Mitten in der Krise – Vollbeschäftigung

Die Arbeitsmarktzahlen der Ortenau für den Monat Dezember sind überraschend. Trotz der Krise bleibt die Arbeitslosenquote stabil bei 2,9 %. Und das entspricht technisch der Vollbeschäftigung.

Die Arbeitsmarkt-Zahlen der Ortenau und Baden-Württembergs sehen hervorragend aus. Foto: Lupus in Saxonia / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Eigentlich hätte man damit rechnen müssen, dass mitten in der Krise die Arbeitslosenzahlen steigen. Doch in der Ortenau ist dem nicht so. Die Arbeitslosenquote für den Monat Dezember 2021 bleibt unverändert bei 2,9 %, was technisch der Vollbeschäftigung entspricht. Was aber erklärt diese großartigen Zahlen? Und ist das nur die Ruhe vor dem Sturm, vor dem auch in Frankreich die IHKs bereits warnen?

Einen ersten Erklärungsansatz veröffentlichte in dieser Woche die Bundesagentur für Arbeit, mit dem Hinweis darauf, dass die Auszahlung von Kurzarbeitergeld den Haushalt der Agentur letztes Jahr mit 22 Milliarden Euro belastet habe. Halten momentan die staatlichen Hilfen Unternehmen über Wasser, die unter „normalen“ Umständen schon gar nicht mehr lebensfähig waren? Oder handelt es sich tatsächlich um den Wiederanlauf der Wirtschaft zu einem Zeitpunkt, zu dem man gar nicht mehr von „Wellen“ spricht, sondern, was die Virus-Variante „Omikron“ anbelangt, gar von einer „Mauer“?

Für Theresia Denzer-Urschel, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenburg, stellt sich die Situation so dar: „Der Arbeitsmarkt nähert sich seiner Vor-Corona-Zeit weiter an, noch gibt es im Ortenaukreis 140 arbeitslose Menschen mehr als im Vergleichsmonat Dezember 2019 vor der Corona-Pandemie. Den erfreulichen Verlauf eintrüben könnten in den kommenden Wochen mögliche wirtschaftliche Einschränkungen aufgrund steigender Coronazahlen“.

Diese „Omikron-Mauer“ ist die große Unbekannte in der Rechnung. Dort, wo „Omikron“ bereits wütet, in Dänemark, Frankreich und Großbritannien, sind die Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Bereich bereits deutlich spürbar. Im öffentlichen Nahverkehr fallen viele Busse und Straßenbahnen aus, da sich derart viele Bus- und Tramfahrer krank melden, dass nicht mehr alle Takte aufrecht erhalten werden können. Auch in anderen Bereichen, wie der Gastronomie, werden händeringend gesunde Mitarbeiter gesucht. Da klar ist, dass diese „Omikron-Mauer“ (die dort, wo „Omikron“ bereits tobt, Inzidenzen von 2000 und darüber erzeugt) auch Deutschland treffen wird. Dies ist vermutlich sogar bereits der Fall, doch die wenigen Tests über die Feiertage und nicht gemeldete Fallzahlen sorgen dafür, dass „Omikron“ die deutschen Statistiken noch nicht dunkel einfärbt.

Die Arbeitsmarkt-Profis in der Ortenau berichten sogar von einer steigenden Nachfrage nach Arbeitskräften, so dass die Momentaufnahme nach wie vor sehr positiv ist. Allerdings sind alle diese Zahlen und Entwicklungen mit Vorsicht zu genießen – die seit mehr als zwei Jahren andauernde Pandemie könnte alle diese Zahlen auch wieder ins Gegenteil umkehren.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*



Copyright © Eurojournaliste