Was Europa wirklich tut…

Die Zukunftsschmiede des Europäischen Parlaments sind die STOA und der ERC. Wer bitteschön? Ein Blick auf den politischen Alltag lohnt sich.

Mit auf dem Podium beim STOA-Event - Nobelpreisträger Martin Karplus (rechts). Foto: Eurojournalist(e)

(KL) – Gestern tagte im Europäischen Parlament in Straßburg die STOA-Gruppe. STOA, das steht für „Science and Technology Options Assessment“ und diese Parlamentariergruppe, die aus 25 EU-Abgeordneten aus neun ständigen Ausschüssen des Parlaments besteht. Diese Gruppe ist die Zukunfts-Schnittstelle zwischen der Forschung in Einrichtungen wie dem ERC („European Research Council“, Europäischer Forschungsrat) und den Politikern im Europäischen Parlament, die immer häufiger Position zu Themen aus der Hochtechnologie beziehen müssen und hierfür den Input der besten Forscher benötigen – und erhalten. Hierzu dienen diese regelmäßigen Treffen zwischen Forschern und Politikern, damit die europäischen Entscheider über die Informationen verfügen, die sie brauchen, um richtige Entscheidungen treffen zu können.

Wie aktiv die europäischen Forschungsförderer sind, erkennt man am Beispiel des ERC, des Europäischen Forschungsrats, der die besten europäischen Talente mit verschiedenen Stipendien ausstattet, damit diese in Ruhe am technologischen Fortschritt Europas arbeiten können. Der Europäische Forschungsrat besteht aus herausragenden Nobelpreisträgern, Universitätsrektoren und Wissenschaftlern, hat seit seiner Gründung 2007 mehr als 8600 Forschungsprojekte europäischer Nachwuchsforscher in der ganzen Welt gefördert, was wiederum zu über 800 Patentanmeldungen, der Gründung von mehr als 100 Unternehmen und der Schaffung von Arbeitsplätzen in Europa führte. Über den Vektor Forschung und Entwicklung wird also Europas Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit organisiert.

Schnittstelle zwischen Forschung und Politik. – Damit die Forschung aber nicht im Elfenbeinturm vor sich hin werkelt, gibt es Gruppen wie die STOA, die unter Leitung der Griechin Eva Kaili, des Österreichers Paul Rübig und des Tschechen Evzen Tosenovsky dafür sorgt, dass die Erkenntnisse der besten europäischen Forschungseinrichtungen in den politischen Prozess einfließen.

Wie wichtig dieser Austausch zwischen Politik und Forschung ist, erkennt man an der Themenliste des zweitägigen Dialogs der STOA-Gruppe mit Spitzenforschern: Moderne Energielösungen standen ebenso auf dem Programm wie öko-effiziente Transportmöglichkeiten, das nachhaltige Management natürlicher Ressourcen oder auch die Herausforderungen und Auswirkungen der Digitalisierung in allen Lebensbereichen. Wenn die Politik in diesen zentral wichtigen Bereichen die richtigen Entscheidungen treffen will, dann muss sie über die Erkenntnisse der schlausten Köpfe unseres Kontinents verfügen. Und genau dafür sorgt die STOA-Gruppe.

Nicht sexy genug? – Und seltsam: Da sitzen Nobelpreisträger wie der Österreicher Martin Karplus auf dem Podium, da diskutieren die besten Forscher Europas mit den offensten Politikern Europas, und das ganze findet, mehr oder weniger, hinter verschlossenen Türen statt. Ist das Thema nicht „sexy“ genug? Hier arbeitet Europa konzentriert und höchst erfolgreich im Dienste aller 500 Millionen Europäerinnen und Europäer und letztlich erfahren es nur Eingeweihte. Dabei sind es „diskrete“ Gruppen wie die STOA, die am konsequentesten die europäischen Werte der Solidarität, des gemeinsamen Strebens nach Frieden und Wohlstand und der Entwicklung der Zukunftsfähigkeit unseres Kontinents umsetzen.

Bis zur Europawahl 2019 bleibt noch ein wenig Zeit. Und diese Zeit sollte man nutzen, die Debatte um Europa um ein paar wesentliche Themen zu erweitern. Wie beispielsweise „Was tut die EU alles für die Bürgerinnen und Bürger?“ oder „Erfolgsstories aus der EU“ oder „Wir arbeiten für Sie – das Parlament trifft die Presse“. Nur so als Idee. Denn wenn der eine oder andere Europaskeptiker oder gar Europafeind wirklich wüsste, was die EU alles im Hintergrund wirklich für Europa und damit jeden einzelnen von uns tut, dann verliefen Debatten wie die um den „Brexit“ vielleicht auch anders.

Vieles der Kritik an den europäischen Institutionen und deren Politik ist begründet, muss in einer Demokratie die Debatte aushalten und wird dazu führen, dass Fehler korrigiert und Neues lanciert wird. Doch ein richtiges Bild Europas setzt voraus, dass man mitgeteilt bekommt, was gut und richtig läuft – wie der Austausch zwischen Forschung und Politik.

Zum Glück stand bei der STOA-Veranstaltung noch ein Punkt auf dem Programm: die Kommunikation. Dass dieser Bereich als dringendes Handlungsfeld erkannt wurde, macht Hoffnung. Denn es wäre mehr als sinnvoll, wüssten die Gegner Europas, wogegen sie gerade ankämpfen. Nämlich das Europa, das es zu erhalten und zu entwickeln gilt.

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