„Bitte nutzen Sie unseren Service nicht“
Die ohnehin schon arg gebeutelte Deutsche Bahn knickt unter der Hitzewelle ein und fordert Reisende auf, Bahnfahrten wenn möglich nicht anzutreten. Heftig.
„Genießen Sie ihren Urlaub in vollen Zügen“, lautete ein Werbeslogan der Deutschen Bahn. Naja... Foto: Jiří Janíček / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int
(KL) – Die letzten Tage waren für die Deutsche Bahn ebenso belastend wie für die Bahnreisenden, die das „Abenteuer Bahnfahren“ nicht so richtig genießen konnten. Erst war da der Totalausfall des gesamten Bahnnetzes aufgrund einer geplanten (!) Software-Umstellung, dann blieben Züge aufgrund der Hitze liegen (was für die Bahnreisenden eine echte Tortur war), dann brannten wieder Bahnböschungen und legten punktuell den Verkehr lahm und in den kommenden Tagen soll es noch schlimmer werden. Da ist es vernünftig, dass die Deutsche Bahn ihren Kunden rät, ihren Service nicht zu nutzen, doch für das Image des Verkehrsmittel Bahn ist das natürlich Gift.
Den ersten Schritt machte allerdings nicht die Deutsche Bahn, sondern ein regionaler Zugbetreiber, National Express, der im NRW mehrere Strecken bedient. Aufgrund der Hitze und der damit verbundenen Schwierigkeiten besonders im Bereich der Weichen, stellte das Unternehmen fünf Verbindungen für die Zeit der größten Hitze zwischen 13 und 19 Uhr ein. So weit will die Deutsche Bahn allerdings nicht gehen, doch muss man mit weiteren Zwischenfällen sowohl im Regional-, als auch im Fernverkehr rechnen.
Denn zusätzlich zu den Rekordtemperaturen sind nun ebenso extreme Gewitter mit enormen Niederschlagsmengen angesagt, die ebenfalls das Potential haben, Strecken lahmzulegen. Rekordhitze, Extrem-Unwetter und eine offenbar nicht richtig funktionierende Software-Steuerung der Sicherheits-Systeme, anfällige Weichen – der Deutschen Bahn und ihren Kunden bleibt aber auch nichts erspart.
Dass die Deutsche Bahn denjenigen Kunden, die ihre Tickets vor dem 23. Juni gekauft haben und nun aufgrund der Empfehlung ihre Fahrt stonieren, diese Stornierung kostenlos anbietet, grenzt schon an eine Unverschämtheit, denn hier wäre eine Entschädigung angebracht. Und was ist mit den Bahnreisenden, die ihre Fahrkarten nach dem 23. Juni erstanden haben? Müssen die jetzt etwa eine kostenpflichtige Stornierung vornehmen, weil die Deutsche Bahn nicht in der Lage ist, den abgeschlossenen Beförderungsvertrag sicher zu erfüllen?
Die Deutsche Bahn muss, das ist bekannt, dringend an ihren Infrastrukturen arbeiten. Doch dafür ist das Geld knapp, das anderswo, wie bei Stuttgart 21 mit vollen Händen aus dem Fenster gejubelt wird. Und auch im Bereich des Kundenservice hat die Deutsche Bahn noch viel Nachholbedarf… Aber auf jeden Fall ist es besser, von Bahnfahrten abzuraten, wenn es zur Lotterie wird, ob man dort ankommt, wo man hinwill.
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