Ballett in der Rheinoper – Es ist was faul im Staate…

...Dänemark. Hamlet, der Prinz aus dem Norden, wird um sein Königreich auf der Ballettbühne in der Rheinoper in Mülhausen und Straßburg tanzen.

Alle wollen sich der Last der Krone aussetzen, so sehr, dass so mancher nicht einmal mehr sagen kann, ob es ein Sein auch ohne gibt. Foto: Grafik von Sébastien Plassard, OnR

(Michael Magercord) – Ausgerechnet Dänemark. Ausgerechnet jetzt. Aber seit dem Staate Dänemark die Fäulnis attestiert wurde, sind schon etliche Jahre vergangen: Vierhundert seit der Satz für die Bühne in London geschrieben wurde, tausend, seit die Bühnenfigur ihn ausgesprochen hat.

Hamlet, der Prinz, dem sein toter Vater aus den Untiefen des Fegefeuers den Floh ins Ohr gesetzt hat, er müsse unbedingt Rache üben an seinem Onkel, der nun König ist, und ihn vom Thron verdrängen, habe der doch einen Giftmord am Bruder begangen, indem er ihm Schlagengift ins Ohr geträufelt habe. Den jungen, doch wohl eigentlich rechtmäßigen Erbprinzen stürzt die Auseinandersetzung mit dem amtierenden König, der auch noch seine Mutter, die Witwe des Untoten, geheiratet hat, in eine tiefe Krise, über die er gar seine Geliebte Ophelia verliert, dass er schließlich im Wahn einem Totenschädel die Sinnfrage nach dem Sein oder Nichtsein stellt – und immer noch auf Antwort warten muss, wird dieses Meisterwerk von William Shakespeare, in dem der Kampf um rächende Gerechtigkeit doch so viele unschuldige Opfer fordern wird, wohl noch bis ans Ende aller Tage auf den Theaterbühnen der Welt gespielt werden.

So nun auch in Rheinoper. Dieses Mal allerdings in Form eines Balletts, in dem uns das Sein oder Nichtsein wortlos vor Augen geführt wird. In einer Choreografie des New Yorker Puerto Ricaners Bryan Arias, dessen Stil des zeitgenössischen Tanzes sich durchaus an klassischen Vorbildern orientiert. Sicher nicht die schlechte Art, sich einem Klassiker der Theaterbühne zu nähern, zumal der wichtigste Teil des Stückes ein Theaterstück in sich ist, wenn Hamlet den Mord an seinem Vater am dänischen Hofe im Beisein des Mörders nachspielen lässt. Verrät sich der böse Onkel durch auffällige Gewissensregungen, wenn er sich selbst im Mörder auf der Bühne wiedererkennen muss?

Es ist nicht das erste Ballett über Hamlet, schon1788 schuf Francesco Clerico in Venedig eine getanzte Version, Paris folgte 1816, und 1934 brachte die Ballettikone Bronislawa Nijinska nach der Musik von Franz Liszt Hamlet zum Tanzen, und zuletzt war’s John Neumeier in New York 1976, der dies vollbrachte. Im Mittelpunkt der neuen Choreografie in Mülhausen und Straßburg werden nun aber nicht Hamlet und seine inneren und äußeren Kämpfe stehen, sondern jene der unglücklichen Ophelia. Ihre Empfindungen sollen sich auf der Bühne widerspiegeln in dem eleganten elisabethanischen Universum eines zeitgenössischen Minimalismus. Der Dirigent des Mülhausener Symphonieorchesters Tanguy de Williencourt besorgt das entsprechende musikalische Programm mit Ausschnitten von Werken von Sibelius, Tschaikowsky und Dimitri Schostakowitsch, des Großmeisters der wortlosen Sinnfragen.

Hamlet – Ballett (Uraufführung)

Choreografie von Bryan Arias
Musik von Sibelius, Tschaikowsky, Schostakowitsch

La Filature, Mülhausen

FR 30. Januar, 20 Uhr
SO 1. Februar, 15 Uhr

Opéra Straßburg

SO 8. Februar, 15 Uhr
DI 10. Februar, 20 Uhr
MI 11. Februar, 20 Uhr
DO 12. Februar, 20 Uhr
FR 13. Februar, 20 Uhr

Ballett der Rheinoper CCN
Symphonieorchester Mülhausen OSM

Tickets und Information gibt es unter diesem Link!

Weitere Ballett-Veranstaltung der Rheinoper:

All Over Nymphéas

Im November gab es die Premiere in Colmar, nun am 6. und 7. März wird das Ballett von Emmanuel Eggermont in Mülhausen zu sehen sein. Die Hommage an Pina Bausch kommt im Mai schließlich auch nach Straßburg.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*



Copyright © Eurojournaliste