„Breturn“ – kommen die Briten zurück in die EU?

Eine Mehrheit der Briten ist heute der Überzeugung, dass der „Brexit“ ein Fehler war. Die versprochenen goldenen Tage sind nicht gekommen und die Probleme häufen sich.

Brexit? Breturn? Der Brexit ist ein Flopp, aber zurück in die EU? Fragen über Fragen... Foto: TheDigitalArtist / Wikimedia Commons / CC0 1.0

(KL) – Die Umfragen in Großbritannien neun Jahre nach dem Brexit zeigen, dass die Stimmung gerade kippt. Kein Wunder, spüren doch die Briten am eigenen Leib und im eigenen Portemonnaie, dass der Brexit ein Schlag ins Wasser war, befeuert von neonationalistischen Politikern, die laut von einem erneuten britischen Weltreich träumten. Doch auch, wenn der Traum heute einer eher ernüchternden Realität Platz macht, denken immer noch rund zwei Drittel der damaligen „Leave“-Wähler, dass ihre Wahl richtig war. Nichtsdestotrotz wird sich die britische Politik eines Tages den Realitäten stellen und dem Umstand Rechnung tragen müssen, dass sich eine Mehrheit der Briten (aktuell 55 %) eine Rückkehr nach Europa wünscht.

Bislang hat der Brexit den Briten nur Probleme bereitet. Denn es hat sich eigentlich kaum etwas zum Besseren verändert. Nach wie vor ist auch Großbritannien durch die weiterhin bestehende Anbindung an den EU-Binnenmarkt von allen EU-Entscheidungen betroffen, nur hat London keinerlei Mitspracherecht mehr. Dazu steht Großbritannien in der aktuellen Weltlage ein wenig alleine im Wind und muss sich für jedes Thema die Partner in Europa suchen.

Wirtschaftlich gesehen war der Brexit ebenfalls ein Flopp. Das erklärt auch, dass im Umfrage-Dschungel nur noch 13 % der Briten den Brexit für einen „Erfolg“ halten – die große Mehrheit der Briten sieht das schon realistischer. Über kurz oder lang wird die britische Politik nicht um ein weiteres Referendum herumkommen, das entweder in 5, 10 oder 25 Jahren stattfinden wird und bei dem es um die Rückkehr Großbritanniens in die EU gehen wird. Allerdings sicherlich nicht mehr zu den einst von Margaret Thatcher ausgehandelten Konditionen, einen „britischen Sonderweg“ in der EU wird es nicht mehr geben.

Praktisch alle Versprechen der Brexit-Befürworter im Jahr 2016 wurden nicht gehalten. Weder sanken die Lebenshaltungskosten, noch wurde das Gesundheitssystem mit Geldern überhäuft, dazu fehlen immer mehr Fachkräfte. Die Lage der Haushalte ist bei immer weiter steigenden Lebenshaltungskosten noch angespannter als zuvor und so wundert es nicht, dass inzwischen rund 61 % der Briten den „Brexit“ für einen Fehler halten.

Der äußerst unbeliebte Regierungschef Keir Starmer will das Thema aber auf keinen Fall wieder angehen, wobei unklar ist, warum er sich gegen eine neue Diskussion zum Brexit oder Breturn sperrt. Will er am Ende eine Art „Unfehlbarkeits-Dogma“ für Politiker aufrecht erhalten? Kein Wunder, dass der Mann in den Umfragen abgeschlagen hinterher läuft.

Doch Großbritannien wäre nicht Großbritannien, würde dort alles logisch ablaufen. Obwohl eine Mehrheit der Briten heute den Brexit als Fehler betrachtet, liegt in den Umfragen die Brexit-Partei „Reform UK“ des Brexit-Antreibers Nigel Farage weit vorne. Allerdings finden die nächsten regulären Unterhauswahlen erst 2029 statt und bis dahin wird noch viel passieren. Das ist vermutlich auch der Grund, warum Keir Starmer das Thema nicht wieder anfassen will, um dem Risiko von Neuwahlen aus dem Weg zu gehen, denn die aktuellen Zustimmungswerte für seine Konservative Partei liegen nur noch bei 17 % und damit lassen sich keine Wahlen gewinnen.

Wie schon vor dem eigentlichen Brexit sollte man in Brüssel und Straßburg über eine Charme-Offensive in Großbritannien nachdenken. Zu keinem Zeitpunkt hat die EU der britischen Bevölkerung gezeigt, dass man sie weiterhin zur europäischen Familie zählen möchte und dieses fehlende Engagement Europas für die Menschen in Großbritannien hatte 2016 sicherlich auch zu dem knappen 52-48%-Ergebnis des Brexit-Referendums geführt.

Breturn“ entwickelt sich gerade zu einer politischen und zivilgesellschaftlichen Bewegung und diese gilt es von Europa aus zu unterstützen. Dass der Brexit ein Fehler war, hat die Mehrheit der Briten verstanden. Doch Fehler können behoben werden und genau das sollte man jetzt angehen. Großbritannien befindet sich nicht außerhalb Europas und deswegen würde es Sinn machen, würden sich die Briten wieder ins europäische Haus begeben!

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