Alles für ein spektakuläres Handy-Video

Vier Kinder wären bei Perpignan fast im Mittelmeer ertrunken. Ein einziger Mann sprang ins Wasser und rettete die vier. Während am Strand die Urlauber fleißig mit dem Handy filmten.

Wenn das Meer wild wird, kann es besonders für Kinder schnell gefährlich werden. Foto: Dani Tic / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 2.0

(KL) – In was für Zeiten leben wir eigentlich? In Barcarès (Departement Pyrénées-Orientales), etwas nördlich von Perpignan gelegen, waren vier kleine Kinder im Wasser in Not geraten, als sich die Wellen plötzlich auftürmten und die Kinder daran hinderten, wieder an Land zu kommen. Als der Vater am Strand rief, dass seine Kinder ertrinken würden, dachte Jérémy (42 Jahre) nicht lange nach und sprang ins Wasser. Seine Rufe, dass ihm andere Erwachsene helfen sollten, blieb ungehört, nicht einmal der Vater beteiligte sich an der Rettungsaktion.

Jérémy machte alles richtig – er schwamm auf das kleinste der Kinder zu, einen Fünfjährigen und hielt diesen über Wasser, während sich die anderen drei Kinder an ihn klammerten. Unter maximalen Schwierigkeiten schafften die fünf es zurück an den Strand und die Kinder waren gerettet.

Ich war schockiert“, sagte Jérémy, „denn als wir es an den Strand geschafft hatten, standen dort viele Leute und filmten die Situation mit ihren Handys. Dabei hätten wir dringend Hilfe gebraucht, die Kinder wieder an Land zu bringen.“

In was für Zeiten leben wir, wenn die Menschen, statt bei der Rettung von vier Kindern zu helfen, lieber am Strand stehen und mit ihren Handys filmen, um ihre „Freunde“ in den sozialen Netzwerken mit einer spannenden Story zu beglücken? Wieso half niemand dem Retter Jérémy? Wären all diese filmenden Menschen wegen unterlassener Hilfeleistung verhaftet worden, wären eines oder mehrere dieser Kinder tatsächlich im Meer ertrunken? Haben wir die Menschlichkeit wirklich zu den Akten gelegt?

Der Vorgang ist tatsächlich schockierend und wirft Fragen zu der „schönen neuen Welt“ auf, die Aldous Huxleys finstere Visionen schon weit übertroffen hat.

Der Zwischenfall in Barcarès sollte zumindest den Effekt haben, dass die Menschen einmal darüber nachdenken, wie sich unsere Gesellschaft entwickelt hat. Gleichgültigkeit, Brutalität, Gewalt sind die neuen Schlüsselbegriffe in einer Welt, in der es jedem nur noch um sich selbst geht. Erschreckend.

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