Böllerei in der Sylvesternacht?

Morgen Abend wird es vermutlich wieder laut werden. Böller und Feuerwerk sollen das alte Jahr vertreiben und das neue Jahr begrüßen. Ist das wirklich sinnvoll?

Feuerwerk wie hier in Berlin darf nur von qualifizierten Pyrotechnikern abgebrannt werden... Foto: geo pixel / Wikimedia Commons / CC-BY 3.0

(KL) – Nun drängeln sich die Menschen wieder in den Supermärkten, um noch ein paar Feuerwerks-Raketen und Böller zu erstehen, um mit viel Lärm ins neue Jahr zu wechseln. Aber ist das wirklich angebracht? Nach diesem Jahr 2024? Und vor dem nächsten Jahr, das absehbar kein bißchen besser werden wird?

Wir alle kennen die Atmosphäre in der Sylvesternacht und angesichts der Tatsache, dass nur zwei Flugstunden entfernt ein brutaler Krieg tobt, wo ähnliche Geräusche erzeugt werden, die allerdings nicht zu Jubel Anlass geben, sondern über Leben oder Tod entscheiden, ist diese nächtliche Kriegs-Geräuschkulisse ziemlich unangebracht.

Das Geld, das in der Sylvesternacht in die Luft geblasen wird, wäre anderswo sinnvoller eingesetzt, aber das ist eine jährlich wiederkehrende Diskussion, die letztlich ebenso wenig bringt wie die Frage des Tierschutzes. Denn jede Sylvesternacht ist ein Albtraum für Haustiere, die natürlich nicht verstehen, was da passiert und von der Geräuschkulisse traumatisiert werden. Doch das wird keinen eingefleischten Böllerer davon abhalten, seine Böller zu zünden.

Daher noch einmal zum Mitschreiben und Merken, die gesetzlichen Vorschriften zum Böllern und Feuerwerken. Laut der „Ersten Verordnung zum Sprengstoffgesetz“ ist das Abbrennen von Pyrotechnik das ganze Jahr über, also auch an Sylvester, an folgenden Orten verboten: In unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern. Außerdem darf sogenanntes „Kleinfeuerwerk“, also Böller, Batterien und Raketen der Kategorie 2 zu Sylvester nur von Personen ab 18 Jahren abgebrannt werden. Hintergrund sind die vielen Verletzungen der letzten Jahre besonders bei Kindern, die bei der Handhabung von Pyrotechnik Fehler gemacht haben und diese dann teuer bezahlen.

Aber das ist nicht alles. In vielen Städten wie Berlin, Hamburg, Bremen, München, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Hannover, Erfurt und anderen gibt es „Verbotszonen“, in denen jede Art des Böllerns verboten ist, sowohl zum Schutz größerer Menschenansammlungen, als auch zum Schutz historischer Altstädte, in denen oft schon ein Funke reicht, um gefährliche Feuer auszulösen. Dort, wo absolutes Böllerverbot gilt, ist es entsprechend ausgeschildert.

So weit die Theorie. In der Praxis wird sich wieder einmal niemand in der Sylvesternacht um irgendwelche Verbote kümmern, viele Jugendliche haben sich bereits mit heftigen Böllern eingedeckt und werden diese auch benutzen. Und so wird es vermutlich in der Sylvesternacht so sein wie in allen Sylvesternächten – laut und vernebelt. Das alles, um am 1. Januar 2025 festzustellen, dass sich das neue Jahr anfühlt wie das letzte – mit vielen Sorgen und einer unsicheren Weltenlage, die uns im neuen Jahr sehr intensiv beschäftigen wird.

Für unsere französischen Leserinnen und Leser, die vielleicht vorhaben, sich auf der deutschen Seite mit Böllern und Raketen enzudecken – vergessen Sie’s. Die französische Polizei führt intensive Kontrollen durch, denn das Importieren von Feuerwerkskörpern ist schlicht und ergreifend verboten. Aber trotzdem wünschen wir Ihnen natürlich einen guten Rutsch ins neue Jahr…

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