Davos hat nichts verbessert – im Gegenteil
Der Auftritt von „Daddy Trump“ in Davos, wo er Grönland mit Island verwechselte und seine früheren Partner beleidigte, hat die Situation noch verschärft.
(KL) – Viele Beobachter hatten gehofft, dass die Rede von Donald Trump die Lage insgesamt etwas entspannen würde. Doch das ist nicht der Fall. Trumps erratische Außenpolitik hat sich genauso verschärft wie die unglaublichen Übergriffe seiner US-Gestapo ICE in den USA und die Trump-Adlaten wie seine keifende Pressesprecherin Karoline Leavitt beschränken sich inzwischen auf dreisteste Lügen und die übliche Lobhudelei für einen verurteilten Straftäter. Einziger Lichtblick: Entgegen der Behauptungen Trumps sinken die Umfragen für die Republikaner.
In Davos sah die ganze Welt, dass Donald Trump unter multiplen Pathologien leidet, was keine gute Nachricht angesichts seiner Machtfülle ist. Zwischen falschen Zahlen, Drohungen, Beleidungen und der üblichen Selbstbeweihräucherung sah jeder Zuschauer, dass mit diesem Mann etwas nicht stimmt. Und in den USA wird immer offener darüber diskutiert, dass all das Getöse dieses Mannes vor allem ein Ziel hat – die Epstein-Files vergessen zu machen, wobei kaum noch jemand daran zweifelt, dass der Name Trump in diesen Akten steht und ihm diese Akten endgültig das Genick brechen könnten. In der Zwischenzeit beherrscht Trump die Schlagzeilen und das schmeichelt dem Mann, der nicht einmal rot wird, wenn er behauptet, die anderen Staats- und Regierungschefs würden ihn „Daddy“ nennen. Das haben vielleicht die Mädchen auf Epstein Island getan, aber es ist nur schwer vorstellbar, dass irgendjemand außer NATO-Chef Mark Rutte so gestört wäre, Donald Trump „Daddy“ zu nennen.
Seine Aussagen zu Grönland, aber auch zu seinem Lieblingsthema „Strafzölle“ waren nicht nur wirr, sondern haben im Grunde keinerlei Wert – es reicht, dass Trump morgen früh schlecht gelaunt aufwacht und dann geht alles noch heftiger los.
Sein „Friedensrat“ entwickelt sich zu einem „Club der Diktatoren und Menschenrechtsverletzer“ und die meisten „zivilisierten“ Länder verspüren keinerlei Motivation, an diesem Anschlag auf die UNO mitzuwirken. „Frieden“ wird dieser Rat nicht schaffen, aber sicherlich ein Umfeld schaffen, in dem Trump und seine Milliardärs-Freunde ordentlich Geld verdienen können.
Davos ist also keineswegs eine Veranstaltung gewesen, nach der man durchatmen kann, es hat sich nicht nur nichts verbessert, sondern die Situation sogar verschlimmert. Dabei merkt man, dass der Westen immer noch nicht verstanden hat, dass mit diesem US-Präsidenten weder Dialog, noch ein vernünftiger Austausch möglich ist. Auf ein geeintes Europe, dass sich diesem Welt-Brandstifter geschlossen entgegen stellt, warten wir weiter vergeblich. Selbst die Gespräche in Abu Dhabi, wo die USA, Russland und die Ukraine mit zweitrangigen Delegationen verhandeln, sind eine Farce. Immerhin hat der Kreml bereits im Vorfeld erklärt, nicht von seinen Maximalforderungen abzurücken und da auch die Ukraine zu keinen Kompromissen bereit ist und die immer härter werdenden Angriffe ungebremst weitergehen, ist bereits jetzt klar, dass der Krieg in der Ukraine weit von einer Lösung entfernt ist. Aber immerhin können jetzt alle Beteiligten behaupten, dass sie guten Willens seien und den Austausch gesucht hätten.
Natürlich setzen jetzt viele, auch in den USA, auf die „Midterm elections“, doch finden diese erst im November statt und was dem „Orange Man“ bis dahin noch alles einfällt, steht ebenso in den Sternen wie die Antwort auf die Frage, ob diese Wahlen überhaupt stattfinden werden oder ob wir bis dahin eine Art „Ermächtigungsgesetz“ für Trump sehen werden.
Doch nun werden sich die Europäer gemeinsam verhalten müssen, denn dies ist die vielleicht letzte Chance, die EU zu einen und endlich stärker zu machen. Aber ob das mit dem aktuellen Führungspersonal in Europa überhaupt möglich ist, das ist ebenfalls mehr als fraglich. Das Jahr 2026 ist bereits nach weniger als einem Monat zu einem annus horribilis geworden und man kann nur hoffen, dass dieser Präsident endlich über seinen eigenen Größenwahn stolpert.

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