Das Problem sind die Eltern
Die Bundesrepublik amüsiert sich über das gescheiterte Engagement von Lothar Matthäus als Jugendtrainer des TSV Grünwald. Aber so witzig ist das gar nicht.
Dass Lothar Mattäus seinen Ausstieg beim TSV Grünwald öffentlich gemacht hat, ist eine gute Sache. Foto: Steffen Prößdorf / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int
(KL) – Als Fußballer war Lothar Matthäus Weltklasse. Ansonsten hätte er wohl auch keine 150 Länderspiele absolviert und Titel gesammelt wie andere Briefmarken. Als Trainer war das dann schon eine andere Sache, bei seinen Stationen in Österreich, Serbien, Bulgarien oder auch Israel war er nicht so erfolgreich und seine Engagements dauerten selten länger als ein Jahr. Dass er nun als Trainer beim TSV Grünwald im Jugendbereich aufhörte, wo er unter anderem seinen Sohn Milan trainierte, ging als Witzschlagzeile durch die Presse, doch wenn man genau hinschaut, deckt Lothar Matthäus ein Problem auf, das den Fußball im Jugendbereich schwierig macht – die Eltern.
„Ich hatte keine Lust mehr, abends um 23 Uhr Eltern am Telefon zu erklären, warum ihr Kind nicht mehr Spielzeit bekommt oder morgens um 7:30 das Gleiche per SMS zu tun“, erklärte Lothar Matthäus und kritisierte gleichzeitig das Verhalten der Eltern während der Spiele, wenn speziell Väter, bei denen es nicht zu einer Karriere als Fußballer gereicht hatte, ihre Kinder von den Zuschauerrängen zu Höchstleistungen brüllen wollen. Und dabei regelmäßig alle zivilisatorischen und pädagogischen Grenzen überschreiten.
Für Jugendtrainer sind insbesondere die Spieltage inzwischen eine Tortur. Die Eltern brüllen pausenlos Anweisungen an die Kinder auf dem Spielfeld, „schieß’ doch!“, „spiel ab!“, „geh alleine!“, was die Kinder stark verunsichert, vor allem, wenn mehrere Eltern gleichzeitig sich widersprechende Anweisungen brüllen, statt den Trainer als Bezugsperson für die Kinder machen zu lassen.
In vielen Amateurvereinen gibt es mittlerweile Aushänge, auf denen in einfachen Worten erklärt wird, dass es für die Kinder darum geht, Freude am Kicken zu haben, dass es nicht schlimm ist zu verlieren, dass man dem Coach nicht hineinreden soll und dass zuschauende Eltern keine Trainer sind, aber sich gerne in der Jugendarbeit engagieren dürfen. Dass solche Aushänge notwendig sind, kann man an jedem Wochenende auf den Plätzen erleben, wenn vom Frühschoppen angeheiterte Väter meinen, aus ihren Kindern den nächsten Cristiano Ronaldo oder eben Lothar Matthäus machen zu müssen.
Dass Lothar Matthäus seinen Ausstieg beim TSV Grünwald öffentlich gemacht hat, ist eine gute Sache und sicherlich nicht lächerlich. Lobenswert ist dazu, dass der Mann Zeit und Herzblut in das Training mit den Kids investiert hat und für diese ist es schade, denn mit einem Weltklassespieler trainieren zu dürfen, war sicherlich ein Erlebnis für die Kleinen.
Insofern der Appell an alle Fußball-Eltern – lassen Sie die Kinder spielen, vertrauen Sie dem Coach, dass er das Richtige macht, loben Sie die Kinder und haben Sie Freude mit ihnen!
Kommentar hinterlassen