Als der Schwarzwaldhof geräumt wurde

Am 5. Marz 1981, also vor exakt 44 Jahren, wurde in Freiburg der Schwarzwaldhof geräumt, ein besetztes alternatives Kulturzentrum. Die Folgen davon spürt man heute noch in Freiburg.

Zwei Wochen im März 1981 veränderten Freiburg nachhaltig. Foto: Sozialarchiv / Ausschnitt Badische Zeitung

(KL) – Die Ereignisse liegen schon zwei oder sogar drei Generationen zurück. Im Morgengrauen des 5. März 1981 rückten rund 4000 Polizisten des Sondereinsatzkommandos Göppingen (SEK) in die Stadt Freiburg ein, um das besetzte alternative Kulturzentrum „Schwarzwaldhof“ zu räumen. Anlass war eine andere Räumung eines besetzten Hauses am Vortag, gefolgt von einer „Scherbennacht“, während der als Protest gegen diese Räumung zahlreiche Schaufenster in der Freiburger Innenstadt eingeschlagen worden waren. Doch die Räumung des Schwarzwaldhofs beruhigte nicht etwa die Lage in der Stadt, sondern löste zwei Wochen großer Unruhen in Freiburg aus, deren Auswirkungen bis heute andauern.

Die Reaktion der Freiburger auf die Räumung des Schwarzwaldhofs überraschte die Landesregierung unter Lothar Späth, denn zwei Wochen lang fanden täglich zwei Demonstrationen in der Freiburger Innenstadt statt, bei denen bis zu 20.000 Menschen gegen diese Räumung, die Brutalität der Einsatzkräfte und den Belagerungszustand der Innenstadt protestierten.

Nach diesen zwei Wochen war Freiburg nicht mehr die gleiche Stadt und entwickelte sich ganz anders als unter den vorherigen Bürgermeistern. Freiburg schlug einen links-alternativen Weg ein, der dazu führte, dass die Stadt die erste deutsche Großstadt mit einem grünen Bürgermeister wurde, die ökologisch, alternativ und kulturlastig ausgerichtet wurde. Dass heute Freiburg weltweit als „the green city“ betrachtet wird, dass Besucher aus aller Welt kommen, um von Quartieren wie Vauban zu lernen, lässt sich in letzter Konsequenz auf diesen 5. März 1981 zurückführen.

Dass Südbadener aufmüpfig sind, ist eine Tradition. Die Obrigkeit hatte in Südbaden immer nur so lange einen guten Stand, so lange vernünftige Politik gemacht wurde. Gegen Ungerechtigkeiten lehnte man sich in Südbaden immer schon auf, ob es nun die Salpeterer im Hotzenwald waren, ein Friedrich Hecker, der die Bauernaufstände anführte, die Proteste gegen das geplante AKW Wyhl – Proteste haben in Südbaden Tradition.

1981 war das nicht anders und statt die damals sehr aktive und hoch politisierte Hausbesetzer-Szene zu zerschlagen, sammelte die massive Polizei-Reaktion die Freiburger Bevölkerung hinter den Demonstrierenden – was genau das Gegenteil der in Stuttgart erhofften Reaktion war.

Ermutigend an diesem Beispiel ist, dass die Bevölkerung durch hohe Solidarität und Entschlossenheit durchaus in der Lage ist, gegen Fehler der Politik vorzugehen und grundlegende Veränderungen auszulösen.

Die links-alternative Szene erhielt in der Folge Ausweichangebote, wie das „Marienbad“ oder auch das „AZ Glacisweg“, alternative Projekte wie die Gretherfabrik oder der Buchladen „Jos Fritz“ florierten und Freiburg entwickelte diesen links-alternativen Ansatz als eine Art „Markenzeichen“. Die Kultur blühte auf, der gesellschaftliche Dialog in Freiburg intensivierte sich und das, was Freiburg heute ist und darstellt, wäre ohne diesen 5. März 1981 und die folgenden Wochen kaum möglich gewesen.

So lohnt es sich, sich an diesem Datum an die Ereignisse dieser Zeit zu erinnern, denn was Freiburg heute liebens- und lebenswert macht, ist eng mit diesen Ereignissen verbunden. Angesicht der Entwicklungen, die heute auf uns zukommen, ist es gut sich daran zu erinnern, dass nichts in Marmor gemeißelt ist und dass man Dinge ändern kann, wenn sich die Menschen solidarisieren. Daher heben wir, wie jedes Jahr, unser Glas auf diese Erinnerung, die heute noch recht lebendig ist!

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