Ja, nee, is klaar…

Mit der Nominierung der früheren französischen Gesundheitsministerin Agnès Buzyn für einen Park-Posten bei der Weltgesundheits-Organisation WHO gießen die Verantwortlichen Öl ins Feuer der Verschwörungstheoretiker.

Für ihr Totalversagen in der Covid-Krise wird Ex-Ministerin Agnès Buzyn mit einem tollen Job bei der WHO belohnt... Foto: Amélie Tsaag Valren / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Erinnern Sie sich an Agnès Buzyn? Die Dame, die bis März 2020 französische Gesundheitsministerin war und dann gefeuert wurde, nachdem sie sich in einer Mischung aus Lügen und Unfähigkeit verrannt hatte? Die Ministerin, die noch Anfang Februar behauptete, dass man in Frankreich sicher vor der Pandemie sei und dass es allerhöchstens „zu einem Fall kommen könnte, wenn überhaupt“? Die Dame, die erst behauptete, das Land verfüge über ausreichende Masken, bevor sie merkte, dass es gar kein gab, weswegen sie dann das Tragen von Masken für überflüssig bis gefährlich einstufte? Nun, man muss sich keine Sorgen mehr um die Zukunft von Agnès Buzyn machen – sie hat ein warmes Plätzchen gefunden, wo man auf ihre Kompetenzen schon gewartet hat – bei der Weltgesundheits-Organisation WHO. Was sie dort genau machen soll, das weiß nicht einmal die WHO selbst – weswegen man den nichtssagenden Titel „verantwortlich für multilaterale Fragen“ erfunden hat. Fragen Sie bloß nicht, was dieser Titel beinhalten soll…

Wie in allen internationalen Agenturen dürfte auch die WHO Gehälter zahlen, bei denen man sich durchaus auch einen Sommerurlaub leisten kann – freuen wir uns also für Agnès Buzyn, die einen Posten gefunden hat, bei dem ihr Arbeitgeber so generös auf jedwede Kompetenz verzichtet. Es wäre vielleicht eleganter gewesen, einen Parkplatz-Job für Frau Buzyn in einem anderen Bereich als der Gesundheit zu finden, nachdem sie durch ihr mehr als seltsames Verhalten die Entwicklung der Pandemie in Frankreich geradezu befördert hat. Es wäre wohl niemandem aufgefallen, hätte man Frau Buzyn, sagen wir mal, im Bereich der Hochseefischerei oder der Kulturförderung untergebracht, aber ausgerechnet in dem Bereich, in dem sie durch Versagen und Lügen ihr eigenes Land massiv geschädigt hat? Durch diese mehr als unglückliche Personalentscheidung werden natürlich die Verschwörungstheoretiker bestärkt und es wird immer schwerer, deren krude Theorien sachlich zu entkräften.

Erinnern wir uns einmal zurück, Anfang 2020. Januar. Mehrere Medien, darunter auch Eurojournalist(e), berichteten von einem neuen Virus, das sich in China verbreitete und ausgehend von der Stadt Wuhan Tausende Menschen tötete. Da es zu diesem Zeitpunkt keinerlei Reisebeschränkungen und schon gar kein öffentliches Bewusstsein der kommenden Gefahr gab, nahm die Öffentlichkeit dieses Geschehen noch nicht richtig wahr. Die Medien, die vor dieser Gefahr warnten, wurden als „Alarmisten“ und anderes bezeichnet. Frau Ex-Ministerin gab Pressekonferenzen, bei denen sie behauptete, das Virus könne unter keinen Umständen nach Frankreich gelangen, es gäbe keinen Grund zur Sorge (und Vorsorge). Später behauptete sie übrigens, sie habe Präsident Macron bereits im Dezember auf die drohende Pandemie aufmerksam gemacht.

Durch die Beschwichtigungen der Ex-Ministerin verlor Frankreich zwei wertvolle Monate in der Vorbereitung auf das, was wir seit einem Jahr erleben. Dies brachte ihr übrigens eine Anzeige wegen „unterlassener Hilfeleistung“ ein, die zu einem späteren Zeitpunkt verhandelt werden wird.

Ebenfalls unrühmlich waren die Anstrengungen von Agnès Buzyn, ihren Gatten Marc Lévy in hoch dotierte Beraterposten der Regierung zu hieven. Dieser war 2019 Sonderbeauftragter der Regierung in der Ebola-Epidemie und dazu war und ist Marc Lévy einer der Gegenspieler des ebenfalls umstrittenen Professors Raoult – warum die Ministerin das von Raoult propagierte Mittel Chlororquine verbot, das immerhin seit 70 Jahren eingesetzt wird, muss man wohl den Ehemann von Frau Buzyn fragen. All diese Dinge werden sicherlich zu einem späteren Zeitpunkt aufgearbeitet werden – doch ist es in einer solchen Gemengelage geradezu unverantwortlich, Agnès Buzyn auf einen Versorgungsposten bei der WHO zu hieven.

Diese Nominierung kann nichts anderes bewirken, als das ohnehin schon zerrüttete Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Politik weiter zu schwächen. Im „echten Leben“ wird man für Totalversagen und Vetterleswirtschaft nicht mit gut bezahlten Jobs belohnt, sondern muss sich neu orientieren. Doch das, was einmal mehr nach „institutioneller Korruption“ aussieht, ist mittlerweile üblich. Und dann wundert man sich, dass inzwischen mehr als die Hälfte der Wählerschaft darauf verzichtet wählen zu gehen, mit dem Argument „die machen doch ohnehin, was sie wollen“. Das Argument ist leider nicht falsch. Denn „die da oben“ machen tatsächlich das, was sie wollen. Und füllen sich dabei auch noch die Taschen.

Frankreich sollte sofort die Nominierung von Agnès Buzyn für diesen nicht näher definierten Posten bei der WHO zurücknehmen. Denn diese Nominierung ist nichts anderes als eine Verhöhnung der bisher über 65.000 Opfer der Pandemie in Frankreich.

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