Denn sie wissen nicht, was sie tun…
Dass sich die Straßburger Oberbürgermeisterin vor den nächsten OB-Wahlen positiv ins Licht rücken will, kann man verstehen. Doch dass sie dabei den Gaza-Konflikt nach Straßburg trägt, ist mehr als unangemessen.
Was für ein passendes Geschenk für Jeanne Barseghian - eine "from the river to the sea"-Karte... Foto: ScS FB
(KL) – Straßburg steht Kopf. Die einen jubeln, die anderen sind schockiert. Nachdem die Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian eine palästinensische Delegation des palenstinensischen Flüchtlingslager Aïda im Westjordanland empfangen hatte, mit dem die Stadt Straßburg eine Städtepartnerschaft eingehen wird, während die bestehende Städtepartnerschaft zwischen der Europahauptstadt und Ramat Gan in Israel „eingefroren“ werden soll (was das konkret bedeutet, weiß niemand), leistete sich Jeanne Barseghian gleich eine ganze Reihe diplomatischer Faux-Pas, die derart heftig sind, dass man sich fragt, ob diese Stadtregierung überhaupt noch mitbekommt, was sie da eigentlich macht.
Bevor die anwesenden Mitglieder der Stadtregierung stolz mit Palästinenser-Tüchern und der Besucherdelegation fürs Gruppenfoto posierten, wurden Bilder von der Übergabe des Gastgeschenks der Palästinenser gemacht – eine Karte, auf der ganz Israel von einer palästinensischen Fahne abgedeckt ist, eine eindeutige Nachricht, die graphisch die palästinensische Forderung „from the river to the sea“ darstellt, also die Zielsetzung, Israel und die dort lebenden Juden auszurotten. So zu posieren, ist ein Schlag ins Gesicht der jüdischen Gemeinde in Straßburg, einer der größten in Europa, das Ganze vor dem Hintergrund der im nächsten Frühjahr stattfindenden OB-Wahlen.
Ist es tatsächlich die Aufgabe einer Oberbürgermeisterin, die jüdische Gemeinde derart zu desavouieren? Die eindeutig antisemitische Positionierung dieser Stadtregierung ist wohl der größte ihrer vielen Fehler, obwohl das linksextreme Lager, das in der Stadt Straßburg traditionell stark ist, lauthals über diese diplomatische Fehlleistung jubelt.
Straßburg ist die Stadt, die wie keine andere die Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland nach dem II. Weltkrieg symbolisiert. Vor diesem Hintergrund wurden der Europarat und das Europäische Parlament in Straßburg angesiedelt und die Europahauptstadt sollte die Stadt des Ausgleichs und der Verständigung sein und nicht etwa die Stadt, in der die Oberbürgermeisterin unter dem Druck ihrer Mitarbeiter Öl ins Feuer dieses Konflikts in Gaza gießt.
Ein Fehler? Eine Unachtsamkeit? Das ist kaum vorstellbar, denn eine Karte, die Palästina „from the river to the sea“ zeigt, die kann auch Jeanne Barseghian lesen. Und somit importiert die Oberbürgermeisterin den Gaza-Konflikt nach Straßburg, was auch jede inhaltlich wichtige Debatte unmöglich macht. Viele Straßburger, auch jüdischen Glaubens, sind darüber entsetzt, was momentan in Gaza passiert. In Israel hat Nethanjahu keine Mehrheit mehr in der Bevölkerung, doch hat diese momentan keine Möglichkeit, Nethanjahu abzuwählen. Doch Jeanne Barseghian zog es vor, die Gräben zu vertiefen, statt den Dialog zu ermöglichen.
Dass es Jeanne Barseghian in einer solchen Situation für angebracht hält, alle Juden und alle Israelis in eine Art „intellektuelle Sippenhaft“ zu nehmen, ist ein Skandal, der mit Ungeschicklichkeit nicht ausreichend erklärt werden kann. Es wäre ihre Aufgabe gewesen, den Ausgleich zu suchen, die jüdische Gemeinde in diesen ganzen Vorgang einzubinden, statt vor einer Karte zu posieren, die eine genozidäre Absicht der Palästinenser ausdrückt. Denn auch eine Jeanne Barseghian sollte wissen, dass „from the river to the sea“ nichts anderes als die Aufforderung zum Völkermord ist, die Absichtserklärung, die Hamas, Hisbollah, Huthis und iranische Milizen teilen, und die vorsieht, Israel von der Karte verschwinden zu lassen und die Juden zu töten.
Wie ernst diese Absichtserklärung wirklich ist, erkennt man an den immer zahlreicheren Morden an jüdischen Mitbürgern, an der Tatsache, dass die Hamas immer noch israelische Geiseln festhält, foltert und umbringt, doch im Barseghian’schen Narrativ ist alles vergeben und vergessen und da ist es einfacher, den 7. Oktober 2023 und die barbarischen Überfälle zu verschweigen und selbst strahlend mit Palästinener-Tuch die Forderung nach der Auslöschung des jüdischen Lebens in Israel zu unterstützen.
Jeanne Barseghian hätte versuchen können, Brücken zu bauen, einen Ausgleich und Dialog zu schaffen, für Straßburg den Frieden anzumahnen. Doch sie hat genau das Gegenteil getan. Sie hat für die Europahauptstadt die Forderung nach der Auslöschung des Staats Israel übernommen, sie hat eine moralische Rechtfertigung für die Ermordung von Juden geliefert und das war defintiv nicht ihre Aufgabe. Mit dieser unglaublichen Aktion hat Barseghian allerdings niemandem geholfen. Weder wird diese Aktion Nethanjahu stoppen, noch die Überlebensbedingungen der Palästinenser in Gaza verbessern, noch einen Ansatzpunkt für einen Dialog liefern.
Stattdessen hat sie in das Gesicht der Zehntausenden Juden in Straßburg gespuckt, den Mord an Juden rechtfertigt und das Ziel des seit Jahrzehnten andauernden Terrorismus unterschrieben, das da lautet „from the river to the sea“. Dass sie nicht wusste, was sie da tat, kann man ihr kaum zugute halten – aber dafür wählen die Straßburger nächstes Jahr einen neuen OB. Hoffentlich einen, der die Stadt nicht weiter mit Hass spaltet, sondern einen, der sich daran erinnert, dass Straßburg die Stadt des Ausgleichs und der Versöhnung sein sollte.
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