Saftige Prämien für die Olympischen Spiele…

… nicht etwa für die erfolgreichen Sportler bei diesen seltsamen Olympischen Spielen, sondern für viele Berufsgruppen des Öffentlichen Dienstes. Das wird teuer.

"Schneller, höher, weiter, teurer" - das Motto der Olympischen Spiele 2024 in Paris... Foto: DiscoA340 / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Die Spatzen pfiffen es seit Monaten von den Dächern und die zahlreichen Streikankündigungen für die Zeit der Olympischen Spiele haben sich für die jeweiligen Gewerkschaften gelohnt. Damit die Olympischen Spiele in Paris nicht bestreikt werden, müssen die Arbeitgeber des Öffentlichen Dienstes tief in die Tasche kommen. Die nun schnell ausgehandelten Prämien können sich insgesamt auf 235 Millionen Euro belaufen, damit nicht während der Olympischen Spiele alle Räder still stehen. Im Grunde war klar, dass die öffentlichen Arbeitgeber gar keine andere Wahl hatten, als die Forderungen der Gewerkschaften zu erfüllen, da ansonsten Paris während der Spiele gelähmt gewesen wäre. Wer bekommen denn nun welche Prämien?

Die rund 30.000 Mitarbeiter der Metro-Betriebe RATP, mit denen die Besucher von Sportstätte zu Sportstätte und von Touristen-Attraktion zu Touristen-Attraktion gekarrt werden sollen, erhalten im Schnitt eine Prämie von 1.000 € pro Nase, wobei die Fahrzeugführer sogar zwischen 1.600 und 2.500 € erhalten. Der genau Betrag hängt dann von der Anzahl der effektiv gearbeiteten Tage zwischen dem 22. Juli und dem 8. September ab.

Die Fluglotsen an den Pariser Flughäfen haben sogar noch besser verhandelt und keine Prämie, sondern eine Gehaltserhöhung von bis zu 1.000 € pro Monat ausgehandelt und dazu 18 zusätzliche Erholungstage im Jahr. Diese Änderungen gelten nicht nur während der Spiele, sondern dauerhaft. Für das übrige Personal an den Flughäfen stehen momentan 70 € Prämie pro gearbeiteten Tag während der Spiele im Raum, doch hier dürfte nachverhandelt werden, denn die Gewerkschaften haben verstanden, dass sie in der aktuellen Situation jede Forderung durchsetzen können.

Die Mitarbeiter der Pariser Müllabfuhr erhalten bis zu 1.900 € Prämie für die Arbeitstage während der Spiele, damit es in dieser Zeit in Paris nicht zu Müllbergen mit entsprechender Geruchsentwicklung kommt.

Die verschiedenen Polizei-Einheiten erhalten eine Prämie zwischen 1.000 und 1.900 € pro Nase, wenn sie während ihrer normalen Urlaubszeit mobilisiert werden (was bei fast allen der Fall ist), 1.600 € für Einsätze in ihrem Departement (viele der Veranstaltungen finden dezentral statt) und 1.900 € für den Einsatz im Großraum Paris. Dazu kommen 50 € pro Nacht Auslöse für alle Sicherheitskräfte, die mindestens fünf Nächte außerhalb ihres normalen Wohnorts eingesetzt werden.

Auch die chronisch unterbezahlten Mitarbeiter in den rund 80 Krankenhäusern und sonstigen medizinischen Einheiten, die während der Spiele im Einsatz sind, werden bedacht. Hier belaufen sich die Prämien auf 800 bis 2.500 €, vorausgesetzt, die Mitarbeiter können keine drei Wochen Urlaub am Stück in diesem Sommer nehmen, was ohnehin kaum möglich sein dürfte.

Wie hoch die Prämien bei der ansonsten auch sehr streikfreudigen Staatsbahn SNCF ausfallen werden, ist noch unklar. Bei den Bahngewerkschaften schaut man noch, wie hoch die Prämien bei anderen Berufszweigen ausfallen und das erste Angebot, das die Gewerkschaft SUD Rail erhalten hat, nämlich 50 € pro Arbeitstag in dieser Zeit, wird nicht angenommen werden, da die Prämien bei den Pariser Verkehrsbetrieben doppelt so hoch liegen. Aber bei den Bahngewerkschaften hat man es nicht eilig zu einem Abschluß zu kommen, da man weiß, dass man am Ende das bekommen wird, was man haben möchte.

Die Nachricht an alle Gewerkschaften, deren Mitglieder in irgendeiner Form zu diesen Olympischen Spielen beitragen sollen, ist klar – fordert, was ihr wollt und ihr werdet es bekommen. Da es sich bei diesen Prämien und Gehaltserhöhungen um öffentliche Gelder handelt, werden damit die Olympischen Spiele für alle noch ein Stückchen teurer. Aber was macht man nicht alles, um einem so auf Prestige ausgerichteten Präsidenten eine Freude zu machen… und so verändert sich das Motto der Olympischen Spiele von „schneller, höher, weiter“ zu „schneller, höher, weiter und teurer“.

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