Europa ganz ohne Probleme….

Einmal im Jahr öffnet das Europäische Parlament in Straßburg seine Pforten für die Besucher – am „Tag der offenen Tür“.

Das hat sicher viel Spaß gemacht - einmal auf den bequemen Abgeordnetenstühlen sitzen. Dann ist Europa ja auf einem richtigen Weg... Foto: Eurojournalist(e)

(WB) – Es war wunderbar. Ein Europa ohne Sorgen präsentierte sich am Sonntag beim „Tag der Offenen Tür“ des Europäischen Parlaments in Straßburg den Tausenden Besuchern aus aller Herren Länder. So und nicht anders wünscht man sich Europa – unbeschwert und ohne all diese lästigen Alltagsprobleme.

Am Vormittag wurde sogar noch ernsthaft diskutiert, obwohl der Zugang in diesem Jahr massiv gefiltert wurde, Sicherheit geht vor. Da nahm man auch die Warteschlangen in der prallen Sonne gerne in Kauf. Und es waren viele Menschen da und es wurde diskutiert. Nicht sehr lang, aber immerhin. Da waren auch noch einige EU-Abgeordnete da.

Und dann ging die Jagd auf die Gadgets los. Ein erhabener Anblick, wie mit Plastiktüten bewehrte Europäeinnern und Europäer wahllos von den Ständen einsammeln, was man ihnen anbietet. Hochglanzprospekte, Schlüsselanhänger, Pins und Plastiktrinkflaschen, der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt!

Die Flüchtlingsfrage hatte glücklicherweise im Parlament nicht viel verloren, die wurde draußen auf der grünen Wiese vor dem Parlament diskutiert, wo sich ein paar Aktivisten eingefunden hatten, die tatsächlich diskutieren wollten und von den Besuchern und den Sicherheitskräften gleichermaßen misstrauisch beäugt wurden.

Drinnen war dann die Flüchtlingsfrage eher fehl am Platz. Am Stand der Slowakei, die mit hübschen Trachten und hübschen Mädels für den Urlaub in der hübschen Slowakei warben, führte die unbotmäßige Frage eines zufällig anwesenden Journalisten, warum das Land, das demnächst turnusmäßig die Präsidentschaft des Europäischen Rats übernehmen wird, keine Flüchtlinge aufnehmen will und deshalb vor dem Europäischen Gerichtshof klagt, fast zum Platzverweis. Aber wirklich! Zurecht entrüstet erklärten die slowakischen Tourismusexperten, dass dies eine „politische Frage“ sei und man sei nicht hier, um über solche Fragen zu sprechen. Und da hatten sie ja auch wirklich Recht.

Wer wollte sich schon an einem sonnigen Sonntagnachmittag mit Fragen wie nach dem Brexit, Griechenland oder den Außengrenzen belasten? Mit dem Türkeideal oder LuxLeaks oder gar den Panama-Papieren? Nein, es war deutlich netter, an den Ständen einzusammeln und dabei die Message mitzunehmen, dass Europa, das institutionelle Europa voll und ganz für uns da ist. Das hört man doch lieber als das Gejammer wegen des TTIP.

Ach, das war ein schöner „Tag der offenen Tür“ und wenn nur wenige EU-Abgeordnete den Weg zu dieser Begegnung mit den Bürgerinnen und Bürgern Europas fanden, dann war das auch gut so. Die hätten beim Einsammeln von Bleistiften, Kugelschreibern, Ersttagsbriefen und anderen wichtigen Dingen nur gestört…

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