Der DFB zieht den Schwanz ein
WM-Boycott? Revolte gegen den korrupten FIFA-Chef Gianni Infantino? Ein Zeichen gegen das unglaubliche Vorgehen der US-Behörden? Nix von alledem gibt’s beim DFB.
Dank Verbänden wie dem DFB stehen die Gewinner der WM bereits fest – die FIFA und Donald Trump. Foto: Juan Kulichevsky from Argentina / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 2.0
(KL) – Der DFB hat seine Haltung zu der Skandal-WM in den USA, Mexiko und Kanada gefunden und – es ist eine jämmerliche Haltung. Die DFB-Oberen vertreten die Ansicht, dass Reaktionen auf die unhaltbaren Zustände in den USA, die zuletzt bei den Vorbereitungsspielen der französischen Nationalmannschaft von deren Trainer Didier Deschamps kritisiert wurden, „nicht zielführend“ wären und man sich daher so bedeckt halten will, dass Gianni Infantino und Donald Trump von DFB-Seite nichts zu befürchten haben. Ähnlich wie zuvor schon die EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen ziehen es die DFB-Chefs also vor, sich einem korrupten FIFA-Chef und einem korrupten Präsidenten zu unterwerfen. Und das wollen die DFB-Spitzen hinbekommen, ohne Politik und Sport zu vermischen? Das soll ja wohl ein müder Witz sein.
Seine Haltung begründet der DFB damit, dass sich die deutschen Kicker bei den letzten beiden WMs in Russland und in Katar durchaus geäußert hatten, und dann bereits in der Vorrunde die Segel streichen mussten. Doch das lag nicht etwa daran, dass denkende Fußballer eine Meinung hatten, sondern daran, dass das deutsche Team bei beiden letzten Weltmeisterschaften richtig schlecht spielte.
Rudi Völler versuchte noch, die Wogen zu glätten, indem er sagte, dass die deutschen Spieler keinen Maulkorb hätten und, da wir ja in einer Demokratie leben, ihre Meinung auch sagen dürften. „Aber bitte nicht am Tag vor dem Spiel“. Ja, wann denn dann? Wenn niemand zuhört?
Noch einfacher macht es sich Bundestrainer Julian Nagelsmann. „Wenn ich einen Knopf hätte, mit dem ich alle Kriege beenden könnte und der mir darüber hinaus eine tolle WM mit Frieden und toller Stimmung garantieren würde, würde ich den sofort drücken. Aber den habe ich leider nicht.“ Und da macht es dann mehr Sinn, die Augen vor den US-Skandalen zu schließen und sich eben stillschweigend am „Trump-Whitewashing“ zu beteiligen.
Geradezu panisch reagierten die DFB-Bosse, als St. Pauli-Präsident und DFB-Präsidiumsmitglied Oke Göttlich das Thema „Boykott“ diskutieren wollte. Da flippte dann die DFB-Normenklatur aus, weigerte sich, diese Diskussion zu führen, da sie laut DFB-Präsident Bernd Neuendorf „zur Unzeit“ käme (diese Diskussion nach der WM zu führen bringt dann auch nicht mehr so richtig viel) und Göttlichs Position wurde als „Einzelmeinung“ abqualifiziert. Klar – der DFB steht unverrückbar auf der Seite der Korruption und von Diktatoren, aber das tut er ja bereits seit Jahren.
Für einen Boykott von offizieller Seite reichen die „cojones“ der Fußball-Funktionäre leider nicht aus. So wird den Fans, die dieses „Whitewashing“ widerlich finden, nichts anderes übrigbleiben, als diese WM und deren Partner eben ganz privat zu boykottieren. Doch wer solche Sportverbände hat, der muss sich nicht wundern, dass die Bösewichter dieser Welt in aller Ruhe ihre Dinger durchziehen können und sich dabei noch nicht einmal Kritik anhören müssen. Ganz schön erbärmlich, was der DFB da so produziert.
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