Ostfrankreich – jetzt braucht die neue Region nur noch einen Namen…

Wie soll das ungeliebte Baby denn nun heißen? Bis zum 1. Juli müssen die neuen Regionen ihre Namen festlegen. Die dann aber auch noch nicht endgültig sind. Denn entschieden wird in Paris.

Die wunderschöne Region zwischen Elsass und Champagne, mit den Wäldern Lothringens und dem Burgund, hätte einen schönen Namen verdient... Foto: Bernard Chenal / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

(KL) – Das Thema beschäftigt uns schon lange – die französische Gebietsreform wurde zum 1. Januar 2016 gültig, obwohl man sich vor allem im Elsass mit Händen und Füssen dagegen gewehrt hatte, mit den Regionen Champagne-Ardenne und Lothringen zusammengelegt zu werden. Doch nun, wo diese Gebietsreform gültig und ein neuer Regionalrat in den neuen 13 Großregionen gewählt wurde, fehlt noch eines – ein Name. Dieser soll in einer Abstimmung von der Bevölkerung festgelegt werden, doch sind wir immer noch in Frankreich: Vorschläge dürfen die Regionen zu ihren neuen Bezeichnungen zwar gerne machen, entschieden wird aber in Paris. Bis zum 1. Juli müssen die Regionen ihre Vorschläge eingereicht haben.

Die Vorschläge, die momentan auf dem Tisch liegen, reichen von halbwegs schwachsinnig über humoristisch bis ernsthaft. Es wäre der neuen Region Ostfrankreichs zu wünschen, dass sich nicht der Vorschlag des konservativen Abgeordneten Antoine Herth (Les Républicains) durchsetzt – der lautet nämlich „Arschloch“ und das wünscht man den Bewohnern dieser schönen Region wirklich nicht. Ebenso wenig wie den vermutlich ebenso wenig ernst gemeinten Vorschlag „Chamalo“ des Abgeordneten Hervé Féron (PS, Meurthe-et-Moselle), denn „Chamalo“ bedeutet nichts anderes als „Marshmallow“ im französischen Sprachgebrauch. Ähnliches gilt für die Vorschläge „Alloc“, was umgangssprachlich im Französischen für Sozialhilfeleistungen steht und auch „Carla“ ist höchstens als Verbeugung vor dem möglichen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2017 Nicolas Sarkozy und dessen Frau Carla zu verstehen.

Etwas hölzern klingen die bisher verwendeten provisorischen Bezeichnungen „ACAL“ und „ALCA“, die aber zumindest den Vorteil einer gewissen Sachlichkeit und Neutralität hätten. Viel schöner aber sind die beiden Vorschläge „Coeur de l’Europe“ (Herz Europas) und „Terre de l’Est“ (Land des Ostens) – beide sind deutlich hübscher, positiver und natürlich auch inhaltlich richtig. Doch werden es die ungefähr 5,5 Millionen Einwohner dieser großen Region schaffen, einem nicht gewünschten Baby einen liebevollen Namen zu geben? Der Vorschlag „Arschloch“ deutet zumindest nicht darauf hin…

Angesichts der teilweise seltsamen Vorschläge versteht man zwar, dass sich Paris das letzte Wort vorbehalten hat (und sei es nur, um „Arschloch“ zu verhindern), doch die Tatsache, dass letztlich die Regionen selbst nur Vorschläge machen können, ist einmal mehr alles andere als identitätsstiftend. Und auch, wenn man in anderen Regionen, die vor der gleichen Problematik stehen, Kommentare wie „egal, wir haben Wichtigeres zu tun“ hört, so ist der Name der Regionen alles andere als unwichtig. Denn diesen Namen werden sie auf unbestimmte Zeit führen, wenn es sein muss, für Jahrzehnte und anhand dieses Namens wird man die Regionen im längst stattfindenden Wettbewerb zwischen den Regionen identifizieren. Eben wie bei einem Baby, das seinen Namen auch sein ganzes Leben lang (er-)tragen muss. Wünschen wir unseren Nachbarn also die Weisheit, sich richtig zu entscheiden und ihrer neuen Region einen wirklich schönen Namen zu geben…

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