Das Elend mit der Deutschen Bahn

Noch nie waren die Züge der Deutschen Bahn unpünktlicher als 2025. Bis die Züge pünktlicher fahren, müssen sich die Bahnkunden allerdings gedulden.

Solche „Fahrgast-Informationen“ werden uns noch ziemlich lange begleiten... Foto: Sebastian Terfloth, User:Sese_Ingolstadt / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 2.5

(KL) – Die Zahlen sind erschreckend. Im Jahr 2025 fuhren nur 60,1 % aller Züge in Deutschland pünktlich, wobei selbst „pünktlich“ ein dehnbarer Begriff ist, denn laut der Deutschen Bahn gilt ein Zug als pünktlich, wenn er nicht mehr als sechs Minuten Verspätung hat. Doch wenn man knappe Umsteigezeiten hat, dann sind auch sechs Minuten eine spürbare Verspätung. Woran liegt diese unglaubliche Unzuverlässigkeit der Bahn und bis wann soll sich das ändern?

Als Grund für die schon fast systematischen Verspätungen führt die Deutsche Bahn die zahlreichen Baustellen im dringend sanierungsbedürftigen Streckennetz und an den großen Verkehrsknotenpunkten an, wo sich die Verspätungen der Züge regelrecht auf den weiteren Zugverkehr fortpflanzen. Das ist ziemlich problematisch, denn Zugfahren ist nicht nur bequem, sondern auch umweltverträglich – doch wer zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort sein muss, der überlegt es sich heute zweimal, ob er das Risiko „Bahnfahren“ auf sich nimmt.

Die neue Bahnchefin Evelyn Palla gibt sich optimistisch – und plant für 2026 Investitionen von 23 Milliarden Euro. Das klingt und ist viel, stellt aber trotzdem nicht einmal die Hälfte der erforderlichen Investitionen dar, die Experten auf 47 Milliarden Euro schätzen. Und mit dem vielen Geld ist das erklärte Ziel von Evelyn Palla, bis Ende 2029 (!) eine Pünktlichkeit von 70 % zu erreichen. Was bedeutet, dass nach diesen heftigen Investitionen und der Modernisierung der Infrastrukturen immer noch jeder dritte Zug Verspätung haben wird. Qualität made in Germany sieht anders aus.

Tapfer kommuniziert die Deutsche Bahn weiter, erklärt, dass sie das Bahnfahren wieder zuverlässiger machen will, ja sogar leistungsstärker. Optimismus allerorten. Prima. Aber die optimistischen Ansagen bedeuten nichts anderes, als dass sich Bahnkunden noch auf lange Jahre hinaus auf massive Verspätungen einstellen müssen. Dass gleichzeitig die Fahrkarten für das Bahnfahren immer teurer werden, macht es den Bahnkunden nicht einfacher, diese Nachrichten zu schlucken.

Warum in dieser angespannten Lage auch noch das Projekt „Stuttgart 21“ durchgezogen werden musste, ein echtes Milliarden-Grab, das noch lange nicht fertig ist, ist schleierhaft. Alleine für diesen Bahnhof beläuft sich die Rechnung bereits auf mehr als 11 Milliarden Euro, Tendenz steigend.

Die Alternativen sind die extrem umweltschädlichen Kurzstreckenflüge und das Auto. Also genau die Verkehrsmittel, von denen die Menschen auf den Zug umsteigen sollen. Um diesen Umstieg zu „erleichtern“, wurden auch flugs die Preise für das Deutschlandticket stark erhöht, so dass dies inzwischen nur noch ein Pendlerticket ohne jede soziale Komponente geworden ist. Und dazu gibt es Verkehrsverbünde, in denen ein normales Abonnement günstiger als dieses Deutschlandticket ist.

Wünschen wir also Evelyn Palla viel Glück in ihrem neuen Job als Bahnchefin und natürlich kommen wir gerne wieder zurück in die Züge der Deutschen Bahn. Sobald nur noch ein Viertel aller Züge unpünktlich ist, was dann wohl so gegen 2032 der Fall sein könnte…

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*



Copyright © Eurojournaliste