Atom-Uschi will ein nukleares Europa

Die Präsidentin der Europäischen Kommission hat ihr Herz für die Atomkraft entdeckt. Und sie sucht jetzt nach Wegen, auf denen sich die EU nuklear ausrichten kann.

Ursula von der Leyen würde gerne weitere „Milliarden-Gräber“ wie hier in Flamanville schaffen... Foto: JKremona / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Angesichts des Kriegs im Mittleren Osten stellt sich plötzlich die Frage nach der energietechnischen Versorgungssicherheit Europas. Und schon werden wieder Stimmen laut, die Europa wieder auf Atomkraft orientieren wollen. Die seit Jahren von der Atom-Lobby verbreitete Nachricht, dass Atomkraft umweltfreundlich und erschwinglich sei, wird dabei kritiklos von der Europäischen Kommission übernommen, obwohl man es besser weiß. Immerhin, auch wenn Bundeskanzler Friedrich Merz den Vorstoß von „Atom-Uschi“ richtig findet, so hat er doch verstanden, dass der Ausstieg aus der Atomkraft zumindest in Deutschland „irreversibel“ ist. Und da hat er ausnahmsweise Recht.

Vielleicht sollte man sich einmal daran erinnern, warum 2015 die schwarz-rote Koalition unter Angela Merkel den deutschen Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen und in der Folge umgesetzt hatte. Nach den atomaren Unfällen in Tchernobyl und dann in Fukushima wurde deutlich, dass Atomenergie nicht nur von der menschlichen Beherrschung dieser Technologie abhängt, sondern auch von Naturereignissen – und die beherrscht der Mensch eben nicht. Und das Märchen von der „erschwinglichen“ Energie kann nur deshalb aufrecht erhalten werden, weil man in allen Berechnungen die Endlagerung der strahlenden Abfälle einfach ausklammert. Doch diese Endlagerung wird am Ende die Atomkraft zur teuersten Energiequelle in der Geschichte machen – denn es gibt weder Standorte, noch Technologien, um strahlende Abfälle für eine Dauer von bis zu 25.000 Jahren sicher zu lagern.

Angesichts des Erfolgs des deutschen Atomausstiegs erscheint die plötzliche Stellungnahme von Ursula von der Leyen höchst seltsam. So betrug 2025 der Anteil der erneuerbaren Energien im deutschen Strommix bereits 58,6 %, Tendenz steigend. Dazu beschleunigen die deutschen Regierungen auch den Ausstieg aus der besonders umweltschädlichen Kohle und es gibt keinen Grund, den deutschen Atomausstieg in Frage zu stellen.

Nachdem es Von der Leyen bereits geschafft hatte, trotz zahlreicher Proteste die Atomkraft als „förderwürdig“ in den „Green Deal“ zu integrieren, geht es jetzt um viel Geld für die Atom-Industrie. Wie passend, dass VdL ihren nuklearen Vorstoß ausgerechnet zum 15. Jahrestag der Katastrophe von Fukushima machte – aber Fingerspitzengefühl ist ohnehin nicht so das Ding der Kommissions-Präsidentin. Trotz des Flopps des EPR Flamanville in der Normandie, der so etwas wie das „Stuttgart 21“ Frankreichs ist, hält man an der Nuklear-Strategie fest und in Frankreich wird man große Augen machen, wenn eines Tages die 56 Atomreaktoren zurückgebaut werden und die Abfälle zukunftssicher gelagert werden müssen. Zu diesem Zeitpunkt werden auch die Franzosen merken, dass Atomkraft nicht etwa die billigste Energiequelle ist, sondern die mit Abstand teuerste. Mit Kosten, die heute niemand überschauen kann, die aber pharaonisch sein werden.

Warum Ursula von der Leyen jetzt mit ihren Atomplänen antritt, das weiß wohl nur sie selbst. Doch wenn man ihr Finanzgebaren in den letzten Jahren anschaut, dann versteht man, dass man dieser Frau nicht trauen kann. Kein Wunder, dass sie bereits vier Mißtrauens-Voten im Europäischen Parlament überstehen musste (jedes Mal rettete sie ihr EVP-Fraktion) – die Frau ist die Inkarnation korrupter Institutionen und gleichzeitig einer deutschen Kontrolle dieser Institutionen, die absolut unabgebracht und nicht sehr europäisch ist.

Klar ist, dass Von der Leyen wieder europäische Milliarden in die Atom-Industrie pumpen will, deren Lobby in den nationalen und internationalen Institutionen sehr präsent und einflußreich ist.

Das Beste, was den europäischen Institutionen passieren könnte, wäre die Abwahl Von der Leyens beim nächsten Mißtrauensvotum, das so sicher wie das Amen in der Kirche kommen wird.

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