Der „kranke deutsche Weg“
In der UNO-Vollversammlung erlebten die Zuhörer „Onkel Donalds Märchenstunde“. Dabei erfuhren wir Deutschen, was angeblich in unserem Land gerade so passiert...
Donald Trumps Rede vor der UNO-Vollversammlung war an Peinlichkeit kaum zu überbieten... Foto: ScS EJ
(KL) – Man könnte fast den Eindruck bekommen, dass die Trump-Administration nicht nur eine Menge Mitarbeiter beim FBI und in anderen Behörden gefeuert hat, weil diese nicht als „linientreu“ galten, sondern dass Trump auch im State Department aufgeräumt und die Deutschland-Abteilung entlassen hat. Denn das, was Trump vor der UNO-Vollversammlung zum Thema Deutschland erzählte, war so dermaßen weit von den Realitäten des Heimatlands seiner Vorfahren entfernt, dass man sich fragt, ob es in Washington keinen Berater mehr gibt, der Trump wenigstens in Grundzügen erläutern kann, was in Deutschland los ist.
So behauptete Trump, mit einer Stichelei gegen die neue Vorsitzender der UNO-Vollversammlung, die Grüne Annalena Baerbock, dass die „Grünen Deutschland in den Bankrott“ getrieben haben und sich Deutschland nun endlich entschlossen haben, seinen „kranken Weg“ zu verlassen. Das zeige sich darin, dass sich Deutschland vernünftigerweise dafür entschieden habe, jetzt wieder auf Atomkraft zu setzen. Ungefähr nichts stimmt an dieser Aussage. Weder ist Deutschland bankrott, noch besteht die Absicht, die in den letzten Jahren stillgelegten 19 AKWs in Deutschland wieder hochzufahren. Anders als die USA hat Deutschland die Bedrohung durch den Klimawandel erkannt und setzt nun auf Erneuerbare Energien, also diejenigen Energien, die Donald Trump in den USA abschaffen wird, denn einerseits gibt es in seinen Augen gar keinen Klimawandel und zum anderen „muss man mit Energie Geld verdienen“. Wer sich hier auf einem „kranken Weg“ befindet, scheint klar zu sein.
Aber zum Glück hat Donald Trump erkannt, dass Deutschland nun endlich wieder einen „starken Führer“ in der Person von Friedrich Merz hat. Naja, zum einen verspürt in Deutschland wohl kaum jemand das Bedürfnis, einen „starken Führer“ zu haben, denn das hatten wir schon einmal und das war dann auch nicht so toll, zum anderen ist es schon ziemlich gewagt, den von rund zwei Dritteln der Deutschen abgelehnten Friedrich Merz als „starken Führer“ zu bezeichnen. Den Bundeskanzler dürfte es zwar gefreut haben, als einer von wenigen der scharfen Kritik des amerikansichen Präsidenten entgangen zu sein, aber ist ein Lob von Donald Trump momentan nicht das Schlimmste, was einem Politiker passieren kann?
Die unglaubliche Ahnungslosigkeit dieses Präsidenten, der die Hälfte seiner Redezeit mit einer richtig peinlichen Lobhudelei auf sich selbst und langweiligen Anekdoten zum Bau des Gebäudes der UNO verplemperte, ist beunruhigend. Auch geografisch ist der Mann nicht richtig auf der Höhe, lobte er sich doch selbst dafür, einen Krieg zwischen „Abberjian“ und „Albania“ beendet zu haben, wobei er „Azerbaijan“ und „Armenien“ meinte.
Es ist zum Haareraufen, dass dieser Mann über derart viel Macht verfügt, obwohl er ganz offensichtlich nicht über die intellektuellen Fähigkeiten verfügt, sein Amt auszuüben. Aber nichtsdestotrotz, sollte er sich vielleicht vor seinen nächsten Reden überlegen, diese einmal von jemandem gegenlesen zu lassen, der wenigstens ein Minimum an Ahnung hat. Das könnte so peinliche Auftritte wie diesen vor der UNO vielleicht verhindern.
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