Das Klima retten? Das sollen andere tun. Später.

Die EU ist, wie so häufig, sehr mit sich selbst zufrieden. Sie hat sich neue Klima-Ziele gesetzt. Umsetzen sollen diese allerdings die Nachfolger der heutigen Entscheider.

Nur Donald Trump glaubt immer noch, dass der Klimawandel „der größte Beschiss der Menschheit“ sei... Foto: Dcpeopleandeventsof2017 / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Das klingt jetzt erst einmal prima – die EU hat sich auf neue Klimaziele geeinigt. Bis zum Jahr 2040 wollen die Europäer ihre Treibhausgas-Emissionen im Vergleich zu 1990 um 90 % senken. Jetzt weiß natürlich niemand, was das konkret bedeutet, aber man hat sich bereits darauf geeinigt, dass es „Spielräume“ für die Mitgliedsstaaten geben soll. Und klar ist ebenfalls, dass kaum einer der heutigen Entscheidungsträger bis 2040 im Amt sein wird und das wiederum bedeutet, dass die neuen Klimaziele von kommenden Politiker-Generationen umgesetzt werden müssen – worauf die aktuelle Politiker-Generation jetzt so stolz ist, ist unklar.

Nach wie vor setzt die europäische Politik auf den elenden CO2-Zertifikate-Handel, bei dem Unternehmen, die viele Emissionen in die Luft leiten, Zertifikate kaufen, die ihnen das erlauben. In vielen Fällen ist das für die Unternehmen wirtschaftlicher als der Einbau teurer Filteranlagen und deshalb wird eben gegen Geld weiter die Umwelt verpestet. Und da man das in Brüssel so toll findet, erlaubt die EU jetzt auch den Ankauf solcher Zertifikate aus anderen Teilen der Welt – bis zu 5 % der Umweltverpestung können die Unternehmen jetzt im Ausland erwerben. Nur, was uns hier als Erfolg und Schritt in die richtige Richtung verkauft wird, ist das genaue Gegenteil. Erlaubt wird mehr Umweltverschmutzung und die ehrgeizigen und schwammig formulierten Klimaziele werden von der heutigen Politiker-Generation weder umgesetzt, noch ernsthaft angegangen. Wie man darauf stolz sein kann, ist wirklich schleierhaft.

Dafür hat man sich aber bereits etwas einfallen lassen, um auch die übernächste Entscheider-Generation zu beschäftigen. Denn neben dem kaum evaluierbaren Klimaziel 2040 gibt es auch schon eine Strategie für 2050, die natürlich auch von den nächsten Generationen umzusetzen sein wird. Ab 2050 sollen die EU-Mitgliedsstaaten nur noch so viele Emissionen zulassen, wie natürlich und technisch gespeichert und entsorgt werden können. Eine schöne Aufgabe für kommende Generationen, die hierfür nur noch die entsprechenden Technologien entwickeln müssen… im Grunde hätte man in Brüssel auch sagen können, dass man gar nichts gegen den Klimawandel unternehmen will, da man in den kommenden Jahren das knappe Geld lieber in Kriege statt in die Rettung unseres Planeten investieren will.

Jetzt müssen nur noch das Europäische Parlament und der Europäische Rat zustimmen, doch das dürfte reine Formsache sein. Denn ein Beschluss, der letztlich nur sagt, dass man gar nichts machen will, der dürfte eine breite Zustimmung finden.

Was die europäischen Institutionen aktuell abliefern, spottet jeder Beschreibung. Kein Wunder, dass in so vielen europäischen Ländern die Europa-Gegner immer mehr Rückenwind haben. Vom „Europa der Gründerväter“ sind wir inzwischen Lichtjahre entfernt. Dazu haben wir das Pech, dass die wichtigsten Posten in der EU von denjenigen besetzt sind, die Europa immer tiefer in den Abgrund führen. Dass die EU jetzt faktisch erst einmal aus dem Kampf gegen den Klimawandel aussteigt und das Thema einfach den nächsten Generationen aufbürdet, ist ehrlich gesagt auch nicht sehr elegant. Die durch den Klimawandel verursachten Naturkatastrophen, die Europa bis 2040 und 2050 erleben wird, werden viele Menschenleben kosten und horrende Summen verschlingen. Vielleicht wäre es besser gewesen, die zuständigen Politiker hätten einfach geschwiegen, als sich für diese politische Bankrotterklärung auch noch selber zu feiern…

2 Kommentare zu Das Klima retten? Das sollen andere tun. Später.

  1. Das Klima retten? Kann man Wetter, Witterung oder Klima retten? Ist so eine Formulierung ein sprachlicher oder intellektueller Unfall?

    • Na, man könnte das Klima sehr wohl retten, würde man es nicht durch massive Umweltbelastung durch den Menschen völlig deregulieren, was wir seit Jahren erleben. Selbstverständlich könnte man Wetter, Witterung oder Klima durch entsprechende Massnahmen im Gleichgewicht halten, aber das kostet Geld und deshalb tut man es nicht. Irgendwelche “Klimaziele” zu definieren, die von den übernächsten Politikergenerationen umgesetzt werden sollen, werden zur Rettung des Klimas nichts beitragen. Und was soll an der Formulierung “Dazs Klima retten” ein “sprachlicher oder intellektueller Unfall” sein?

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