Völker, hört die Signale!

Die aktuelle Politik in Europa führt ins Nichts. Unfähige Staatenlenker bringen die Völker Europas gegeneinander auf. Und es wird immer schlimmer.

Vielleicht sollten wir anfangen, SO mit unseren Politikern umzugehen... Foto: Eurojournalist(e) / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Wenn man als Deutscher im Ausland unterwegs ist, dann spürt man, dass die Vergangenheit noch lange nicht vorbei ist. Mit dem Satz „Ich komme aus Deutschland“ wird man nicht spontan zum Sympathieträger, ganz im Gegenteil. Doch dieses Phänomen ereilt jetzt auch die Franzosen.

Italien, August 2018. Im Studio von „Canale Italia“ herrscht dicke Luft. Wirtschaftexperten, Psychologen, Experten für das Thema Armut und ein Journalist diskutieren gemeinsam über das Schicksal von Kleinunternehmern, die in Schwierigkeiten geraten. Die Sendung dauert von 6 bis 9 Uhr, die Zuschauer können in der Sendung anrufen. Und das tun sie auch.

Die Präsidentin des Vereins „Aide Entreprise“ Brigitte Vitale, übersetzt für mich ins Französische. Und damit bin ich als deutsch-französischer Journalist identifiziert. Eine Top-Kombination. Die Tatsache, dass im Studio Französisch gesprochen wird, bringt einige Zuschauer auf die Palme. „Sie kommen aus Frankreich, um uns hier zu beleidigen“, so lauten mehrere scharfe Vorwürfe der Zuschauer, als das Thema auf „Flüchtlinge“ kommt. Die Stimmung ist aufgeheizt und man spürt deutlich, wie die Generalbeleidigungen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Italien aufgenommen wurden. Aus natürlichen Freunden sind über Nacht Gegner geworden.

Es ist schade, dass die Menschen in Frankreich nicht mitbekommen, wie ihr Image in Europa gerade den Bach hinuntergeht, wie die flapsige und beleidigende Art des französischen Präsidenten Schäden anrichtet, die lang anhaltende Folgen haben werden. Während man in Frankreich immer noch glaubt, dass die Welt das Land um seinen Präsidenten beneidet („Er ist jung und sieht gut aus!“), merkt man überhaupt nicht, dass die Stimmung anderswo längst umgekippt ist.

Macron hatte den Italienern mangelnden Humanismus vorgeworfen, nachdem das Land mehrfach Rettungsschiffen für Flüchtlinge das Anlaufen italienischer Häfen verboten hatte, wie beispielsweise der Aquarius, die schließlich nach Spanien ausweichen musste. Nur, was Macron dabei nicht hervorhob, war die Tatsache, dass er selbst diesen Schiffen das Anlaufen der französischen Häfen untersagt hatte, Der Vorwurf des mangelnden Humanismus durch einen Präsidenten, der Flüchtlingslager mit dem Bulldozer plattwalzen lässt und ansonsten einfach wegschaut, wenn es darum geht, selbst solidarisch zu sein, hat die Italiener ins Mark getroffen.

Wir Europäerinnen und Europäer müssen sehr aufpassen, dass unsere Politiker uns nicht auseinanderdividieren. Nur ein respektvoller Umgang miteinander kann verhindern, dass Europa auseinander bricht.

Der Mangel an Solidarität mit Italien ist eine Schande. Europa schafft es ja nicht einmal, schnell und pragmatisch 140 Flüchtlinge auf 28 Länder zu verteilen. Und auch, wenn es wehtut – Matteo Salvini hat Recht, wenn er von Europa per Ultimatum den Respekt der „europäischen Werte“ einfordert. Es ist nicht möglich, dass wir Italien mit der Ankunft der Flüchtlinge alleine lassen. Wie sähe es denn aus, wenn Skandinavien der Krisenherd der Welt wäre und tausende Flüchtlinge an den norddeutschen Küsten anlanden würden? Würden wir dann nicht auch massiv auf Europa Druck machen, damit diese gerecht verteilt würden? Eben.

Lassen wir uns nicht auf dieses gefährliche Spiel der mangelnden Solidarität ein. Und lasst uns endlich aufhören, uns alle über die Politiker zu definieren, die uns regieren. Deutschland ist nicht Merkel, Italien ist nicht Salvini und Frankreich ist nicht Macron. Allerdings wäre es kein Fehler, würden wir unsere Regierungsmannschaften austauschen – deren Unfähigkeit, Europa zu einem Hort der Menschenrechte zu machen, ist offensichtlich. Europa muss mehr werden als ein reiner Erfüllungsgehilfe für „die Märkte“ – die sind nämlich daran Schuld, dass es in Europa nicht rundläuft.

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