95 % von nichts sind – nichts
Die „Verhandlungen“ zwischen Donald Trump und Wolodymyr Selenskyi haben genau das gebracht, womit man rechnen musste – nämlich nichts. Der Krieg geht weiter.
Ob es bei diesen beiden doch noch zu einer "Bromance" reicht? Foto: The White House / Wikimedia Commons / PD
(KL) – Donald Trump war richtig froh, dass er Wolodymyr Selenskyi in Mar-a-Lago in Florida empfangen konnte, denn endlich sprach die amerikanische Presse einmal von etwas anderem als den Epstein-Akten, die für Trump immer unangenehmer werden. Da kam der ukrainische Präsident gerade zur richtigen Zeit und folgerichtig war Trump auch ausnahmsweise nicht auf Krawall gebürstet, sondern nahm sich Zeit, zunächst für Putin am Telefon, dann für Selenskyi persönlich und dann wieder für die „Willigen“ am Telefon. Einem wie auch immer gearteten Frieden bringt die Ukraine nichts davon näher.
Es wird immer unverständlicher, was die USA, die Ukraine und die „Willigen“ da eigentlich verhandeln. Gewiss, man weiß, dass es um den „20-Punkte-Friedensplan“ geht, der auf der Grundlage des amerikano-russischen 28-Punkte-Plans geschrieben wurde. Doch weiß man ebenfalls, dass Russland diesen 20-Punkte-Plan längst abgelehnt hat, was bedeutet, dass die „Verhandlungen“ zwischen USA, Ukraine und den „Willigen“ ziemlich sinnlos sind. Auch, wenn Trump sich am Sonntag wieder einmal begeistert von seinem Telefonat mit Putin zeigte. Doch sollte das Ziel lauten, diesen Krieg zu beenden, dann nützen die vielen Treffen, Gespräche und „Verhandlungen“, die zur Zeit stattfinden, leider gar nichts.
„Der Friedensplan steht zu 95 %“, behauptete Selenskyi nach dem Treffen, während die USA und Russland bereits die Möglichkeiten der wirtschaftlichen Zusammenarbeit ausloten. Doch 95 % von nicht sind und bleiben leider – nichts. Die Intensivierung der russischen Angriffe auf Kiev und die ganze Ukraine zeigt deutlich, was Putin von diesen „Friedensplänen“ hält. Nach wie vor besteht Russland auf seine Maximalforderungen und so lange die Ukraine ihrerseits an ihren Maximalforderungen festhält, ist ein Ende des Kriegs nicht in Sicht.
Dabei sind sich Trump und Putin einig, dass es keinen Waffenstillstand, sondern wenn, dann gleich den umfassenden, dauerhaften und „gerechten“ Frieden geben soll. Nur – das wird nicht passieren, so lange die Ukraine keine Kompromisse mit ihrem Angreifer eingeht. Das könnte man als Lektion der letzten vier Jahre durchaus festhalten.
Donald Trump hat Selenskyi angeboten, seine Ideen zur Beendigung dieses Kriegs im ukrainischen Parlament zu präsentieren. Ob das dann die Ukrainer bewegt, tatsächlich Zugeständnisse zu machen, bleibt dahingestellt. Klar ist nur, dass der „20-Punkte-Friedensplan“ keine Chance auf Umsetzung hat, was Russland ja auch schon an verschiedenen Stellen klar gesagt hat. Leider hat Russland momentan keinerlei Grund, Zugeständnisse zu machen, denn das militärische Momentum liegt eindeutig auf Seiten der Angreifer. Und da weltweit das „Recht des Stärkeren“ gilt, nicht nur bei den Russen, wird sich das militärisch unterlegene Land irgendwann darüber klar werden müssen, dass wenn es Frieden will, es dann leider nicht die Bedingungen für den Frieden diktieren kann, sondern die Bedingungen des militärischen Siegers akzeptieren muss. Das ist die Logik des Kriegs, die uns im Westen nur dann stört, wenn andere sie anwenden.
Nun soll Anfang Januar das nächste Treffen stattfinden, dieses Mal mit den USA und den „Willigen“ und vermutlich wird man dann diesen längst abgelehnten „Friedensplan“ zu 100 % fertigstellen, bevor er dann endgültig abgehakt wird.
So richtig eilig hat es offenbar niemand, diesen Krieg zu beenden. Diejenigen, die darüber zu entscheiden haben, sind auch nicht diejenigen, die persönlich mit den Konsequenzen dieses Kriegs umgehen müssen. Und so werden die vielen Treffen, Gespräche und Verhandlungen eben weitergehen, genau wie der Krieg, der die Menschen in der Ukraine ganz anders belastet als diejenigen, die dafür sorgen, dass dieser Krieg ja nicht zu schnell endet. Zumindest so lange nicht, wie man richtig viel Geld mit diesem Krieg verdienen kann.
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