Reise ins Herz Frankreichs (8) – Wo die Franzosen Urlaub machen

Der Sommerurlaub ist für unsere französischen Nachbarn etwas anderes als für uns Deutsche. Ballermann und ähnliche Dinge sind nichts für die Franzosen…

Wo es solche Sonnenuntergänge über dem Atlantik gibt, ist es egal, wie das Ufer bebaut ist... Foto: Eurojournalist(e)

(KKKL) – Die Sommerferien sind für die Franzosen eine heilige Institution. Anfang Juli fällt das ganze Land in eine Art Sommerschlaf, der erst Ende August / Anfang September mit der “Rentrée” endet – in der Zwischenzeit erholt man sich. Und zwar am liebsten in Frankreich.

Es muss nicht die Dominikanische Republik, Kuba oder der Abenteuertrip durch die USA sein. Und schon gar kein Massentourismus auf dem Ballermann. Die Franzosen bleiben im Sommer gerne da, wo man ihre Sprache spricht, wo es schön ist und wo die Familien teilweise schon seit Generationen hinfahren – in Frankreich!

Das liegt natürlich daran, dass Frankreich ein unglaublich schönes und abwechslungsreiches Land ist, das für jeden etwas zu bieten hat. Die einen fahren an “die Côte” und baden im Mittelmeer, die anderen zieht es an die Atlantikküste, die zwischen der spanischen Grenze und dem Ärmelkanal Hunderte Kilometer feinen Sandstrand und Naturschönheiten en masse bietet. Wieder andere fahren ins Elsass, nach Savoyen in die Berge, ins Massif Central oder in die Pyrenäen, wobei die Franzosen eine große Treue zu den Reisezielen ihrer Familien an den Tag legen. Man fährt eben da hin, wo man weiß, was man hat. Große Überraschungen und Abenteuer brauchen die Franzosen im Urlaub zumeist nicht – das Leben ist schon abenteuerlich genug.

Dies führt dazu, dass sich in Frankreichs Ferienregionen ein ganz eigener Tourismus entwickelt hat, der es schwer macht, diesen Tourismus für ausländische Besucher stärker zu entwickeln. Campingplätze und Ferienkolonien mit Apartments und Mobile Homes dominieren beispielsweise die Atlantikküste und machen dort bis zu 90 % der Ferienunterkünfte aus – was für viele Besucher aus dem Ausland nicht so attraktiv ist. Dabei ist dieses Format gerade für Familien mit Kindern eigentlich optimal.

Dennoch haben manche Ferienregionen, wie beispielsweise die wunderschöne Vendée, Schwierigkeiten, eine internationale Klientel anzulocken. In diesem Sommer kamen 83 % der Urlauber in der Vendée aus Frankreich, was angesichts des umwerfenden Wetters zwar kein Problem war, doch als ausländischer Urlauber sollte man hier schon zumindest einige Brocken Französisch verstehen, um gut durch den Urlaub zu kommen.

Erstaunlich ist, dass es die Franzosen immer wieder an den gleichen Urlaubsort zieht, wo sie bereits als Kinder ihren Urlaub verbracht haben. Das ist fast so etwas wie eine zweite Heimat, eben so eine Art “Sommerheimat”. Wenn sie dann erwachsen sind, fahren sie mit ihren eigenen Kindern wieder und wieder an den gleichen Urlaubsort und wenn ihre Kinder dann erwachsen sind, dann machen sie das auch. Warum sollte man auch woanders hin fahren, wenn man genau weiß, dass man dort, wo man Urlaub macht, Erholung und ein bekanntes Umfeld vorfindet?

Doch manches, was es an den Urlaubsorten gibt, verwundert den nichtfranzösischen Urlauber. Freizeitparks aller Couleur, die dem ausländischen Urlauber eher ein verständnisloses Schmunzeln abringen, Kinderkarussell am Hafenbecken, aus denen Musik der 70er und 80er Jahre dröhnt und an denen man tatsächlich noch Zuckerwatte erstehen kann, das sind Angebote, die aus einer anderen Zeit zu stammen scheinen. Die aber für den französischen Urlauber dazu gehören, weil es das eben schon immer gab. Und weil es das immer geben wird.

Stören kann das alles nicht – denn wer am Atlantik am Strand liegt, die Seele baumeln lässt und auf die unendliche Weite des Ozeans blickt, der weiß, warum er hier Urlaub macht. Und wenn man vorher weiß, dass das eben Urlaub à la française ist, der kann ein Wörterbuch mitnehmen und vorher ein wenig sein Schulfranzösisch auffrischen. Die Menschen sind unglaublich gastfreundlich, das Essen ist hervorragend, die Regionen sind wunderschön – und das wird wohl für immer so bleiben!

Damit endet unsere Reise ins Herz Frankreichs, auf der wir unsere Nachbarn tatsächlich etwas besser kennenlernen konnten. Es ist schön, dass die Franzosen anders sind als wir Deutschen und wir können viel von unseren Nachbarn lernen, vor allem, was die entspannte Haltung zu den Dingen des Lebens angeht. Man kann auf sein Land und seine Traditionen stolz sein, ohne gleich zum Nationalisten zu werden, man kann seine Traditionen durch die Zeiten pflegen und immer weiter entwickeln. Frankreich ist ein hochmodernes Land, das seine Wurzeln nicht verleugnet, sondern pflegt. Und dabei offen ist, gastfreundlich und interessiert an den anderen. Kurz – ein Land, das man einfach nur lieben kann und auf das man im europäischen Konzert mehr hören sollte. Denn das Leben besteht nicht nur aus Arbeit, Zinssätzen und strengem Sparen, sondern auch aus Lebensfreude, Toleranz und Lebensqualität. Und da dürfen wir uns gerne eine Scheibe von unseren Nachbarn abschneiden.

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein... Foto: Eurojournalist(e)

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein… Foto: Eurojournalist(e)

Urlaub am Meer à la française - da denkt niemand an den "Ballermann"... Foto: Eurojournalist(e)

Urlaub am Meer à la française – da denkt niemand an den “Ballermann”… Foto: Eurojournalist(e)

 

Sieht nach nichts aus - aber hier gibt es die besten Austern der Welt... Noirmoutier! Foto: Eurojournalist(e)

Sieht nach nichts aus – aber hier gibt es die besten Austern der Welt… Noirmoutier! Foto: Eurojournalist(e)

 

 

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