Wird die CDU zur Nachfolgerin der Deutschnationalen Volkspartei?

17 Funktionäre der thüringischen CDU fordern die Aufnahme von Gesprächen mit der AfD – und wollen offenbar zum Steigbügelhalter zur Machtergreifung der AfD werden. Unglaublich.

Reichstagswahl 1930 - auf dem Bild sieht man nicht die NSDAP, sondern deren Steigbügelhalter von der DNVP. Foto: Bundesarchiv / Bild 183-2006-0329-504 / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

(KL) – Jetzt haben also 17 Funktionäre der thüringischen CDU gefordert, die Partei möge doch auch „ergebnisoffene“ Gespräche mit der AfD aufnehmen – denn schließlich könne man den Willen eines Viertels der Wählerinnen und Wähler nicht ignorieren. Angesichts der Tatsache, dass die AfD bei der Landtagswahl weniger Stimmen als die CDU geholt hat, bedeutet das nicht mehr und nicht weniger, als dass man sich vorstellen kann, eine Zusammenarbeit mit der AfD unter dem gerichtsnotorischen Faschisten Björn Höcke aufzunehmen. Und das ist dann der Zeitpunkt, zu dem sich ein historischer Rückblick darauf anbietet, wie eigentlich die NSDAP 1933 an die Macht gekommen ist. Denn auch die Nazis brauchten damals Steigbügelhalter – und ein solcher zu werden, ist offenbar jetzt das Ziel von Teilen der CDU in Thüringen.

Die Helfer der NSDAP saßen damals in der „Deutschnationalen Volkspartei“ (DNVP), einer nationalkonservativen Partei, die noch von der Monarchie träumte, antisemitisch eingestellt war und ebenso wie die AfD heute „völkische“ Theorien zum Besten gab. In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts unterstützte die DNVP den Kapp-Putsch und holte einige Erfolge bei Reichstags- und Landtagswahlen. Bereits 1929 kooperierte die DNVP mit der immer stärker werdenden, aber immer noch weit von der Macht entfernten NSDAP, beispielsweise beim Volksbegehren gegen den Young-Plan, als man versuchte, die Reparationszahlungen nach dem I. Weltkrieg in Frage zu stellen. Speziell der DNVP-Chef Alfred Hugenberg förderte die Zusammenarbeit mit den Nazis, im Glauben, er könne die NSDAP als Juniorpartner im Griff behalten – doch ab 1930 verschoben sich die Kräfteverhältnisse zugunsten der NSDAP. 1933 löste sich die DNVP dann selbst auf und ihre Abgeordneten wechselten zur NSDAP – die Machtergreifung der Nazis konnte also auch dank dieser Zusammenarbeit stattfinden.

Hätten im letzten Jahrhundert die Parteien von einer Zusammenarbeit mit den Nazis abgesehen, hätte die Geschichte anders verlaufen können. Die DNVP kooperierte mit der NSDAP in der Hoffnung, dadurch selbst an der Macht teilzuhaben. Und heute? Will die CDU tatsächlich eine Kooperation mit der AfD eingehen und damit zum Steigbügelhalter für den Durchmarsch der rechtsextremen AfD werden?

Wofür beschäftigen wir eigentlich seit 1945 Historiker, Politologen und Soziologen, um zu ergründen, wie es kommen konnte, dass ausgerechnet das Volk der Dichter und Denker wie dummes Vieh hinter einer Bande Verbrecher hinterherdackelte und dafür sorgte, dass Deutschland das schlimmste Verbrechen in der Geschichte der Menschheit verüben konnte? Der Mechanismus, mit dem die NSDAP und Hitler an die Macht kamen, ist analysiert – wir wissen, wie es dazu kommen konnte. Und das sollte doch eigentlich ausreichen, den gleichen Kardinalfehler nicht ein zweites Mal zu begehen.

Erstaunlich ist, dass es gerade mal zwei Wochen gedauert hat, bis aus einem resoluten „Nein“ der CDU zu einer Zusammenarbeit mit der AfD ein „vielleicht, warum eigentlich nicht“ wurde. Alleine das Gedankenspiel dieser 17 thüringischen CDU-Funktionäre ist ein Skandal, eine Aufweichung eines hehren Prinzips der Bundesrepublik Deutschland, nach dem demokratische Parteien nicht mit rechtsextremen Parteien kooperieren, vor allem wie in Thüringen, wo die AfD vom unsäglichen Faschisten Höcke geleitet wird, der seit Monaten allen politischen Gegnern, Journalisten und Antifaschisten übelste Verfolgung androht, wenn er dann endlich an die Macht kommt. Und diesen Faschisten wollen diese thüringischen CDU-Leute hoffähig machen?

Klar, Thüringen ist nicht die Bundesrepublik, sondern ein kleines Bundesland, in dem gerade mal 2 Millionen Wählerinnen und Wähler unterwegs sind. Doch auch die NSDAP und Hitler haben klein angefangen und konnten nur dank der politischen Fehleinschätzungen anderer politischer Parteien an die Macht kommen.

Dass es Teilen der thüringischen CDU offenbar lieber ist, mit Faschisten zu kooperieren als mit dem honorigen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Die Linke), der in seiner Amtszeit nachgewiesen hat, dass er durch und durch Demokrat ist, ist der Sündenfall schlechthin. Unter dem Hinweis, man könne doch nicht fast ein Viertel der Wählerstimmen ignorieren (die der AfD), wären also Teile der thüringischen CDU bereit, ein Drittel der Wählerstimmen (die der Die Linke) zu ignorieren.

30 Jahre nach dem Fall der Mauer stellt sich langsam die Frage, ob der „antifaschistische Schutzwall“ dazu diente, Faschisten von der DDR fernzuhalten oder die Faschisten in der DDR zu kasernieren. Wenn die CDU in Thüringen nicht schleunigst eine klare und unzweideutige Position zur AfD einnimmt, wäre es vielleicht besser für Deutschland, Europa und die Welt, die Mauer wieder aufzubauen.

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