Leipziger Buchmesse – All you can read

Schweizer Bank mal ganz anders

Nein, als “Gastland” wollte die Schweiz auf der Leipziger Buchmesse nicht auftreten. Man wolle nicht nur “Gast” sein, sondern seine langjährige Verbundenheit, seine Zugehörigkeit (auch) zur deutschsprachigen Literatur dokumentieren. Deshalb präsentiert sich unser Nachbar als Schwerpunktland folgerichtig mit ihrem “Auftritt Schweiz”.

Wie eng sich die Schweiz in die deutsche Literatur eingebunden sieht, macht sie auch auf ihrem Internetauftritt mit ihrer Literaturlandkarte deutlich. Thomas Mann schrieb über Davos, Hermann Hesse über das Tessin und Friedrich Schiller ließ den Landvogt Hermann Gessler zu dessen Leidwesen durch die Hohle Gasse kommen.
140 literarische Schauplätze bietet die sehr gut gestaltete elektronische Landkarte und man bekommt gut Lust, sich durch das Angebot durchzuklicken. Sehr empfehlenswert. “Unsere Karte ist ein Schaufenster. Sie zeigt das Territorium eines gemeinsame geschaffenen kulturellen Erbes, das in dieser Zusammenstellung erstmals sichtbar wird”, sagt Barbara Piatti, die zusammen mit Anne-Kathrin Weber die Karte erstellt hat.

(Mit dieser Karte der literarischen Gemeinsamkeiten wird die Schweizer Volkspartei nach ihrem knappen Abstimmungssieg bei der Volksinitiative “Gegen Masseneinwanderung” aber wohl kaum werben.)

Mit drei weiteren Aktionen gelingt es der Schweiz, sich auf der Leipziger Buchmesse auffällig und kreativ zu präsentieren.

- Die Straßenbahnlinie 16 – vom Hauptbahnhof bis zur Messe – ist helvetisiert.
Alle Wartehäuschen auf der Strecke sind großformatig mit Schweizer Motiven geschmückt.
Das Schweizer Künstlerkollektiv “Bern ist überall” macht verbal die Straßenbahnen zum
“Trämli”, eine Bahn ist komplett im Schweizer Look dekoriert.

- Am Freitag, 14. März, präsentiert der “Auftritt Schweiz” im Leipziger Schauspielhaus eine
lebendige Bücherei. Schweizerinnen und Schweizer erzählen als lebende Bücher ihre
Alltagsgeschichten, der offene Dialog ist möglich.

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- Schweizer Bank mal ganz anders. 40 rote Lesebänke hat der Zürcher Designer Moritz
Schmidt auf der Buchmesse und in der Innenstadt in Buchhandlungen und verschiedenen
kulturellen Institutionen aufgestellt. Nach der Messe sollen sie im Clara-Zetkin-Park als
“Schweizer Lesepark” Anregungen für Begegnungen, Gespräche und Lektüre sein.

Und damit noch nicht genug Schweiz in Leipzig. Jeder Besucher, der sich dafür interessiert, bekommt “Auftritt Schweiz – Das Lesebuch” als Geschenk überreicht. Und beim ersten Blättern und Schmökern wird mehr und mehr das Interesse am Nachbarn geweckt. Dabei glaubte man doch, sie genau zu kennen, die Schweizer.

Leipziger Buchmesse noch bis zum Sonntag, 16. März.

Über Martin Kissel (14 Artikel)
Alles über Martin Kissel kann man nachlesen unter www.derpodcast.de

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