Der französische Wahnsinn geht in die nächste Runde

Gestern scheiterte Premierminister François Bayrou an der Vertrauensfrage – rund zwei Drittel der Abgeordneten der Nationalversammlung stürzten seine Regierung.

François Bayrou auf dem Weg zu seiner letzten Rede als Premierminister in der Nationalversammlung. Foto: ScS EJ

(KL) – Dass Premierminister François Bayrou gestern in der Nationalversammlung gestürzt wurde, war keine Überraschung. So beklagte sich Bayrou dann auch vor der Abstimmung in dem, was seine Abschiedsrede werden sollte, dass er weder eine relative, noch eine absolute Mehrheit im Parlament habe. Das stimmte zwar, doch verschwieg Bayrou dabei, dass er unter diesen Umständen nichts auf dem Posten des Regierungschefs zu suchen hatte. In einer repräsentativen Demokratie kommen die Regierungsposten nicht den Vertretern von Kleinstparteien zu, sondern den Wahlgewinnern. Außer in Frankreich, wo der Präsident seit geraumer Zeit die Demokratie abgeschafft hat und über das Land herrscht, wie es ihm beliebt.

Bayrou ist nichts anderes als ein Bauernopfer, das Macron sicherlich gelegen kam. Bayrou hatte zuviele Skandale an den Hacken kleben und zwei Tage vor der wütenden „Blockade“ des Landes am 10. September, hielt es Macron vermutlich für den richtigen Zeitpunkt, den nächsten Premierminister loszuwerden. Zumal er gar keinen Regierungschef braucht, da er ohnehin seit geraumer Zeit alleine regiert.

War Macron vor einiger Zeit „nur“ unbeliebt, wird er inzwischen von einer riesigen Mehrheit der Franzosen geradezu gehasst, denn die Franzosen haben inzwischen verstanden, dass dieser Präsident eine echte Gefahr für die französische Demokratie ist. Der einzige Weg, Frankreich aus diesem politischen Chaos zu befreien, ist nicht etwa die Nominierung des nächsten Macronisten zum Regierungschef, sondern der Rücktritt des Präsidenten. Doch der hält sich für „Jupiter“ und von Gottes Gnaden zum Herrscher über die Franzosen eingesetzt und er denkt gar nicht daran zurückzutreten. Doch so lange der Mann an seinem Posten klebt, wird sich das politische Chaos nicht von Zauberhand alleine lösen.

Nach dem Sturz der Regierung Bayrou kündigte Macron an, schon „in den nächsten Tagen“ dessen Nachfolger ernennen zu wollen. Seine eigene Rolle hält er für unantastbar und in der Tat, der Mann ist ziemlich schmerzfrei. Auch, wenn ein Donald Trump ihn öffentlich als „Schwätzer“ abstempelt, dessen Ansichten und Meinungen niemanden interessieren, auch, wenn die internationale Gemeinschaft Macron für absolut unwichtig erachtet, versucht er weiterhin, zusammen mit seinen ebenso in ihren Ländern unbeliebten Spezis Starmer und Merz „Mr. Wichtig“ zu spielen. Wie die Franzosen diesen Mann noch bis 2027 ertragen sollen, steht in den Sternen.

Und so beginnt nun der „heiße Herbst“ in Frankreich, mit einer landesweiten „Blockade“ morgen am Mittwoch, mit Streiks später im September und auch die Ernennung eines neuen Regierungschefs, der wiederum nicht die Mehrheit der Franzosen, sondern ausschließlich die schon längst abgewählte Macronie repräsentieren wird, könnte auch zu neuen Unruhen führen. Die Verantwortung für alles, was in diesem Herbst in Frankreich passieren wird, trägt einzig und allein der Präsident, der offenbar überhaupt kein Interesse daran hat, dass sich das Land beruhigen kann.

Die Jahre der Macronie werden in der Tat in die Geschichtsbücher Einzug erhalten – als die politisch schlimmsten Jahre, die Frankreich in der V. Republik erlebt hat. Und so bleibt nur die Hoffnung, dass das Ende der Macronie nicht in einer Orgie der Gewalt endet, denn Macron hat den Bogen eindeutig überspannt. Bereits ab morgen wird es in Frankreich ungemütlich werden…

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