Bewährter Saisonabschluss – Ballett in der Rheinoper

Die Saison geht zu Ende, in der Hitze der Tage noch einmal das Feuer auf der Bühne - „Russisches Ballett“ zum Ende der Spielzeit in der Oper von Straßburg.

HUNT, frei nach der Frühlingsweihe von Igor Strawinsky, bläst zur Jagd nach der Poesie zum Abschluss dieser Saison. Die Tänzerin Lara Wolter bringt uns in der Rheinoper zum Sommeranfang in die entsprechende Stimmung. Foto: OnR Agathe Poupeney

(Michael Magercord) – Zum Ende der Spielzeit lädt die elssäsische Rheinoper noch einmal zum Tanz. Drei auf ihre Weise schon legendäre Choreografien aus der russischen Ballettschule entlassen uns in die Hitze des Sommers.

Bewährtes ist ja meist gar nicht so hausbacken, wie man meinen mag. Zumal, wenn die Werke zur Zeit ihrer Entstehung ihr zeitgenössisches Publikum noch zutiefst zu verstören vermochten. Und genau das taten die drei Choreografien, deren Neubearbeitungen des Balletts der Rheinoper an einem „russischen“ Abend ab nächstem Donnerstag auf der großen Bühne in Straßburg präsentiert werden.

Den Anfang macht der „Nachmittag eines Pfauen“. Kein Geringerer als der musikalische Neuerer Claude Debussy hatte das 10-minütige Stück bereits 1894 komponiert, dann formte es wiederum kein Geringerer als Vaslav Nijinsky 1912 zu einem geradezu revolutionären Ballett. Dominique Brun erstellte 2007 eine Neufassung, die sich aber an der bewährten und so gar nicht hausbackenen Uraufführung orientiert und nun noch einmal zu sehen sein wird.

Der Bolero von Maurice Ravel mag so manchen schon aus den Ohren kommen, als Tanzmusik jedoch hat sich der Dauerbrenner aus dem Jahr 1928 schon so manches Mal bewährt. 2020 hat nun einmal mehr Dominique Brun zusammen mit François Chaignaud eine Solofassung choreografiert, die uns den spanisch angehauchten Rhythmus tänzerisch darbieten werden. Und für alle, in deren Ohren sich bereits der Wurm eingenistet hat, sei zur Entwarnung gesagt, dass dieser Boléro in einer reinen Klavierfassung dargeboten wird.

Den Abschluss der Saison bildet schließlich das skandalträchtigste Werk, wobei wir es wiederum mit einer Neufassung zutun bekommen, die sich aber am Bewährten ausrichtet. Hinter dem Titel HUNT aus dem Jahr 2002 verbirgt sich „Le Sacre du printemps“ von Igor Strawinsky. Der hatte die herausfordernde Musik 1913 eigens für eine Ballettaufführung komponiert, die aber seinerzeit vom Pariser Publikum derart abgelehnt wurde, dass man während der Vorstellung das Licht abdrehen musste, um die aufgebrachte Menge zu beruhigen. Die Presse sprach von „Dummheit, die ihren Tiefpunkt erreicht hat“. Immerhin wurde Strawinsky damit weltberühmt und er sagt voraus, dass die Musikwelt schon bald vestehen werde, was für ein „Überraschungscoup“ ihm da gelungen sei… Und tatsächlich, als wenig später seine Musik ohne die ebenso herausfordernde Choreografie gespielt wurde, fand sie allenthalben Zustimmung, sodass wir heute von einem nur allzu bewährten Ballettwerk sprechen dürfen. In Straßburg besorgt Tero Saarinen die Vorlage für das Solostück.

Damit geht dann der Kunstbetrieb auf der großen Bühne in die Sommerpause, nur um im September die neue Spielzeit wiederum mit einem Ballett als Beitrag zum bewährten Festival der allerneusten Musik MUSICA beginnen zu lassen – doch dazu dann im Herbst wieder mehr an dieser bewährten Stelle in bewährter Manier.

Russisches Ballett – Ballet der OnR

Drei Tanzstücke aus der russischen Schule:

L’Apres-midi d’une faune – Duo von Dominique Bru
Un Boréro – Solo von Dominique Brun und Fran
çois Chaignau
HUNT – Solo von Tero Saarinen

Opera Straßburg

DO 25. Juni, 20 Uhr
FR 26. Juni, 20 Uhr
SA 27. Juni, 20Uhr

Infos und Tickets gibt’s HIER!

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