PISA – und jetzt?

Das Bildungsniveau in Deutschland und Frankreich sinkt rapide. Die kommenden Generationen haben Probleme beim Lesen und beim Rechnen. Aber in die Bildung wollen wir nicht investieren.

Die Kids der TikTok-Generation sind nett. Nur beim Lesen und Rechnen hapert's... Foto: Ecole polytechnique Université Paris-Saclay / Wikimedia Commons . CC-BY-SA 2.0

(KL) – Die Zahlen der aktuellen PISA-Studie sind erschreckend – in den letzten fünf Jahren ist das ohnehin schon nicht allzu hohe Bildungsniveau der 15jährigen in Deutschland und Frankreich weiter in den Keller gesunken. Die kommenden Generationen, die mit dem Problemen klarkommen müssen, die wir ihnen hinterlassen, haben Schwierigkeiten beim Lesen und beim Rechnen. Ein wenig wie die Bundesregierung…

Das PISA-Ranking spricht eine eindeutige Sprache. Ganz oben in der Rangliste stehen asiatische Länder wie Spitzenreiter Singapur, gefolgt von Macau, Taiwan, Japan, Südkorea und Hong Kong. Auf Platz sieben kommt das erste europäische Land, Estland. Um Deutschland und Frankreich auf der Liste zu finden, muss man weiter nach unten scrollen. Deutschland liegt auf Platz 24, Frankreich auf Platz 26. Für „führende Industrienationen“ ist es mehr als peinlich, dass wir nicht in der Lage sind, die Jugend unserer Länder so auszubilden, dass sie sich morgen in der Welt zurechtfinden können.

Bildungsexperten haben diese erschreckenden PISA-Ergebnisse scharf kommentiert, indem sie sagten, dass man ein „Sondervermögen Bildung“ von 100 Milliarden Euro auflegen müsste, so, wie man es für die Verteidigung getan hat. Doch ist ja inzwischen offizielle Position, dass wir eine „Kriegswirtschaft“ brauchen und bereits der Begriff „Sondervermögen“ zeigt, warum unsere Schülerinnen und Schüler nicht so richtig fit sind, denn wenn selbst die Regierung mit so irreführenden und falschen Begriffen arbeitet, wie sollen es die Jugendlichen dann besser machen? Nur mal so: Ein „Vermögen“ ist ein Betrag, über den man verfügen kann, weil man ihn erwirtschaftet oder geerbt hat. Doch das Geld, das man in Waffen steckt, statt in Bildung oder Infrastrukturen, das sind Kredite, die später von denen zurückgezahlt werden müssen, die nicht richtig lesen und rechnen können…

Letztlich ist es eine Frage der Prioritäten. Doch auch der Letzte merkt, dass wir nicht etwa in Bildung, Infrastrukturen oder Soziales investieren und dafür Kredite aufnehmen, sondern dass wir das Geld in Krieg und Inflation pumpen. Doch das kann langfristig nicht gutgehen, speziell nicht in Deutschland, wo zu dem ganzen Elend auch noch der demographische Wandel kommt, der bedeutet, dass immer weniger Aktive die sozialen Kosten für immer mehr Rentner tragen müssen. Doch wenn diese künftigen Aktiven nicht richtig ausgebildet sind, wie soll das dann funktionieren?

Doch es wir so laufen wie immer. Nach der ersten Aufregung über die katastrophalen PISA-Ergebnisse wird es so weitergehen wie zuvor, die Schulen werden weiterhin mit ihren Problemen zu kämpfen haben und der Bildungsbereich wird aus der Politik weiter die gleiche Rückmeldung erhalten – „die Kassen sind leer“.

Die TikTok-Generation wird Probleme haben, die Aufgaben der Zukunft zu meistern und wir stehen achselzuckend vor dem Phänomen kommender Generationen, die selbst mit den grundlegenden Kompetenzen ihre Schwierigkeiten haben wird. Dass diese Entwicklung stattfindet, ist nicht etwa die Schuld der Schülerinnen und Schüler, sondern einer versagenden Gesellschaft, die weder für ihre jüngsten, noch für ihre ältesten Mitglieder viel übrig hat. Doch die Rechnung für diese falschen Ausrichtungen werden alle zusammen später bezahlen. Nämlich dann, wenn die TikTok-Generation ans Ruder kommt und unsere Länder zu managen hat. Doch trotz dieser Erkenntnis ist eines bereits klar – wir werden weiterhin lieber Kriege als die Zukunft unserer Jugend finanzieren. Was das bringen soll, das wissen vermutlich nicht einmal diejenigen, die diese Entscheidungen treffen.

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