Terror interessiert nicht die Bohne

… aber die Tomate – die Angst vor dem Terror reicht bis tief in die Provinz, wie dieses Beispiel aus dem Süden von Paris zeigt.

Das Tomatenfest, das 2015 noch 50.000 Besucher anzog, wurde dieses Jahr abgesagt - aus Sicherheitsgründen. Foto: Michael Magercord

(Von Michael Magercord) – Die Einwohner des Örtchens Montlhéry gut 40 Kilometer südlich von Paris mussten erfahren, dass die Terrorgefahr bis in ihre kleine Gemeinde vorgedrungen ist. Die 82. Ausgabe des traditionellen Tomatenmarkts „Foire aux Tomates“, der eigentlich immer zusammen mit einem festiven Beiprogramm pünktlich zum Abschluss der Tomatenernte am zweiten Wochenende im September stattfindet, musste abgesagt werden. Ein eilig auf den bereits in der Umgebung ausgehängten Plakaten angebrachter Aufkleber verrät warum: Massive Sicherheitsbedenken in den Zeiten des nationalen Ausnahmezustandes ließen der Gemeindeverwaltung keine andere Wahl, als das fröhliche Treiben um die beliebte Gartenfrucht, das in den vergangenen Jahren bis zu 50.000 Besucher anzog, 2016 ausfallen zu lassen.

Wir wissen natürlich nicht, welche konkreten sicherheitsdienstlichen Informationen, die aus ermittlungstaktischen Gründen auch besser geheim bleiben, den Bürgermeister Monsieur Claude Pons dazu veranlasst haben, festzustellen: „Wir haben heutzutage nicht das Recht, selbst unter der Vorgabe, dass man weiter leben muss, das Leben so vieler Menschen in Gefahr zu bringen“. Natürlich könnten wir in Anbetracht der langen Geschichte um die missbräuchliche Nutzung der Tomate als Wurfgeschoss einige Vermutungen dazu anstellen, doch in Anbetracht des Ernstes der Lage verbietet sich an dieser Stelle selbstredend jede Spekulation über irgendwelche mehr oder weniger schaurigen Szenarien.

Zurückweisen muss man ebenso nachdrücklich die bereits von einigen Gartenfreunden und Kennern der regionalen Anbaubedingungen geäußerte Ansicht, dass nämlich aufgrund der meteorologischen Kapriolen die Tomate in dieser Saison nicht zur vollständigen Reife gelangt sei und somit noch ziemlich grün ist, wodurch nicht nur die öffentliche Zurschaustellung dieser für gewöhnlich roten Frucht unwürdig gewesen wäre, sondern dass ebenfalls die mit der Unreife einhergehenden Härte des doch sonst so saftigen Fruchtfleisches die Sicherheitsbedenken der zuständigen Stellen in der Präfektur genährt hätten.

Uns bleibt aber immerhin der nun doch erfreuliche und ermutigende Hinweis, dass in der Woche darauf der ebenfalls traditionsreiche „Jahrmarkt der grünen Bohnen“ im benachbarten Städtchen Arpajon wie geplant ihre 85. Auflage erleben wird. Besonders sei auf die Veranstaltung hingewiesen, die in Anlehnung an die allen Widerständen trotzende Rhetorik der 68er-Bewegung das Motto trägt: „Unterm Pflaster liegt der Gemüsegarten“.

Weitere Information und ein historischer Rückblick auf die „Messe der grünen Bohnen“ in Arpajon finden Sie hier!

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