherein Themen auslassen, von denen sie wissen, dass es für ihren Arbeitsplatz gefährlich ist, sie zu behandeln.

Auch die offiziellen Stellen tragen dazu bei, dass die Pressefreiheit gefährdet ist. Denn in diesen Pressestellen verwechselt man „Journalismus“ und „politische Kommunikation“. Von den Journalisten wird erwartet, dass sie genau das widerkäuen, was ihnen vorgesetzt wird. Wer sich nicht in dieses System einfügt, ist auch schnell wieder aus dem Medienkreislauf verschwunden. Und auch das ist eine bedenkliche Entwicklung, denn das hehre Konzept des „freien Journalismus“ ist eine Tätigkeit, die man teuer bezahlt.

Wer Pressefreiheit will, muss auch bei uns mit der Gängelung von Journalisten aufhören, der muss aufhören, lediglich systemkonforme Medien zu unterstützen und auch freien Journalisten den Zugang zu Presseausweisen eröffnen. Der „Welttag der Pressefreiheit“ betrifft nicht nur autokratische Länder, auf die wir so gerne mit dem Finger zeigen, sondern auch unsere ach so freie Medienlandschaft, die immer mehr zum Kommunikanten derjenigen verkommt, die viel Geld investieren, um die öffentliche Meinung in ihre Richtung zu manipulieren. Doch bevor man diese Themen vertieft, sollte es heute eine einzige Forderung geben – #freejulianassange!

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