Der Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau wird 20
Im Straßburger Hôtel de Ville wurden diese Woche die 20 Jahres des Eurodistrikts Strasbourg-Ortenau gefeiert. Und eine neue Generalsekretärin gibt es auch.
Sie sind sehr zufrieden mit ihrer Arbeit für den Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau. Aber es könnte noch wesentlich besser laufen... Foto: © Jérôme Dorkel
(KL) – Ein schöner Festakt in einem würdigen Rahmen sollte die 20 Jahre des Bestehens dieses Eurodistrikts feiern, und viele frühere Akteure dieses Eurodistrikts waren gekommen, darunter die früheren Präsidenten dieses grenzüberschreitenden Zweckverbands Frank Scherer und Roland Ries. Auch die aktuelle Präsidentin des Eurodistrikts Strasbourg-Ortenau Jeanne Barseghian und ihr Vizepräsident, der Ortenauer Landrat Thorsten Erny, waren anwesend und lobten diesen Eurodistrikt und vor allem sich selbst für die tolle Arbeit dieser grenzüberschreitenden Struktur. Allerdings fehlten zahlreiche der Akteure, die diesen Euroistrikt überhaupt erst auf die Schiene gebracht hatten.
So darf man durchaus an die nicht einfache Gründungsphase erinnern, als sich der damalige Ortenauer Landrat Klaus Brodbeck mit dem damaligen Präsidenten der Stadtgemeinschaft Strasbourg Robert Grossmann auseinandersetzen musste, was nicht immer reibungslos war, aber dennoch zu Ergebnissen führte, aber auch eine ganze Reihe früherer Generalsekretäre sollte nicht vergessen werden, wie Pascale Simon-Studer, Professor Michael Obrecht, Cordula Riedel und zuletzt Annika Klafke – ohne all diese Akteure wäre aus diesem Eurodistrikt nichts geworden.
Dass man sich bei solchen Gelegenheiten gerne selbst auf die Schulter klopft, das kann den Akteuren niemand verdenken. Allerdings ist zu viel Selbstzufriedenheit auch nicht gut, denn wenn man sich für nahezu perfekt hält, dann hängt man sich nicht genug in die Projekte, um aus diesem Eurodistrikt noch viel, viel mehr zu machen.
Denn wenn Jeanne Barseghian stolz darauf verweist, dass in diesen 20 Jahren 3 Millionen Euro als Subventionen an Projekte ausgeschüttet wurden, so sind das gerade mal 150 000 Euro pro Jahr, die man von beiden Seiten in die grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf Bürgerebene investiert hat. Angesichts der geographischen Nähe zwischen der Ortenau und der Europzahauptstadt ist das ganz schön wenig und wenn man dann noch bedenkt, dass diese Subventionen zumeist denselben Projekten zur Verfügung gestellt wurden, dann ist das wirklich nicht beeindruckend. Hier sollte man sich selbst etwas weniger loben, dafür aber neue, ambitionierte Ziele definieren, denn momentan ist der deutsch-französische Motor reichlich am Stottern.
Auch der Hinweis, dass sich im Rahmen von drei Bürgerforen 750 Menschen beteiligt hatten, Projektvorschläge unterbreiteten und sich aktiv am Aufbau dieses gemeinsamen Lebensraums beteiligen wollten, dürfte dem einen oder anderen etwas bitter aufgestoßen sein – denn weder wurden zu diesen Foren entsprechende Berichte zeitnah erstellt, noch wurden die vielen Projektvorschläge umgesetzt. Bürgerbeteiligung sollte aber in einer solchen Struktur keine Alibi-Kommunikation sein, sondern den Bürgerinnen und Bürgern sollte ein echtes Mitspracherecht eingeräumt werden, die Möglichkeit zum Mitgestalten, damit das ursprüngliche Ziel eines „europäischen Laboratoriums“ kein leerer Slogan bleibt.
Nach 20 Jahren ist der Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau noch weit davon entfernt, das zu leisten, was er leisten könnte. Die netten Ansprachen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass man speziell im Bereich der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit wesentlich mehr tun könnte und müsste. So fehlte dann bei dem Festakt auch ein wenig eine realistische und ehrgeizige Zielsetzung, mit der dieser Eurodistrikt eines Tages wirklich ein Akteur der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit wird.
Vielleicht schafft das ja die neue Generalsekretärin Katrin Neuss, deren Berufung sicherlich eine gute Sache ist. Katrin Neuss arbeitet seit 10 Jahren in verschiedenen Funktionen für diesen Eurodistrikt und ist eine herausragende Expertin der Abläufe, aber auch der administrativen Probleme, mit denen der Eurodistrikt auch nach 20 Jahren noch zu kämpfen hat.
Betrachten wir also diese 20-Jahr-Feier als einen Meilenstein auf dem Weg zu einem Eurodistrikt, der seine Aufgaben im Herzen der Bürgerschaft auf beiden Rheinufern wirklich erfüllen kann. Ein Prost auf die nächsten 20 Jahre!
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