Nach Frau Europaministerin kommt Frau Staatssekretärin

Die bisherige Europaministerin Nathalie Loiseau (LREM) kandidiert für Europaparlament und ihre Nachfolgerin wird Amélie de Montchalin. Aber auch nur so halbwegs.

Statt der Europa-Ministerin Amélie de Montchalin gibt es "nur" die Europa-Staatssekretärin Amélie de Montchalin. Foto: Antoine Lamielle / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Warum nur, fragen sich gerade viele Franzosen, musste bei der aktuellen Regierungsumbildung aus dem Europaministerium ein Staatssekretariat für Europäische Angelegenheiten werden? Wenige Wochen vor der Europawahl ist dies in der Tat verwunderlich, setzt Präsident Macron doch ansonsten alles daran, sich als „europäischer Champion“ zu präsentieren. Ob dazu die Abwertung des Europaministeriums zu einem Staatssekretariat so besonders hilfreich ist, dürfte fraglich sein.

Und wer ist nun „die Neue“? Die Neue heißt Amélie de Montchalin, ist 33 Jahre alt, stammt aus Lyon und wurde von der Macron-Welle 2017 ins Parlament gespült, eine brillante neue politische Kraft aus dem näheren Umfeld des Präsidenten. Kein Wunder – der Werdegang von Amélie de Montchalin liest sich noch besser als der ihres Chefs. Erfolgreiche Studien an drei Universitäten gleichzeitig (Handel an der Elite-Schule HEC Paris 3, Geschichte an der Sorbonne und Angewandte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Paris-Dauphine 5). Die Taschen voller Diplome geht sie für den Versicherungsriesen Axa nach Chile, bevor sie als politische Analystin zur Europäischen Kommission wechselt. Zwischendurch macht sie noch den Master in Öffentlicher Verwaltung MPA an der Harvard Kennedy School. Beeindruckend.

Kaum ins französische Parlament gewählt, kommt sie in den Finanzausschuss, der allen anderen Abteilungen des Parlaments ständig auf die Finger klopft, weswegen dieser Posten auch als „The Whip“ (die Peitsche) bezeichnet wurde. Und trotz junger Jahre hat sie sich seit 2017 in der Assemblée Nationale durchsetzen können.

Dass sie in ihrem neuen Job das Sprachrohr von Emmanuel Macron für sein Projekt einer umfangreich finanzierten Eurozone werden wird, scheint klar zu sein. Weniger klar ist allerdings, was für europäische Akzente die neue Staatssekretärin setzen soll, kann und darf. Auch für die deutsch-französischen Beziehungen bringt die Staatssekretärin keine besonderen Erfahrungen mit, wobei sie sich als offensichtliche Schnelllernerin die erforderlichen Kenntnisse auch aneignen kann, falls sie wie ihre Vorgängerin die gute Idee haben sollte, auf die Kompetenzen aus den Grenzregionen zu hören.

Doch zurück zur Eingangsfrage. Warum wird das Europaministerium herabgestuft? Was ist das für ein Signal so kurz vor der Europawahl? Emmanuel Macrons Entscheidungen zu kritisieren, bringt nicht viel. In scheinbarer Abwesenheit von Beratern rings um den Präsidenten, kann man für die neue Staatssekretärin und uns nur eines tun: Amélie de Montchalin alles Gute in ihrem neuen Job wünschen…

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