Catherine Trautmann kandidiert in Straßburg

Die Sozialistin Catherine Trautmann, frühere Ministerin, Europaabgeordnete und Bürgermeisterin der Europahauptstadt wirft ihren Hut in den Ring. Und hat gute Chancen, erneut OB zu werden.

Mit all ihrer Erfahrung könnte Catherine Trautmann die "Kandidatin der Stunde" sein. Foto: Eurojournalist(e) / CC-BY 2.0

(KL) – Für die einen ist es „Zurück in die Zukunft“, für die anderen eine echte Hoffnung, dass die Stadt Straßburg den Weg zurück in ruhigere Fahrwasser findet. Für die anderen Kandidaten, Amtsinhaberin Jeanne Barseghian und Jean-Philippe Vetter ist die Kandidatur von Catherine Trautmann keine gute Nachricht, denn viele Straßburger erinnern sich an die Jahre, in denen Straßburg von Catherine Trautmann sehr gut gemanagt wurde. Und das könnte im März 2026 den Ausschlag geben.

Wenn man einmal nicht die Kandidaten und Kandidatinnen berücksichtigt, die wie bei jeder Wahl wieder aus der Versenkung auftauchen und Goldene Zeitalter versprechen, um dann 2 oder 3 oder 4 % der Stimmen zu holen, läuft jetzt bereits alles auf den Dreikampf Barseghian – Vetter – Trautmann hinaus, und das wäre die gleiche Konfiguration wie bei der letzten Wahl. Während die Grüne Barseghian auf die Stimmen der Kommunisten hofft, während der Konservative Vetter auf die Stimmen von Pierre Jakubowicz und Nicolas Matt hofft, wird Catherine Trautmann ihre Stimmen mehr oder weniger alleine holen müssen, könnte aber zahlreiche Stimmen bei all denen holen, die mit der aktuellen Stadtregierung mehr als unzufrieden sind und eigentlich gar nicht mehr wählen wollen.

So wird Jeanne Barseghian keine Stimmen mehr in der jüdischen Gemeinschaft holen, nachdem sie eindeutig gegen die jüdische Bevölkerung Straßburgs Stellung bezogen hat und sich Teile ihres Teams in ständiger Hetze gegen Israel befinden. Den Gaza-Konflikt nach Straßburg zu importieren, könnte ein Fehler gewesen sein, der Barseghian am Ende den OB-Sessel kostet.

Jean-Philippe Vetter ist in der Europahauptstadt durchaus beliebt, könnte in der Stichwahl auch weitere Stimmen der rechten Wählerschaft erhalten, doch dürften im politischen Chaos Frankreichs nicht allzu viele Wähler Lust auf ein „politisches Abenteuer“ verspüren.

Genau hier liegt die Chance von Catherine Trautmann, deren Erfahrung im Management der Stadt und den internationalen Beziehungen ein Trumpf ist. Das Argument ihrer Gegner, dass sie mit 72 Jahren zu alt für diesen Posten sei, ist unsinnig. Wer in letzter Zeit Kontakt mit Trautmann hatte, der hat erstaunt festgestellt, dass die Kandidatin fünf bis zehn Jahre jünger wirkt, eine hohe Dynamik versprüht und ganz offensichtlich in Form ist, um Straßburg wieder auf einen souveräneren Weg zu bringen.

Die Entscheidung wird im März 2026 in der Stichwahl fallen, denn keiner der Kandidaten wird im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit erreichen. Diese zu erwartende Stichwahl wird ähnlich aussehen wie bei der letzten Wahl. Die Kandidatur von Catherine Trautmann wird auf jeden Fall viel frischen Wind in den bereits seit Monaten laufenden Wahlkampf bringen. Und Barseghian und Vetter werden sich etwas einfallen lassen müssen, denn die Argumente „ich muss im Amt bleiben“ und „Barseghian muss aus dem Amt gejagt werden“ werden in diesem Wahlkampf nicht ausreichen. Wer OB werden will, muss eine glaubhafte Perspektive für Straßburg aufzeigen. Und das dürfte Catherine Trautmann leichter fallen als ihren Wettbewerbern.

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