Der Kapitalismus frißt seine Kinder auf…

Der französische Fußball-Traditionsverein Olympique Lyonnais erlebt einen Schock – der Verband FFF hat den Zwangsabstieg des Vereins in die 2. Liga beschlossen.

Ruiniert von einem US-Investor - Olympique Lyonnais wird in die 2. Liga zurückversetzt. Foto: Zakarie Faibis / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Die Finanzaufsicht des französischen Fußball-Verbands DNCG hat eine harte, aber wenig überraschende Entscheidung getroffen – wegen seiner unglaublichen Überschuldung muss Olympique Lyonnais, einer der französischen Traditionsvereine, in die 2. Liga absteigen. Sportlich hatte Lyon die Saison in der 1. Liga auf Tabellenplatz 6 beendet und sich für die Europa League qualifiziert. Doch seit November 2024 stand der Vereine, der damals eine halbe Milliarde Schulden (!) aufwies, bereits unter Bewährung und genau deswegen verhängte nun der Verband den Zwangsabstieg, gegen den Besitzer John Textor zwar noch Berufung einlegen will, doch stehen die Chancen, dass der Verband beide Augen zudrückt, gering.

Das Problem einer steigenden Zahl Profivereine sind die Besitzverhältnisse. So ist der amerikanische Investor John Textor nicht nur Besitzer von Olympique Lyonnais, sondern gleichzeitig auch des brasilianischen Topclubs Botafogo, von RWD Molenbeek in Belgien und hielt bis vor wenigen Tagen auch Anteile am Londoner Verein Chrystal Palace, die er jetzt verkaufte, angeblich, um den Cashflow in Lyon auf stabilere Füsse zu stellen. Die Zeiten, in denen die Vereine von Menschen mit Herzblut geführt wurden, sind vorbei und unter der Fuchtel von FIFA-Chef Gianni Infantino verwandelt sich der Fußball von einem Sport ins pure Business.

Dass milliardenschwere Investoren gleich mehrere Vereine besitzen und damit ein neues Geschäftsmodell in den Profisport eingezogen haben, ist eine bedenkliche Entwicklung, denn sie verzerrt den Wettbewerb und stelle damit eine Art Betrug an den Vereinen und den Fans dar. John Textor dürfte es relativ egal sein, ob einer seiner Vereine in der 1. oder 2. Liga spielt, solange er nur genug Geld mit seinem Imperium verdient. Und somit bleibt im Spitzensport der Sport auf der Strecke und der Wild-West-Kapitalismus der Vereinseigner kann lange sportliche Traditionen zerstören.

Der Schock in Lyon sitzt tief und über Nacht sind überall in Lyon Graffitis „John Textor – dehors!“ („John Textor – raus!“) aufgetaucht, doch die Entrüstung der Fans ist ebenfalls ein Parameter, der in den Chefetagen der Vereine kaum noch wahrgenommen wird.

In Straßburg kennt man das Problem – wurde der Racing Club de Strasbourg doch 2011 nach finanziellen Unregelmäßigkeiten in die 5. Liga zurückversetzt und musste sich neun lange Jahre durch die Niederungen des Amateur-Fußballs wieder in die Elite hochkämpfen. Heute gehört der Straßburger Verein dem US-Investor BlueCo, dem auch der FC Chelsea gehört und auch hier wird es von den Fans kritisch gesehen, dass der Verein heute Teil eines Konglomerats ist, in dem Spieler hin- und her verschoben werden und die Zielsetzung der Eigner nicht sonderlich klar ist. Allerdings muss man festhalten, dass das erste Jahr in dieser Konstellation erfolgreich war – Racing qualifzierte sich für die Play-Offs der Conference League und legte eine erfolgreiche Saison hin. Dass einige der besten Spieler nun zum FC Chelsea geholt werden, ist wenig überraschend, zerstört aber langsam, aber sicher, die Identifikation der Fans mit dem Verein.

Wie es für Lyon weitergeht, ist noch unklar, doch ist die Entwicklung des Fußballs insgesamt bedenklich. Wenn das Business den Sport verdrängt, dann gibt das keine gute Perspektive für die Zukunft. Und öffnet Korruption und Betrug Tür und Tor. So, wie es aussieht, wird man „echten“ Fußball künftig nur noch in den Amateurligen anschauen können…

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*



Copyright © Eurojournaliste